Till Brönner und Altstars am Festival da Jazz St, Moritz

Zum achten Mal lud der Dracula-Club in St. Moritz zum Festival der Nischenkultur Jazz unter der Leitung vom Christian Jott Jenny. Für 150 Leute pro Abend legte sich der Tenor, Schauspieler und Vorsteher des Amtes für Idee als Zürcher übers Jahr ins Zeug, damit der Sommer im Engadin genauso eine Reise wert ist wie sein Konkurrent das Festival in Montreux am Genfersee.

Dieses Jahr hatte Jenny im Verhandeln mit Künstlern, das heute über drei Instanzen, Management, Bookingagentur und Künstler selber geht und dank einem Budget von zwei Millionen nur zwei Stars auf dem Programm: Herbie Hancock und Till Brönner.

Letzter war von Beginn an seiner Karriere in den deutschen Hitparaden vertreten und ist dem Schweizer TV-Zuschauer als Mitglied der Sendung „X-Factor“ auch den Jungen bekannt. Der Trompeter, Sänger und Komponist hat auch wegen seinem charismatischen Aussehen Anhängerinnen und weil er gerne mit Orchester seine oft seichten Interpretationen wie auf seinem letzten Album “ The Movie Album“ zum besten gibt, doch in St. Moritz war er nur zu zweit.

Die ungewohnte Formation mit Dieter Illg am Bass sei eine Herausforderung für ihn wie auch der sehr nahe Kontakt zum Publikum wie Till Brönner gleich zu Beginn des Konzertes zugab.
Seiner Fingerfertigkeit an der Trompete war aber keine Nervosität anzumerken. Die bediente er oft auch mit zusammengekniffenen Augen fehlerfrei. Die zwei Vollprofis schöpften aus dem vollen ihrer Fantasie und das Kammerspiel versetzte das Publikum in einen Raum der Stille, wo jeder Ton eine andere Farbe oder anderes Bild in einem wach werden liess.
Doch dann macht Till Brönner nach über einen Stunde einen Fehler und sieht im Publikum die Legende Bill Ramsey mit Krücke sitzen. Er holt ihn auf die Bühne und der alte Mann macht auf Spass und Druck, Der folgende Song zu dritt lässt die Magie, die Brönner kreierte, töten. Zwar versucht das Duo später wieder an die VorRamsey-Phase anzuschliessen, aber das Publikum ist nicht mehr so konzentriert auch weil der Draculaclub unter Sauerstoffmagel litt.

Auch im achten Jahr sind die Ticketpreise am Festival da Jazz sehr hoch, die Sitzgelegenheiten bescheiden, die Sicht schlecht, das Secuitypersonal aggressiv und die Luft eine Zumutung.
Trotzdem füllte sich der Saal am Nationalfeiertag wieder.

Ortella Dallas sei die Ideengeberin gewesen für das Festival und deshalb habe er ihr eine Carte blance gegeben für ihr Konzert an ihrem 90. Geburtstag, erklärte Christian Jott Jenny.

Mit Turban und Rosa und Glitterkleid füllte die schwarze Jazzsänger aus Zürich diese Carte Blance mit einer Reihe Oldies aus.

Dabei hatte sie auf der kleinen Bühne ein Fünf- Mann-Orchester, das gleich mit einem Schlagzeugsolo einen fetten Einstieg gab. Die alte Dame konnte sich aber nie gegen die überlaute Band mit ihrer Stimme durchsetzten und so war eher ihre Energie, die Achtung vor dem hohen Alter die Sympathiepunkte als der Klangbrei ihrer Oldieinterpretationen mit denen sie das Publikum einwickelte.

Dann kam Bill Ramsey am Stock auf die Bühne und seine Gicht zwang ihn im Sitzen die Oldies but Goldies mit guter Stimme und kraftvollem Set als Kontrastprogramm zu Brönner einen altersmässig gemischten Publikum am 1. August vorzuführen.

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