Die Ostergeschichte aus Mallorca

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„Nein, das kann nicht sein!“, dachte ich mir, als der Zeiger der Kirchenuhr fünf vor zwölf Uhr stehen blieb und die Glocken fünf Minuten später im Glockenturm Mittag schlugen. Sie waren neben den beiden Radfahrerinnen und mir, die einzigen Stimmen auf diesem Vorplatz, allen anderen Mallorquiner war es schon zu heiss und sie schwatzten und gestikulierten in der Bar, neben dem Dorfpolizisten, der aussah wie Ricky Martin in Uniform. Das ich ihn bald wiedertreffen würde, sogar sehr bald, ahnte keiner von uns dreien als wir die Räder bestiegen und gemächlich aus dem Dorf fuhren. Keine fünf Minuten später überholten uns die „Schnellen“, sechs Veloprofis und heute noch ein siebter, ein deutscher Arzt, der heute mal zu ihnen gewechselt hatte, weil wir „Langsamen“ mehr Kaffeeklatsch auf Rädern veranstalteten als sportlich unterwegs seien, wie er am Frühstückstisch reklamierte. Nun fuhr er an mir vorbei, nein, er wurde gefahren von einer unbekannten Macht, schoss es mir durch den Kopf als ich vom Sattel stieg und die Gruppe, die an mir vorbeiraste, beobachtete. Der kleinwüchsige Hamburger war zweimal so gross wie sonst und über sich hinausgewachsen wie ein Geist in der Luft. Ausserdem war er weiss im Gesicht und seine Fussspitzen berührten die Pedalen nicht mehr. Eine Minute später fiel er vom Rad und war tot.

Während alle Gruppenteilnehmer durcheinander schrien und keiner auf Spanisch die Ambulanz rufen konnte, stoppte ich den Verkehr, liess „Ricky Martin, den Polizisten“ durch, suchte den Schatten eines Baumes auf und dachte an die Worte des Arztes beim Frühstückstisch: „Ich habe einen Fehler in meinem Leben gemacht. Ich habe zu oft an die Arbeit und das Leben anderer gedacht als an meines, deshalb wurde ich krank und versuche nun wieder auf die Beine zu kommen“.

Ostern auch dazu da, zu spüren was unser Leben lebenswert macht, bevor es zu spät ist.

(die Geschichte entspricht Tatsachen) @Juerg Kilchherr

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