Einblicke in die Entstehung der neuen CD von Dechen Shark

Dechen in Sardegna korriegie¨

Dechen Shark Dagsay ist die bekannteste Mantra-sängerin der Schweiz und hat nach einer Reihe eher konventioneller CDs eine neue mit dem Titel „Day Tomorrow“ veröffentlicht, die ungewöhnliche Wege geht. Der Sitarspieler Thomas Niggli aus Zürich war bei dieser Produktion beteiligt und gibt nun in einem Interview Einblicke in die Zusammenarbeit.

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Nach deiner Karriere als Lehrer, Heilpädagoge und Psychologe hast du dein Hobby Sitar spielen zum Beruf gemacht. Wie bist du auf die Sitar gestossen und kannst du mit der Sitar eine ähnlich grosse Palette an Gefühlen ausdrücken wie andere Instrumente obwohl sie immer gleich tönt?

In meiner Jugendzeit habe ich ein Konzert von Ravi Shankar gehört und wusste sofort, dass ich dieses Instrument einmal spielen werde. Nun bin ich 61 Jahre alt und gönne mir mehr Zeit, mich der Indischen Klassischen Musik zu widmen.

Meine Seele ist aber eine westliche geblieben und sie schreit manchmal nach Jimi Hendrix oder Frank Zappa – diese Energie kann ich auf der Sitar nicht umsetzen.

Für viele Zuhörer klingt die Sitar bzw. die Indische Musik eintönig, weil man den Grundton nicht ändert. Man spricht hier von modaler Musik. Vielleicht darf man vereinfacht sagen – der Westen bevorzugt Harmonien und in Indien steht die Beziehung der einzelnen Tonschritte im Vordergrund.

Deine aktuellste Zusammenarbeit ist mit Dechen Shark Dagsay, bekannt als Mantrasängerin im Trio Love within beyond ( mit Tina Turner). Wie kam die Zusammenarbeit zu stande und welche Herausforderungen bot sie? 

Vor 2 Jahren nahm der Produzent Helge van Dyk mit mir Kontakt auf. Er suchte für die neue CD Day Tomorrow einen Sitarspieler. Die Aufnahmen fanden vor 2 Jahren in Frankreich statt. Der Gedanke, dass ein Studio für mich alleine 3 Tage lang zur Verfügung stand machte mich sehr nervös, und ich hoffte, den Ansprüchen gerecht zu werden. Doch die Arbeit mit Helge van Dyk führte direkt zu einer freundschaftlichen Beziehung.

Die Herausforderung bei einem solchen Auftrag besteht darin, dass man sich einerseits persönlich musikalisch einbringen und anderseits gleichzeitig die Idee des Produzenten berücksichtigen und wertschätzen muss.

Dechen kam als kleines Mädchen mit tibetischem Hintergrund von Indien an Zürichs Goldküste. Mit vielen Musikern wurde “Day Tomorrow” eingespielt, eine sehr moderne Art Mantra zu singen? Wie sah der kreative Prozess im Studio aus?

Dechen war damals eine von vielen tibetischen Flüchtlingen, welche in der Schweiz eine neue Heimat fanden. Sie hat einen klaren religiösen Background, welcher sich immer in ihren Projekten zeigt. So auch in Day Tomorrow, eine für mich sehr popige Version des Mantrasingens.

Doch im Studio war ich alleine und kannte zu diesem Zeitpunkt weder Dechen noch die restlichen Musiker. Erst später realisierte ich, dass die Musiker, mit welchen ich heute in der Band spiele, alle bereits ihre Europa- und Welttourneen hinter sich haben. Diesbezüglich bin ich das Greenhorn der Gruppe.

Nun – diese Art von Studioarbeit bin ich mir gewohnt – Du hörst zwar alle Musiker im Kopfhörer und stellst Dir die Menschen, mit welchen du auf der CD spielst vor, ohne sie zu kennen oder ihnen je begegnet zu sein. Das mag für viele befremdend klingen, ich weiss – aber es ist dein Job, dem Produzenten und dem Projekt in die Hände zu spielen.

Ihr gabt  vor der  Cd-veröffentlichung schon Konzerte. Was habt ihr nach dem Ausprobieren vor zahlendem Publikum noch verändert?

Die grösste Änderung war, dass wir auf den Sequenzer bzw. die Hintergrundmusik z.B. Chöre und verschiedene andere Instrumente , welche bei den beiden Probeläufen eingespielt wurden, verzichteten. Das hat den Vorteil, dass der einzelne mehr Raum bekommt, spontaner sein kann – aber die Band muss sich auf einer anderen Ebene finden, ohne die Sängerin und derer Botschaft zu verdrängen. Dabei geht es um die Nachhaltigkeit – um die Sorge, dass unserer nächsten Generation nicht mehr viel bleiben könnte….

Dechen wirkt nervös und zerbrechlich auf der Bühne. Ist sie wie du erst sich selbst mit Musik?

Nun – bei der CD Release im Zürcher Kaufleuten erlebte das Publikum Dechen als eine Powerfrau mit viel Humor, spontanen Äusserungen und unglaublicher Herzlichkeit. Nach jedem Konzert nimmt sie sich Zeit, sich persönlich dem Publikum zu widmen.

Du bist ein Indienfan, sie engagiert sich für den Tibet. Sie singt mehrsprachig und du verstehst sicher auch nicht jedes Mantra. Wie hast du dich auf Day Tomorrow im Vorfeld vorbereitet und was nimmst du aus der Zusammenarbeit für deine Zukunft mit? 

Alle ZuhörerInnen verstehen die Mantras, weil Dechen sämtliche Lieder und deren Inhalt vorstellt. Dechens Musik hat mit Indischer Musik wenig zu tun. Aber sie hat natürlich einen asiatischer Touch.

Es klingt vielleicht etwas komisch, aber auf der Bühne ist meine grösste Herausforderung eine technische. Ich muss bei allen Songs das Instrument umstimmen, ohne dass das sich für das Publikum störend auswirkt. Wegen der vielen Obertöne der Sitar kann ich das nicht mit einem digitalen Stimmgerät machen, ich muss den Referenzton des Stimmgerätes hören – aber ich habe ein paar gute Tricks entdeckt….

Ansonsten kann ich mich während dem Konzert problemlos auf Dechen, die Musiker und das Publikum einlassen.

Ich spüre zu allen Teilnehmenden eine Verbundenheit, obwohl wir uns noch nicht lange kennen. Ich erhalte einen Einblick in eine grosse Produktion und lerne viele Menschen kennen, welchen ich sonst nie begegnet wäre.
Thomas Niggli

Dechen Shak

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