Romeo und Julia goes Pop – Thuner Seespiele zeigen 2015 Mut

„Liebe kann Schönes geben, Liebe kann dich zum Himmel erheben“

Nachdem die letzten zwei Produktionen der Thuner Seespiele konservativ daherkamen und Publikumsschwund einsetzte, gibt die aktuelle Produktion „Romeo und Julia“ alles, um dem Zeitgeist und den Jungen zu gefallen und wird dabei Welttheater.

Das ist zum ersten das Bühnenbild. Verona ist dargestellt mit einer Halfpipe in Pink, an den Seiten stehen die Banner der verfeindeten Familien Montague (Romeo) und Capulet (Julia), darunter ihre Häuser in Blau, dahinter die Berner Oberland Alpen. Die kümmern die Jungen wenig, den in den Strassen tobt der Kampf der beiden Familien, den ihre Eltern einst angezettelt haben.

Auch hier tragen die vielen jungen Schauspieler bunte Sportlerkleidung. Die wird auch gebraucht, den schliesslich rasen die Jugendlichen mit Rollbrettern oder  BMX-Velos über die Bühne und sprechen im ersten Drittel den aufgemotzten mit Jugendslang versehenden Text , der nur bedingt an das Theaterstück von William Shakespeare von 1562 erinnert.

Das ist Poparttheater, das Lady Gaga, Boy George und Conchita Wurst rein von den Kostümen in den Schatten stellt. Zwischen süss und trash ist der äussere Schein, die Songtexte genau das Gegenteil. Sehr tiefgründig und mit klarer Stimme besingen die Thunerin Iréna Flury

 

und Dirk Johnston ihren Traum von der Liebe und ihre Schwierigkeiten mit dem Erwachsen werden in einem schwierigen Umfeld.

Besonders der aus der RTL-Serie „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ bekannte Dirk Johnston legt sich ins Zeug von Anfang an. sowohl stimmlich wie körperlich, den er rennt, skatet und springt schliesslich auf den Balkon zu seiner Julia. Doch stets gibt es da einen stummen, schmutzigen Mann am Bühnenrand, der Tod. Er symbolisiert den täglichen Verlust von der Liebe, die das berühmteste Paar der Welt.

„Gott warum erschuft Du diese Welt, wo alles zu Staub zerfällt.“

Im zweiten Teil der Tragödie lenkt das schrille Bühnenbild weniger von der Handlung ab und diese orientiert sich wieder mehr am Original und das ist brutal aber sehr spannend inszeniert. Die Kämpf der Band explodieren, es gibt Tode, Julia und Romeo lassen sich versteckt trauen, Romeo ersticht einen Gegner, flieht, Als er zurück nach Verena schleicht, liegt Julia auf dem Todesbett,

Liebe führt zu Leiden, Das Kreuz der Liebe.

Als Romeo seiner scheinbaren toten Julia mit Gift folgt, brennt ein Herz über dem Thunersee und das Weinen der Mütter zerreist die Stille der Nacht, der Tod zerstreut die Asche. Eine der vielen starken Szene gegen Schluss,

Leider ist der zweite Teil nicht ideal ausgeleuchtet für die Seitenplätze.

Mit dem Musical „Romeo und Julia“ von Gérard Presgurvic aus Israel hat der Regisseur Christian von Götz aus Berlin einen zeitlosen Stoff mit viel Mut, schrägen Ideen aus seinem Team und der Energie und Spielfreude junger Schauspieler/Sänger geschaffen, das für viele konservative Zuschauer wie eine Ohrfeige daherkommt. Noch nie hat Thun soviel Leidenschaft so bunt gesehen. Das dabei die Botschaft, das Liebe den Tod überwindet, nicht verloren geht, ist ein weiteres Plus dieser Inszenierung, die glücklich macht, auch ältere Semester, die aus der Sturm und Drang Zeit hinausgewachsen sind in den Alltag, wo der Tod der Liebe um jede Ecke lauert oder die falsche Liebe abends auf dem Weg nach Hause sich hinter dem Bahnhof anbietet.

Die Thunerseepiele dauernd bis zum 22.8.

thunerseepiele

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