Farmy.ch – Retter des guten Geschmacks

Wie verkehrt die Welt, das Empfinden vom ethischen Handeln mit der Natur der Grossverteiler wie Coop , Denner und Migros hierzulande ist, sehe ich jeweils vor Weihnachten oder Ostern, wenn die Samikläuse im Oktober und der Osterhasen mich im Januar anlachen.Kommt hinzu, dass jedes Jahr 1000000 Hühner nur für Ostern gezüchtet werden, damit sie (Oster-) Eier legen, danach werden sie vergast.

Jetzt ist es an der Zeit, sich als Konsument eine andere Richtschnur als nur den billigen Preis anzulegen, dachte ich mir und so entdeckte ich FARMY.CH.

Gerade in der Agglomeration und den Städten ist beim raschen Verschwinden von Landwirtschaftsbetrieben in diesem Land der nächste Biobauernhof weit entfernt, aber der Computer nah.

FARMY.CH ist ein Hofladen oder Stand wie man ihn von der Landstrasse mit Schildern oder vom Markt kennt, nun ist er im digitalen Netz für jeden rasch erreichbar. Auf der Internetseite gibt es vom Gemüsebauern aus Kerzers Salat, der Käse kommt aus Hinwil, die Beeren aus Noflen, das Poulet aus Dietikon usw.

Alle diese Landwirt pflanzen nach biologischen Kriterien und verantwortungsvoll an und sie zeigen ihr Gesicht auf der Internetseite, haben eine Adresse und leben bis auf wenige Ausnahmen in der Schweiz.

Die 2013 entstande Idee FARMY.CH von Tobias Schubert und Roman Hartmann  aus Zürich liefert die Produkte, einzeln oder als praktische Tasche für Allein- oder Paarhaushalte vor die Tür und ich habe es für Sie getestet.

Der Erfahrungsbericht:

Es ist Samstag 7.45 Uhr, es läutet, Die Vögel singen und im Morgenmantel hole ich die Tasche Probierkorb Single für 39.– vor der Eingangstüre ab, Ein Kraussalat lacht mich schon an und der Duft von Brot steigt in die Nase. Auf den Küchentisch lege ich die zehn biologischen Produkte aus Zürich auf den Tisch und bei einer Tasse Kaffee mache ich mich an den Test.

Eier – die unterschiedlichen Grössen spielen keine Rolle, das Spiegelei ist schön gelb und mundet kräftig an.

Heidelbeeryoghurt – das ist für einen Yoghurt zu flüssig, aber das Drink ein Traum.

Brot – stammt von John Baker aus Zürich – der Duft und die Nüsse verbreiten sich im Zimmer und machen gute Laune

Himbeerkonfitüre – wenig Zucker, sehr lecker auch zwischendurch

Milch – naturbelassen steht gross auf dem Glas, Lange ist es her, dass ich keine uperisierte Milch mehr getrunken habe, ich muss mich an den Geschmack gewöhnen.

Avocadozauber- veganer Brotaufstrich- sehr speziell, etwas fettig

Meerettich – Soyanada ist der Hersteller und als Brotaufstrich sehr lecker

Bio Pesto Berlauch – obwohl es noch keinen in der Natur gibt, erst in ein paar Wochen, ist dieser ein Jahr alte aus einem Betrieb aus Wetzikon gut gewürzt und schmeckt sehr gut.

weiter in der Tasche sind noch ein Pouletschenkel, etwas kleine Rübli und saftige Aepfel.

Fazit:

Egal was der Tag an Sorgen bringen wird, das Ausprobieren am Frühstückstisch all dieser regionalen Bioprodukte des FARMY.CH- Singleprobierkorbes war ein Erlebnis für die Sinne. Es erinnerte mich an die Besuche bei Grossmutter, die auch alles selber herstellte und jeder Bissen ein Herantasten an die Vielfalt der Natur war, Nun habe ich dank FARMY:CH es wieder erlebt und es war abwechslungsreich und stärkend.

FARMY.CH ist momentan stark auf den Raum Zürich fixiert; Dort kann man die Produkte an verschiedenen Abholstellen abholen. In der übrigen Schweiz werden sie zwei Tage nach der Bestellung geliefert für 19.90 und weniger.

Es wäre sicher lohnenswert, wenn noch andere Abholstellen in anderen Schweizer Städten hinzukämen, damit die Oekobilanz nicht durch die lange Anfahrt getrübt wird. Ausserdem ist FARMY:CH weiter interessiert mit Bauern, die das Herz für die Natur und nicht das Geld an rechten Fleck haben, zusammenzuarbeiten.

Wer wieder mal auf der Zunge schmecken will, was auf der Schweizer Erde an gesunden Nahrungsprodukten wächst, bestellt bei FARMY.CH.  En Guete!

FARMY:CH

Die Kunst Max Gublers in guten und schlechten Zeiten

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Drei Tage nach der „german wings – Katastrophe“ ist das Wort seelisch erkrankt allgegenwärtig und auch bei der aktuellen Ausstellung im Kunstmuseum Bern ist die Depression eines Mannes Thema.

Tragisch war der Moment im Leben vom Maler Max Gubler, als er sich eingestehen musste, dass er den Weg des Schweizer Genies, wie es ihm Kritik und Publikum immer eingestanden hatte, nicht zu Ende gehen konnte und sich die Tore der psychiatrischen Klinik Burghölzli schlossen.

In sechs Räumen zeigt das Kunstmuseum Bern bis zum 2.8.erstmals das gesamte Werk des „Schweizer Edvard Munch“, der 1898 in Zürich-Aussershil als Sohn eines Dekorationsmalers und Restaurators geboren wurde.

Obwohl die Fotografie im 20, Jahrhundert eine führende Rolle in der Kunstgeschichte spielt, ist das Werk Gublers, das eines Malers, der die Wirklichkeit visuelle erforschte, nicht bloss darstellte. Gedanken und Konzepte und den Wunsch die reine Tatsache von Dingen anders darzustellen, prägen seinen Stil.

Seine Frau Maria, eine Deutsche aus Düsseldorf, ist die Muse und tragende Rolle in seinem Leben, die er gerne gross malte und im Eingang in der Treppenhalle des Kunstmuseums präsent ist. Doch es geht nicht um die Persönlichkeit Maria, sondern sie dient nur als Modell für Menschen. Den diese hat der Zürcher viel und gut gemahlt und  sie nehmen als Brüderporträts, Selbstbildnis und Jünglingsbilder gleiche mehrere Räume ein.

Der Knabe als Bildmotiv hat eine lange Tradition und zwischen 1925 und 1935 hat Max Gubler besonders italienische Jünglinge an der Grenze zum Erwachsenenalter gemalt.Hier merkt man den Einfluss Picasso und Cezannes.

In Unterengstringen, wo er das Atelier hatte, beobachtete er die Landschaft wie in der Toscana.

Stilleben – auch daran hat sich das vergessene Genie versucht in den 1950er Jahren, doch es fehlt irgendwie der Geist in den Gemälden.

Zum  ersten Mal seit seinem Tod 1973 werden die Bilder der letzten vier Jahre gezeigt. Die Dingwelt, Gesichter und Landschaften erscheinen malerisch bis zur Ungegenständlichkeit getrieben.

Gublers hohe Kompositionsanspruch geht verloren bei diesen Bildern, den die Kunstwelt beginnt sich abzuwenden und depressive Verstimmungen lösen Wahnvorstellungen und Selbstmordversuche aus, Gubler wird paranoid, eine Gefahr für die Umwelt, Er legt den Pinsel weg und wird unter ärztliche Aufsicht gestellt. Der Wahn löst das Genie ab. Und leise schliesst sich der Vorhang am 29. Juli 1973.

Nun gibt Bern dem Zürcher Max Gubler wieder Raum mit einer Retrospektive.

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Die Zerbrechlichkeit hinter dem Hut – James Bay

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An den Swiss Music Award kam ein Mann mit Zottelmähne auf die Bühne, der schwarze Hut war tief ins Gesicht gezogen und dann war nach drei Minuten klar, „Holding back the river“ macht Lust auf mehr und den Namen James Bay wird dieses Jahr der Mehrheit bekannt.

Drei Wochen später liegt das Debut „Chaos and the Calm“ auf dem Tisch und seine Heimat Hertfordshire wird dieser 23-jährige Engländer lange nicht mehr sehen, den jetzt geht die Post ab mit aufrichtigem Folkpoprock, mal gesungen, mal gelitten, mal schmelzend vorgetragen. 12 mal zieht sich der kreidebleiche Sänger/Songwriter darin aus, alles ist sehr persönlich, zerbrechlich ohne Masken.

Bereits letztes Jahr machte er mit einer EP mit fünf Songs in England von sich reden, konnte sich damit sogar in Amerika in den Charts plazieren. Wenn man bedenkt, wieviel Platten täglich erscheinen, sagt dieser Erfolg alles über James Bay aus. Er ist der junge Springsteen diesmal aus England und mit Gitarre, einem Indielook und mit der Leidenschaft im Herzen wird er der Hit des Jahres, weil er noch nicht verbraucht ist und eine Vision hat, sich als Mensch mit Musik zu entdecken und davon zu berichten.

Am 17.7 wird er am Blues Ball Festival Luzern auftreten.

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Die Magie Afrikas in Basel – The Lion King

Das Musical ist eine besondere Art künstlerischer Kommunikation oder anders gesagt, es kann alle Formen der Kunst vereinen, sowie „The Lion King“ am Musical Theater in Basel. Nachdem es 75 Million Zuschauer weltweit gesehen haben,gastiert es bis zum 28.8. endlich in der Schweiz.  Nachdem Tim Rice und Elton John das Buch und die Musik geschrieben haben, ist es der Regiesseurin Julie Taylor und ihrem Team gelungen den Geist, die Farben, den Rhythmus Afrikas mit Witz und Herzschmerz-Story auf die Bühne zu bringen. Das ist Magie pur und sehr sehenswert.

Aber Achtung, es wird Englisch gesprochen und leider ist der Sprechsound etwas gar leise eingestellt. Auch ist das Musical nichts für Kinder, obwohl sogar Dreijährige (!) unter den Zuschauern waren, es richtet sich eher an Jugendliche und Erwachsene mit sehr guten Englischkenntnissen.

Faszinierend ist der Einsatz von Schattentheater und vieler afrikanischer Folklore. Gewöhnungsbedürftig ist der stets gleiche Wechsel von tragischen Szenen und zwei Minuten später kommt wieder die Komik zum Zug.

„The Lion King“ ist mit nichts Dargewesenem zu vergleichen und sicher anders als der Film. Die Darsteller sind alles auch die Kinder Profis und der Gesang und die Orchestermusik ein Ohrenschmaus.

Gehen sie hin, aber suchen sie sich vorher im Internet wohlbedacht einen Platz aus, denn der Saal hat so seine Tücken mit der Sicht.

Flüchtige Momente mit Bedeutung – Selbstanzeige von Martin Zingg


Martin Zingg wurde in Lausanne geborgen und musste seine gelernte Sprache vergessen, um in einer neuen zu schreiben. Er lebt nun in Basel, schreibt auf Deutsch Rezensionen, moderiert und war Mitherausgeber der Literaturzeitschrift „Drehpunkt“. Als eines wurde er von der Bevölkerung noch nicht wahrgenommen, als Literat. Ob sich dies mit den 25 Erzählungen im Buch „Selbstanzeige“ ändern wird? 

Die Erzählungen sind kurz, manchmal zwei, drei Seiten lang oder oft nur die Hälfte davon. Die Geschichten aus dem Leben von Leuten, die manchmal etwas Bewegendes, manchmal etwas Peinliches und oft einfach nur Mittelmässiges erleben. Martin Zingg verdichtet den Moment des Geschehens, beschreibt den Vorfall zügig, feilt an der Sprache und dann genügen drei Seiten wie bei „Begegnung“ und der Leser kann sich ein Bild von den Protagonisten und ihrem Innenleben machen. Nicht immer ist dies möglich und dann verpuffen die Kurzgeschichten ohne einen Eindruck zu hinterlassen, weil sie so kurz sind. Auch gelingt es Matin Zingg nicht immer seinen Stil durch zuziehen. Die schöne Sprache und ihr Fluss wird durch Fremdworte gestört. 

Schön ist die Vielfallt am Buch „Selbstanzeige“. Selten erhält der Leser auf 104 Seiten mehr Einblicke in Leben wie hier und Martin Zingg verleiht dem flüchtigen Moment Bedeutung.

Einblicke in die Entstehung der neuen CD von Dechen Shark

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Dechen Shark Dagsay ist die bekannteste Mantra-sängerin der Schweiz und hat nach einer Reihe eher konventioneller CDs eine neue mit dem Titel „Day Tomorrow“ veröffentlicht, die ungewöhnliche Wege geht. Der Sitarspieler Thomas Niggli aus Zürich war bei dieser Produktion beteiligt und gibt nun in einem Interview Einblicke in die Zusammenarbeit.

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Nach deiner Karriere als Lehrer, Heilpädagoge und Psychologe hast du dein Hobby Sitar spielen zum Beruf gemacht. Wie bist du auf die Sitar gestossen und kannst du mit der Sitar eine ähnlich grosse Palette an Gefühlen ausdrücken wie andere Instrumente obwohl sie immer gleich tönt?

In meiner Jugendzeit habe ich ein Konzert von Ravi Shankar gehört und wusste sofort, dass ich dieses Instrument einmal spielen werde. Nun bin ich 61 Jahre alt und gönne mir mehr Zeit, mich der Indischen Klassischen Musik zu widmen.

Meine Seele ist aber eine westliche geblieben und sie schreit manchmal nach Jimi Hendrix oder Frank Zappa – diese Energie kann ich auf der Sitar nicht umsetzen.

Für viele Zuhörer klingt die Sitar bzw. die Indische Musik eintönig, weil man den Grundton nicht ändert. Man spricht hier von modaler Musik. Vielleicht darf man vereinfacht sagen – der Westen bevorzugt Harmonien und in Indien steht die Beziehung der einzelnen Tonschritte im Vordergrund.

Deine aktuellste Zusammenarbeit ist mit Dechen Shark Dagsay, bekannt als Mantrasängerin im Trio Love within beyond ( mit Tina Turner). Wie kam die Zusammenarbeit zu stande und welche Herausforderungen bot sie? 

Vor 2 Jahren nahm der Produzent Helge van Dyk mit mir Kontakt auf. Er suchte für die neue CD Day Tomorrow einen Sitarspieler. Die Aufnahmen fanden vor 2 Jahren in Frankreich statt. Der Gedanke, dass ein Studio für mich alleine 3 Tage lang zur Verfügung stand machte mich sehr nervös, und ich hoffte, den Ansprüchen gerecht zu werden. Doch die Arbeit mit Helge van Dyk führte direkt zu einer freundschaftlichen Beziehung.

Die Herausforderung bei einem solchen Auftrag besteht darin, dass man sich einerseits persönlich musikalisch einbringen und anderseits gleichzeitig die Idee des Produzenten berücksichtigen und wertschätzen muss.

Dechen kam als kleines Mädchen mit tibetischem Hintergrund von Indien an Zürichs Goldküste. Mit vielen Musikern wurde “Day Tomorrow” eingespielt, eine sehr moderne Art Mantra zu singen? Wie sah der kreative Prozess im Studio aus?

Dechen war damals eine von vielen tibetischen Flüchtlingen, welche in der Schweiz eine neue Heimat fanden. Sie hat einen klaren religiösen Background, welcher sich immer in ihren Projekten zeigt. So auch in Day Tomorrow, eine für mich sehr popige Version des Mantrasingens.

Doch im Studio war ich alleine und kannte zu diesem Zeitpunkt weder Dechen noch die restlichen Musiker. Erst später realisierte ich, dass die Musiker, mit welchen ich heute in der Band spiele, alle bereits ihre Europa- und Welttourneen hinter sich haben. Diesbezüglich bin ich das Greenhorn der Gruppe.

Nun – diese Art von Studioarbeit bin ich mir gewohnt – Du hörst zwar alle Musiker im Kopfhörer und stellst Dir die Menschen, mit welchen du auf der CD spielst vor, ohne sie zu kennen oder ihnen je begegnet zu sein. Das mag für viele befremdend klingen, ich weiss – aber es ist dein Job, dem Produzenten und dem Projekt in die Hände zu spielen.

Ihr gabt  vor der  Cd-veröffentlichung schon Konzerte. Was habt ihr nach dem Ausprobieren vor zahlendem Publikum noch verändert?

Die grösste Änderung war, dass wir auf den Sequenzer bzw. die Hintergrundmusik z.B. Chöre und verschiedene andere Instrumente , welche bei den beiden Probeläufen eingespielt wurden, verzichteten. Das hat den Vorteil, dass der einzelne mehr Raum bekommt, spontaner sein kann – aber die Band muss sich auf einer anderen Ebene finden, ohne die Sängerin und derer Botschaft zu verdrängen. Dabei geht es um die Nachhaltigkeit – um die Sorge, dass unserer nächsten Generation nicht mehr viel bleiben könnte….

Dechen wirkt nervös und zerbrechlich auf der Bühne. Ist sie wie du erst sich selbst mit Musik?

Nun – bei der CD Release im Zürcher Kaufleuten erlebte das Publikum Dechen als eine Powerfrau mit viel Humor, spontanen Äusserungen und unglaublicher Herzlichkeit. Nach jedem Konzert nimmt sie sich Zeit, sich persönlich dem Publikum zu widmen.

Du bist ein Indienfan, sie engagiert sich für den Tibet. Sie singt mehrsprachig und du verstehst sicher auch nicht jedes Mantra. Wie hast du dich auf Day Tomorrow im Vorfeld vorbereitet und was nimmst du aus der Zusammenarbeit für deine Zukunft mit? 

Alle ZuhörerInnen verstehen die Mantras, weil Dechen sämtliche Lieder und deren Inhalt vorstellt. Dechens Musik hat mit Indischer Musik wenig zu tun. Aber sie hat natürlich einen asiatischer Touch.

Es klingt vielleicht etwas komisch, aber auf der Bühne ist meine grösste Herausforderung eine technische. Ich muss bei allen Songs das Instrument umstimmen, ohne dass das sich für das Publikum störend auswirkt. Wegen der vielen Obertöne der Sitar kann ich das nicht mit einem digitalen Stimmgerät machen, ich muss den Referenzton des Stimmgerätes hören – aber ich habe ein paar gute Tricks entdeckt….

Ansonsten kann ich mich während dem Konzert problemlos auf Dechen, die Musiker und das Publikum einlassen.

Ich spüre zu allen Teilnehmenden eine Verbundenheit, obwohl wir uns noch nicht lange kennen. Ich erhalte einen Einblick in eine grosse Produktion und lerne viele Menschen kennen, welchen ich sonst nie begegnet wäre.
Thomas Niggli

Dechen Shak

Die Schmetterlinge vom Papiliorama Kerzers

Ein Blick über die schwarze Erde des Seelandes, wo Gemüsebauer ansähen, zeigt den Chasseral im Schnee, doch bald wird es tropisch schwül, als sich die Türe zur ersten von drei Kuppeln öffnet im Papiliorama in Kerzers.

Gleich begrüssen ein Dutzend Schwalbenschwänze die Besucher und wer Glück hat, auf dessen Finger setzt sich einer der Tausend Schmetterlinge ab und schlägt mit seinen Flügeln. Die Anmut bei diesem Anblick ist gross, doch der Tierpfleger hat seine Augen auf die dünnen Holzstängel hinter Glas gerichtet. Hier kleben 400 Puppen aus Costa Rica und anderen Topen der Erde und warten bis die Zeit reif ist, bevor sich der Kokon öffnet. Dann fliesst Blut in die nassen Flügel und eine halben Stunde nach dem Schlüpfen fliegt der Atlasfalter durch die künstlich geschaffene Nachbildung des Amazonas in Kerzers. Der Biologe und Direktor Caspar Bijleveld will mit dem Papiliorama dem Besucher den direkten Kontakt mit Tieren und Pflanzen aus den Tropen näher bringen, informieren über die Art und ihren Lebensraum, aber auch aufzeigen wie sehr durch die Überbevölkerung in der näheren Umgebung und Südamerika die Vielfalt der Schmetterlinge und der vielen anderen Tiere bedroht ist. Gestorben wird aber auch direkt vor Ort. 40 Tage nachdem sich der Schmetterling mit Nektar ernährt hat, stirbt er und so finden sich auch in der Kuppel Schmetterlinge, die sich zum Sterben in die Höhle begeben. Der Besucher kann neben den Faltern die üppige Vegetation, die Vögel und den Wasserfall geniessen. Welche eine Poesie, doch bald geht es in die nächste Kuppel und hier ist die Welt verkehrt. Die Uhr zeigt 22.30 Uhr, aber es ist morgens. Im Noctorama ist es stockdunkel und es riecht stark, doch langsam gewöhnen sich die Augen an die Vollmond-Stimmung und schon fliegt ein Fledermaus durch die Luft, schwingt sich ein Nachtaffe von einem Ast zum anderen, während das Faultier den Nachwuchs säugt. Die wenigen Geräusche machen die unheimliche Stimmung noch grösser als sich eine grosse Anakonda  aus dem Wasser hinter einen Stein verkriecht  und einen Kadaver verspeist. Der Zuschauer kann von einer Brücke aus die nachtaktiven Tiere aus dem amerikanischen Tropenwald beobachten und schon bald mehr. Denn das Papilorama beabsichtigt dem Zuschauer auch das Leben hinter den Kulissen, die Aufzucht von Tieren zum Fressen und anderes zu zeigen. Wer aber glaubt, dass alle diese Tiere eingefangen wurden, irrt. Sie sind Schenkungen von Zoos und schon von klein an den Menschen etwas gewöhnt.

Die dritte Kuppel ist das Herzstück der Stiftung des Papiliorama, die nicht nur den Schweizer die Tropen und das Leben dort näherbringen möchte, sondern auch konkret Natur schützt. 11000 Hektar gross ist das Schutzgebiet in Belize, einem Kleinstaat in Zentralamerika, das dank Gönnern am Leben erhalten wird und dessen Leben in der dritten Kuppel eins zu eins nachgebildet wurde. Der rosa Löffler, die Leguane, der Nasenbär und die frei lebendenden Tukane laufen in der üppigen Pflanzenwelt rum, wo die Wurzel der Bäume noch sichtbar und Bananenblätter riesig sind. Auf einer 7 m hohen Panoramabrücke durch die Baumkronen ist die Aussicht durch das Grün und die Vögel atemberaubend.

Ein Pavillon mit Schweizer Schmetterlinge, der Streichelzoo und eine Cafeteria runden diesen Ausflug ab und hinterlassen beim Zuschauer ein Gefühl von Poesie mit dem Leben der Natur rund um den Globus.

Mit Bündner Gelassenheit in Biel zum Welterfolg- Arno Camenisch

Wenige Tage vor seinem 36. Geburtstag nahm sich der Shootingstar der Schweizer Literaturszene Arno Camenisch, der bereits zu Lebzeiten in mehr Sprachen als  Friedrich Dürrenmatt übersetzt wurde, Zeit, seine neuen Heimat Biel und sein zu Hause  zu zeigen.

Wie begann ihre Schriftstellerkarriere?

Nach einer zweijährigen Weltreise und drei Jahren Madrid, begann ich am Schweizerischen Literaturinstitut vor Ort zu studieren und mein literarisches Schreiben, mit dem ich erst mit 20 Jahren anfing, weiterzuentwickeln. Ausserdem lebt meine sechsjährige Tochter hier bei ihrer Mutter und sie ist regelmässig einige Tage bei mir. Sprach ich zu Hause in Tavanasa Graubünden Mundart und Rätoromanisch, kam für mich noch das Französisch hinzu. Heute höre ich auf der Strasse und in den Geschäften viele Sprachen, 140 sollen es sein, da Biel sehr multikulturell ist.  Ausserdem liebe ich an dieser Stadt den Sommer. Denn ich lese für das Publikum meist im Herbst und Winter und im Rest des Jahres schreibe ich und alle Bieler sind im Sommer am See, sind aufgestellter, weil der Nebel verschwunden ist und als Mensch, der das Licht liebt, beim Schreiben alle Lampen anmacht, ist es dann angenehm in der Altstadtwohnung zu arbeiten. Dann setze ich den Kopfhörer auf, den es muss ganz still sein und mache mich an die neuen Sätze.

– Sie sind im  Sternzeichen Wassermann geboren, für den gilt: Was ist der Einzelne, wenn es um das Wohlergehen Vieler geht? Wurden Sie Autor um sich selber zu vergessen?

Nein, ich komme aus keiner Künstlerfamilie und beim Schreiben geht es mir immer auch um den Leser. Ich stelle mir Fragen und suche nach Antworten. Ich habe auch eine Distanz zum Stoff. Allerdings vergesse ich mich ganz, wenn ich schreibe. Wäre sicher mal lustig, aus Neugier diesen Prozess fotografisch festzuhalten, denn ich kann mich an nichts mehr erinnern, wie ich mich verhalten habe, nachdem ich geschrieben habe.

– Biel ist nicht modern, wirkt stellenweise heruntergekommen. Wäre Fred und Franz, das neuste Buch, wo es um eine Begegnung zweiter Leser und Freunde von der Sauna ins Cafe geht ohne Biel nicht möglich gewesen?

Die Geschichte könnte überall spielen. Für mich war es wichtig im Leben aus dem Dorf,  in dem ich aufgewachsen bin, rauszugehen, mir dadurch Distanz zu schaffen, geografischer und zeitliche. Doch die Sprache der Jugend behält man stets in sich und ich habe mich in den fünf Jahren, die ich publiziere, mit dem Leben der Leute aus der Gegend, aus der ich herkomme, auseinandergesetzt. Interessant ist, das dies auch in Spanien, Niederlande oder Polen und Russland, wo ich gerade gelesen habe, verstanden wird.

– Anders als Dürrenmatt, der stets zu viel ass und Peter Bichsel, der stets zu viel trinkt, wirkt ihr Gesicht nicht verlebt und wie ein James Dean der Schweiz der schreibt. Ist ihre Tochter ihr Halt im Leben?

Mit der Zeit entwickelt man etwas mehr Gelassenheit.Ich stehe gerne am Morgen auf und setzte mich an mein Schreibtisch aus massivem Holz. Aber ich liebe auch die Einfachheit. Besitze hier in der Bieler Wohnung nur wenige Dinge. Meine Tochter ist mir am wichtigsten. Mit ihr ist der Alltag ein anderer und ich unternehme mit ihr oft Sachen abseits des Literaturbetriebes wie letzte Woche Skifahren.

– Haben Sie ein Tick?

Ich trage gerne eine Kappe, eigentlich immer und zu jeder Jahreszeit auf dem Kopf, ausser an den Lesungen, welche ich mit Herzblut gerne mache. Bei den Vorbereitungen für die Auftritte habe ich einen festen Ablauf

– Fred und Franz – eine Lektüre über Sinn und Unsinn der Liebe.Welche Bedingungen haben sie an die Freundschaft und welche an die Liebe?

Es ist alles eine Frage der Haltung und Achtsamkeit gegenüber den Mitmenschen. Liebe scheitert ja oft an einer zu grossen Erwartungshaltung.

(Das Interview entstand letzten Frühling, doch der Literaturstar Arno Camenisch ist beliebter im In- und Ausland den je)

Der Sonnenzirkus Montreals auf der Berner Allmend

Poesie sei die Reduktion auf das Wesentliche und die sieht meist nur der Einzelgänger. Welche Bühne, wenn nicht die des Zirkuses eignet sich besser, die Suche des unschuldigen, melancholischen Einzelgängers KOOZA nach seinem Platz in der Welt mit Hilfe der Poesie dazustellen?

Ähnlich wie das Musical „König der Löwen“ gastiert der  Cirque du Soleil nach Million begeisterter Zuschauer in der ganzen Welt das erste Mal in der Schweiz auf der Allmend in Bern.

Doch nicht  nur Reduktion sondern auch Opulenz und bis ins letzte Detail durchdachte Kunst ist Cirque du Soleil aus Montreal

Zwar kennt man vieles vom Schweizer Ableger Salto Natale wie der Verzicht auf Tiernummern und dafür Artistik, Livemusik und Theaterkunst, doch der Sonnenzirkus setzt dort an wo`s manchmal langweilig wird, bei den Übergängen. Die werden von den Pausenclown, ihren Sketches mit den Zuschauern und eben Kooza überspielt und das atemberaubende Tempo der ersten Minute wird konsequent bis zum Schluss durchgezogen. Da passiert soviel, wirbeln Artisten durch die Luft, Schlangenmenschen verdrehen ihre Knochen, Männern springen Seil auf drehenden Reifen am Zeltdeck, die Livemusik auf einer Art Schiff segelt nach vorne und noch vieles mehr.

Die Zuschauer kriegen den Mund vor Staunen nicht zu oder sind nach einer Stunde schon erschlagen von soviel Aktion. Die Lichtshow ist hervorragend, die Livemusik extrem laut, der Sound als Zugeständnis an die Sponsoren aus Dubai arabisch angehaucht, die Kostüme besser als an den Modeschauen in Paris eine Augenschmaus.

Zwar sind die Artistiknummern nicht besser als im Salto Natale und auch der Sonnenzirkus bietet nichts wirklich Neues, aber es ist eben das Gesamtpaket, die Choreografie und die Leidenschaft der Künstler, die am Schluss mit einem Standing ovation minutenlang belohnt wurde.

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Francis Foss – der Mann für Mode und Musik und das Olmo in Bern

Auf 670 Seiten schildert das Buch “Heute und Danach” (Patrick Frey Verlag) wie sich die Schweizer Untergrundmusik in den 80er Jahren entwickelte. Francis Foss Pauchard ist der Mann, der wie kein zweiter das musikalische und modische Erbe in Bern zu dieser Zeit prägte. In Gedanken war der heute 59-jährige noch beim Konzert vom Vorabend von seinem Freund Stefan Eicher als er die Türe seiner Wohnung an der Aare öffnete. Mit ihm und zwei anderen gründete er die Band Starter. Zuvor hatte er die Handesschule und Kunstgewerbeschule besucht und eröffnete den Secoundhandshop Olmo. Der Punk, später New Wave und London waren Interessen von Francis Foss und ein paar anderer Jungendlicher, denen Bern zu langweilig war. Doch wegziehen wollte das Länggasskind Francis damals und heute nicht, also wurde er neben der Arbeit als Möbeldekorateur selber aktiv und brachte der Hauptstadt etwas Rebellisches mit der Band Starter und seinem Klamottenladen, mit dessen Kleider er durch die Strassen zog und manchen Spott kassierte. Doch der Berner mit Freiburgerwurzeln hatte einen langen Atem und starken Rücken. Das Olmo an der Neuengasse wurde der Treff für Modebewusste, den nach dem Secoundhand kamen die trendigen Stoffe aus London. Im Keller des Hauses veranstaltete Francis noch eine Punkdisco und sein Vorbild Gary Neumann liess ihm keine Ruhe. So wollte er auch sein, doch er konnte kein Instrument spielen, aber die 80er waren ja auch die Zeit des Synthesizers und bald hatte Francis ein paar kantige Melodien komponiert, die er Stefan Eicher, der wie Francis gerne sprayte, vorspielte. Doch Stefan ging bald eigene Wege und so blieb Starter eine Indieband mit mässigem Erfolg. Das Ego von Francis Foss als Sänger war Mitte der 80er gestillt und er verlegte seine Tätigkeit auf das Produzieren der ersten Boygroup der Schweiz namens Boys Gang.

Auch heute arbeitet er neben seinem 70% Pensum im Olmo und nebenher als Manager von Adrian Zaar, einem Berner Liedermacher, der Hochdeutsch singt und Francis in Deutschland gross rausbringen will. Die wachen blauen Augen und seine schnelle Sprechweise, die Neugierde sind neben der Leidenschaft für Musik und Mode drei Dinge, die diesen Mann zeitlos altern liessen wie einer seiner Vorbilder David Bowie. Und das seine Musik kein Schrott war, beweis ein Telefon aus San Francisco. Dort wird 30 Jahre nach der Gründung die Musik von Starter wiederveröffentlicht. Auch das Olmo gibt es immer noch und wenn Francis Foss Pauchard in sechs Jahren in Pension geht, weiss der freiheitsliebende Berner, dass er Fussspuren in der Geschichte von Mode, Musik und Unternehmergeist in der Stadt hinterlassen hat.