Erotik und Artistik am Rand zur Orgie – Ohlala-Zirkus

Die Stunden vor Mitternacht gehören in den Schweizer Schlafzimmern der Liebe. Nachhilfestunden in Sachen Erotik und Körperverrenkung gab es im Beisein von viel Prominez an der Gala-Premiere in Dübendorf bei Gregory Knies „Ohlala“-Zirkus. Wurde beim fünften Mal eine Grenze überschritten?

Als Sprössling der 7. Generation Knie hatte der heute 37-jährige Gregory Knie in der Kindheit einen tollen Spielplatz zwischen Tieren und Artisten, aber ein Problem. Er hat kein Talent, um in der Manege wie sein Vater den Clown zu spielen oder abseits Bilder zu malen. Also studierte er Wirtschaft und betreibt seit seiner Rückkehr von Mallorca und den USA in die Schweiz mit seinem Vater den „Salto Natale“.

Doch sein Lieblingsarbeitsplatz ist seit fünf Jahren als Produzent und Regisseur der „Ohlala“ Zirkus.

Jeden Herbst versucht er dem Untertitel „Sexy-Crazy-Artistic“ gerecht zu werden, indem er Künstler aus der ganzen Welt in sexy Kleider steckt, sie ihre Artistiknummern vorführen lässt und weil das alles schon wie alles im Zirkus mal gesehen wurde, legen die Herren und Damen am Schluss manchmal ihre Kleider ab. So wie Jean Passos, der im zweiten Teil der zweistündigen Show in einer Badewanne plantscht, während über ihm Tücher hängen. In nassen Unterhosen zieht er sich dann hoch, macht seine artistische Darbietung und eigentlich starrt in diesem Moment jeder nur auch seine Stofffetzen. Wieder im Wasser entledigt sich der Brasilianer seiner Hose. Für einen kurzen Moment verzieht er sein Gesicht, die Haltung wird unsicher, doch das Publikum tobt und die Regieanweisung heisst, raus aus dem Wasser und nackt zum Bühnenausgang.

Gregory Knie möchte mit seinem Zirkus bewusst Grenzen überschreiten und so müssen jedes Jahr neue Effekte her. Das Ballet des Zirkus spritzt sich im gedämpften Licht Neofarben auf die nackte Haut, am Schluss zieht eine Frau ein Plastikbaby aus ihrem Schnitt. Der Applaus ist verhalten, war wohl zuviel des schlechten Geschmacks.
Dann kommt Latigos. Auf den ersten Blick ist es ein Latino mit Peitsche. Er holt eine Zuschauerin aus dem Zelt, greift sich dabei ein Dutzend mal in den Schritt, gibt ihr Papierrollen in den Mund und eine Rose in die Hand. Die Peitsche knallt, die Sachen sind entzwei, Noch komme etwas für die überrumpelte Zuschauerin, sagte der Mann, das Kostüm fällt und die Frauenbrust von Judith Perozo aus Venezuela verblüfft alle. Das war „fifty shades of grey“ in einer Zirkusvariante.
Die fünfte Ausgabe des „Ohlala-Zirkus“ setzt im ersten Teil auf den ästhetischen Genuss von schönen, durchtrainierten Körpern in schrillen Kostümen und ein Verbesserung in der Chorografie, dem Ablauf und des Lichts. Wortlos gingen die Nummer des Sich-Verbiegens, Liebesklamauk, Partner- und Hula Hoop-Tanz in schnellem Tempo aber wenig provokativ über die Bühne.
In der Pause lieferte das Zirkusballet eine Orgie im Aufenthaltsraum,was mache Zuschauer verärgerte und gab so den Ton an für den zweiten Teil der Show, der die grösste Boulevardzeitung der Schweiz dazuverleitete, Gregorys Knie Variante als „Sex-Zirkus“ abzustempeln. Etwas hart, aber nicht ganz falsch. Die prickelnde Atmosphäre der Anfänge des „Ohlala“-Zirkus ist einer direkten Erotik gewichen. Es ist die Phantasie von Gregory Knie, eine männliche. Wäre schön, wenn er sich mal eine Frau als Regieassistentin holen würde. Dann käme vielleicht weniger Effekthascherei raus und mehr Herz und Intimität.

 

Der Mann hinter Arno Camenisch

Der in Biel lebende Schriftsteller Arno Camenisch ist der erfolgreichste Schweizer Schreiber der Gegenwart. Gerade ist sein neuestes Werk „Die Kur“ erschienen. Urs Engeler ist sein Verleger und gibt im Interview Einblicke in die Zusammenarbeit mit dem Bündner Autor.


Urs Engeler, wann begegneten Sie Arno Camenisch das erste Mal?

Das war am Bieler Literaturinstitut, wo ich Dozent bin. Arno las fünf Minuten aus einen Text bei einer öffentlichen Lesung. Er war witzig, sehr päsent und ich war begeistert. Das war 2007.

Welches sind Ihre Aufgaben als Verleger und Betreuer von Arno Camenisch?

Die Aufgaben sind vielfältig. Ich lese seine Texte, versuche sie zu verstehen und mache ihn auf Sachen, die darin nicht funktionieren aufmerksam. Die Texte der ersten Bücher kamen fast fertig auf meinen Schreibtisch und ich musste nur kleine Aenderungen vornehmen. Bei neuen Buch „Die Kur“ ging es langsamer zu und her. Wir haben Episode um Episode angeschaut. Mir war im ersten Entwurf der Mann des pensionierten Ehepaares, das bei einen Wettbewerb vier Nächte in einem Fünfsternhotel gewinnt, zuerst zu extrem. Eher unsympatisch, da er ein  grosser Nörgler ist. Ich habe meine Gedanken Arno mitgeteilt und nun ist die Figur verfeinert rausgekommen.

 

Kann Arno Camenisch eigentlich veröffentlichen, was er will?

Ja, es ist seine Literatur nicht meine. Mein Geschmack ist zweitrangig und  nicht massgebend, ob ein Text veröffentlicht wird oder nicht. Ich bin eher für die sprachliche Kleinarbeit da, die Wortwahl, den Rhythmus usw.


Warum ist der Bündner so erfolgreich auf der ganzen Welt?

Weil er es sein will.Er macht ja extrem viele Lesungen, kann bei einer Anfrage fast nie nein sagen. Zudem ist es seine Person, sein Charm, seine Art, den Text aufzuführen, die eine Lesung unterhaltsam machen. Er bekommt auch viele Anfragen für Kolumnen in Zeitungen. Bis jetzt hat er keine gemacht. Ich plane auch seine Termine. Schlussendlich macht Arno, was er will.


Ist ein Verleger auch da, wenn es bergab geht?

In der Oeffentlichkeit nimmt man Arno als Strahlemann wahr, doch es gab in den sieben Jahren Zusammenarbeit Auf und Abs beim Schreiben. Da gab es auch intensive Gespräche.

Wird aus einer Verlegerzusammenarbeit auch eine Männerfreundschaft?

Ja, wir machen manchmal einen Ausflug mit der Tochter von Arno zusammen.

engeler verlag

Ist Io senza te das neue ewigi Liebi Musical?

Sieben Jahre hat Peter Reber am Musical „Io senza te“ , das nicht die Geschichte über der Schweiz erfolgreichstes Trio Peter, Sue und Marc ist,  geschrieben und herausgekommen ist ein unterhaltsamer Abend mit unlogischen Handlungssträngen.

Im fernen Bahamas beschliesst die Tochter eines Aussteigers nach ihrem Wirtschaftsstudium zurück in die Schweiz nach Zürich zu reisen, wo die entspannte Lebensweise der Hektik zwischen Technologie und dem Geld nachrennen folgt. Dieser Einstieg ins Muscial „Io senza te“ überrascht. Verloren zwischen Dow Jones und Bildschirm versucht Ky (Anja Haeseli) im rauen Berufsalltag einen Halt zu finden

.

Der Einstieg ist zwar auch mit Liedern des Trios untermalt, aber ist auch eine Kritik an das Computerzeitalter und eine Parodie auf die Schweizer Mentalität, bei der durch die restlichen drei Stunden, die Zürcher oft das Fett wegbekommen.

Gleichzeitig lernt der Zuschauer die zwei weiteren Handlungsorte kennen mit ihren Darstellern. Zum einem das Ehepaar und Besitzer der Bahamas Bar, zum anderen die WG von von Dieter (Jörg Neubauer),

der studiert, aber lieber am Computer Musik komponiert und Gio (Ritschi)

der in der Bahamas Bar arbeitet und sich in Kay verliebt, als diese einen Peter, Sue und Marc Song zum Besten gibt. Während sich das Ehepaar des Barbesitzers am zehnten Hochzeitstag trennt, gründen Dieter, Kay und Gio eine Coverband mit den Hits des legendären Trios aus Bern. Doch wie der Manager sagt, sie haben das Leiden, die Sehnsucht und das Fernweh massentauglich gemacht, wirken wie Peter, Sue und Marc, sind aber nur ein Generikum.

Solche Sprüche und Seitenhiebe gibt es neben den typischen Musicalmerkmalen wie Gesang, Tanz und Drama und etwas Erotik (Richie nackt in der Dusche) viele, so dass das Publikum nach dem ernsten Einstieg nach 40 Minuten einem Musical, dass auch als Volkstheater sein könnte, beiwohnt. Bis zur Pause wird jeder Song, jeder Gag mit Applaus bedankt vom Publikum mittleren Alters, dass man meinen könnte, die Schweiz hätte zwei Jahre nach dem Ende von „Ewigi Liebi“ einen neuen Hit mit Hits aus dem eigenen Land.

Der zweite Teil, oh je!

Das Theater 11 in Zürich Oerlikon gab Peter Reber eine Chance, sein musikalisches Erbe mit einer Geschichte einer jungen Band im Spannungsfeld von Selbstverwirklung und Kommerz und auf einer anderen Ebene eines Ehepaars in Krise aufzuführen. Doch der zweite Teil dieser Geschichte ist missraten. 90 Minuten lang wird nun jeder zehnte Sätze mit einem Hit aus den 70/80er Jahren von Peter, Sue und Marc und einigen neuen deutschen Liedern gesungen und jeder Aspekt der beiden beschriebenen Ebenen zu detailliert dargestellt. Das Musical kommt ins Stocken. Zwar haben die drei Hauptdarsteller ausgiebig die Möglichkeit ihre Gesangeskünste , hier sei besonders die von Anja Haeseli hervorgehoben, weniger das schauspielerische Talent von Richie darzustellen, aber die Zeit läuft davon, so das der Schluss mit einer Zusammenkunft aller in der „Swiss Bar“ auf Bahamas völlig unlogisch ist, war doch das Trio kurz vorher noch bei einem Fernsehauftritt als Revuesänger mit dem Titel „Charlie Chaplin“, übrigens der musikalische Höhepunkt des Abends.
Doch in Peter Rebers Welt haben sich alle lieb und so ist dann die Schlussnummer  im Sitzen eine A-cappella-version von „Morning Sun“ eine Versöhnungsnummer, obwohl sich das Trio vorher aufgelöst hat.
„Io senza te“ ist nicht die Gesichte von Peter, Sue und Marc aber spielt mit vielen Aspekten aus dem Leben des Trios. Es vermittelt über lange Strecken Unterhaltung zwischen Ernsthaftigkeit und Festzeltniveau, hat viele Lacher, nimmt die Schweizer Mentalität, die Medien und Showgeschäft auf die Schippe, hat aber dramaturgische Fehler. Wer einen Abend mit den Hits der Abbas der Schweiz, wie Ex-Bundesrat Adolf Oggi das Trio nannte, will, bekommt es und schaltet dabei den Kopf am Besten aus und das Herz ein, Dann ist „Io senza te“ ein Mittel gegen verlorenen Träume der Verlierer, die im Publikum sitzen, aber fast jede Vorstellung bis zum 1.November ausverkauft sein lassen.

Licht, Wasser, Weite – der Mont Vully gegen den Herbstblues

Falls Sie zu den Menschen gehören, die im Herbst bei dem aufkommenden Nebel und somit verminderten Sonneneinstrahlung melancholisch werden, ist ein Ausflug auf den Mont Vully eine gute Medizin gegen schlechte Laune.

Auf 653 m. M. thront der Berg als Verbleib als der Murten-, Neuenburger- und Bielersee noch eins war. Die ehemalige Insel bewohnten die  Kelten und die Helvetier. Feinfühlige Menschen werden aber neben sichtbaren Spuren dieser Stämme noch viel mehr Energie spüren, den die Natur ist dank Wasseradern reich.

Von Murten fahren Schiffe über den See und halten in Motier, wo es Wanderwege durch die Rebberge, die nun geerntet werden auf der Waadtseite auf den Berg gibt,

Der Anstieg ist anspruchsvoll, doch mittendrin tauchen Nahe des Hotel de Vully die Grotten von Lamberta auf,

Wer nun denkt, die seien von den Kelten liegt falsch. Sie wurden 1916/17 zur Verteidigung des Mittellandes von der Armee gegraben wie auch der 200 m lange Stollen. Früher versteckten sich hier die Soldaten, heute spielen die Kinder mit den Löchern im Sandstein.

Einen anderen happigen Aufstieg gibt es aus dem freiburgischen Sugiez, den viele Radfahrer wählen und einmal oben angekommen, bleibt ihnen die Luft weg, auch weil es hier eine Fernsicht um 360 Grad gibt, die weite Teile der Deutschschweiz, der Alpen und auf der anderen Seite die Westschweiz bis zum Chasseral zeigt. Da der Berg oben flach ist, ist es das Wandern leicht und die Zeugnisse der Kelten erscheinen bald.

 Das Oppidum von Bas-Vully  auf den 2. Jahrhundert v. Chr. hat zwei westliche Sporn. Die Wälle sind eine Art Mauer aus Steinen und Lehm.

Die drei Seen immer im Blick wandern wir weiter durch Weiden und das Licht ist so intensiv, dass hier besonders viele Bäume und speziell Eschen wachsen. Stellen Sie sich mal unter eine und sie spüren deren Energie.

Vorbei an Landwirtschaft stösst man in den Wäldern auf  bauliche Ueberreste von Bunkern, die aber dank zusätzlicher Bewaldung als Schadfleck im Verstecken bezeichnet werden darf.

Waren auf der einen Seite die Rebberge prägend, sind es auf der Neuenburger Seite die Wälder. Wie Urwälder sind die Baumkronen ineinander vernetzt und das Unterholz ist voller Leben bis plötzlich ein Findling am Weg einen Namen trägt.

Der Agazziz- Stein wurde von  Gletscherforscher Jean Louis A. aus Motier entdeckt und stammt aus dem Furkagebiet. Agazziz, ein Wissenschafter, der später in den USA ein Star wurde und zu seinen Ehren dort Berge benannt wurden, Der Findling hat auch den Uebernamen eines rollenden Palastes. Lustig sind auch die Mythen um diesen Stein, in denen der Stein dem Teufel gehörte, der die Tore abends öffnete und Menschen verschluckte.

Mit oder ohne Messgerät, die Schwingungen hier sind sehr hoch, spüren Sie sie selbst.

Wieder aus dem Wald geht die Sonne unter, färbt die Rebberge golden und wir sind mit dem Licht des Wistenlachs wie die Deutschschweizer den Mont Vully nennen aufgeladen für den Winter.

Dr Göpdäl fahrt vo Herisau nach Rorschach – die letzte Etappe der Herzroute

„Sönd willkomm“ – seit willkommen  durch die Kantone St. Gallen, Appenzell Innen und Ausseroden bis an den Bodensee führt die Ostherzroute zu ihrem Ende. Doch „trödala“ – Zeit verschwenden, kann der Fahrer bei so vielen Hügeln, Wald und See nicht. Der Erlebnisbericht.

Also einen Appenzeller mit Ohrring sieht man im modern Herisau, dem Kantonshauptort von Appenzell Ausseroden nicht. Halb Dorf, halb Stadt geht es erst nach dem Bahnhof und nicht ab der zwei Kilometer entfernten Ausgabestelle des Rades auf die Herzroute. Bald verlasse ich die Hauptstadt und

fahren Richtung St. Gallen auf dem Landweg an den Gübensee.

Hier wie auf dem Weg hat es Wanderer und Frauen mit Hunden. Ich nehme neben Wasservögel mein Pick-nick ein, fahre dann am Stadtrand St. Gallens Richtung Appenenzell und erst jetzt nach einer Stunde kommt das grosse Staunen nach einem steilen Aufstieg.

Das matte Grün, die vielen Hügel, der Alpstein, wenig Bauernhäuser ergeben eine malerische Kulisse.

Ich bremse und lasse dieses Wunde auf mich wirken und weiss, dass ich wiederkommen werde, den zwischen Haslen bis Schlatt ist alles, was sich ein Berner vom Cliché Appenzell wünscht vorhanden und ich pfeife ein Lied und verdrücke eine Träne über die Schönheit.

Steil den Hügel hinab und schon tönt lärmig, den hier wird das Bier, der Käse, der Schnaps gebrannt und  die Kirche steht in der Mitte nicht des Dorfes sondern der Kleinstadt Appenzell.

Dem ungewohnten Dialekt lausche ich bei Mittagessen und müsste mir wohl ein Wörterbuch kaufen, um alles zu verstehen. Das denke ich im Wallis auch und dann geht es doch ohne.

Töfflibuebe wie ich mal einer war, kommen mir entgegen, als ich weiterfahre durch das spärlich besiedeltes Land. In einen Wald  zieht ein Schatten, nein zehn über mich.

Wenig später landen die Fallschirmspringer vor meinen Füssen, als ich ins St. Galler Rheintal

einfahre und die Etappe mit einer Besichtigung der vielen alten Häuser von Altstätten beende.

Altstätten – Rorschach

Der letzte Tag der Herzroute Ost ist angebrochen und die Bademeisterin beim Abgabeorte des Rades sprich es laut aus: Nein, sie haben falsch geschaut, Die Herzroute geht nicht der Strasse nach an den Bodensee, das wäre zu einfach. Zuerst geht es dort hinauf.“ Sie wendet sich und zeigt auf einen Berg.

Mein Frühstück war ausgiebig und ich brauche nun alle Kraft, den über eine Stunde fahre ich vom Rheintal bergauf ins appenzellerische St. Anton

auf über 1100 m. M. Obstbäume, Weiden, Kühe, Schafe, Lamas und der Nebel säumen die Strasse. Der Nebel wird immer dichter, die Finger langsam steif vor Kälte, die Ohren rot. Ja der Herbst ist da und ich habe kalt und sehe fast nichts mehr als ich auf dem Gipfel bin. Zum Glück hatte ich nicht die Unterstützung „high“ eingestellt, sondern lieber etwas mehr in die Pedalen getreten, den die nächste Akkustation Walzenhausen ist noch weit entfernt. Ich will vom Nebel weg und es geht endlich wieder bergab, die Sonne kommt und das einzige Geräusch ist der Velogummi auf dem Teer.

 

So still ist es lange und ich kann Oberegg in Appenzell Inneroden, mich und die Landschaft geniesen. Diese ist wieder schön, aber die Häuser deutlich ärmer und Menschen erst wieder nach dem ersten Blick auf den Bodensee in Walzenhausen, ein Kurort modern gekleidet.

Ein Strassenarbeiter begrüsst mich beim Eintritt in den Thurgau und ich versuche zurück zu lachen, doch mein Gesicht ist noch gefrohren. Vorbei an Herbstboten wie Trauben, bunten Sträuchern,Aepfeln ist der Ort Rheineck eher hässlich.

 

Fernsicht mit dem Bodensee toll, Nahsicht mit den verbauten Orten schlecht – das haben sich wohl auch die Herzroutenplaner gedacht und so schicken sie mich nochmals durch den Wald auf den Rorschacherberg.

Meine Beine werden schwer, ich spüre wie eine Traurigkeit in mir aufsteigt durch die Villenquartiere, den ich wenigen Minuten bin ich am Ende angelangt, dachte ich. Doch wie so oft auf dieser Tour versagen die roten mit 99 angeschrieben Wegweiser in den Städten. So verpasse ich die Abzweigung nach Rohrschach, mache einen kurzen Umweg auf dieser Etappe, die nur auf geteerten Strassen stattfand. Doch schliesslich finde ich die Herberge See,die Abgabestelle des E-Bikes.

 

Ich streichle nochmals über den Sattel, mache ein Foto vom Bike vor einem vorbeifahrendem Schiff und gehe zu Fuss zum Bahnhof Rorschach.

Fazit:

 Die Herzroute Ost Willisau – Rorschach ist wie die Route West Lausanne -Willisau ein Genuss für das Auge. Sie zeigt dem E-Biker soviel Unbekanntes der Schweiz, dass wer eine gute Kondition hat, dieses Auf und Ab durch Wald, Wiese, Dörfer, Städte auch schafft. Würde jeder Architekt diese Tour de Suisse der speziellen Art mal machen, er würde mehr Rücksicht nehmen auf die Schönheit dieses Landes und nicht alles verbauen. Die Schweiz ist ein Wunder. Schauen Sie sie an und sie erkennen sich darin wieder und noch viel mehr von ihren inneren Werten, den die Herzroute ist Pilgern auf moderne Art und Weise.

Mord im Marzili – ein Spaziergang mit Krimiautor Tony Dreher

Trotz der hohen Temperaturen in diesem Sommer wurde in den Badeanstalten gelesen und zwar oft das Debut vom Berner Tony Dreher „Aareschwimmen“.  Wer ist dieser Autor und über was schreibt er?  Ein Spaziergang zu einigen Schauplätzen des Krimis in Bern gibt darüber Auskunft.

Im Marzli unter dem Bundeshaus an der Aare herrscht meist Spass, doch in ihrem Debut „Aareschwimmen“ ist es damit vorbei, warum?

Am 1. August ist es heiss und der Journalist Mike will sich eigentlich abkühlen in der Aare, da hört er einen Schrei und wenig später wird eine angekleidete Leiche aus dem Fluss gezogen. Seine journalistische Neugierde und der Zufall, dass er zufällig an dem Ort eines Verbrechens ist, verändern sein Schicksal und er beginnt nachzuforschen und entdeckt viel Verborgenes, das ihn in Schwierigkeiten bringt.

Sie wählten den Journalisten Mike als Schnüffler und Aufdecker eines Mordes mit Verstrickungen bis in die höchsten Bundeshausetagen, warum keinen Kommissar?

Ich wollte die Untersuchng des Falles von innen zeigen, ein Unbeteiligter deckt auf, während die Polizei angewiesen wird, den Mord zu vertuschen.

Die Aare ist für mich hier auch Symbol für einen Ereignisfluss, der das Leben eines Menschen auf den Kopf stellt.

Sie leben in der Nähe der Bundesstadt, wer sind sie?

Ich bin als Kind von Schweizer Eltern in Mexikostadt aufgewachsen, lebe seit 25 Jahre hier und habe mein Schweizerdeutsch nicht vergessen, den ich ging ja in die deutsche Schule in Mexiko. Zuerst schreib ich auf  Englisch, merkte aber, dass das nicht geht bei einem Stoff, der so lokal verankert ist.

Das Kino ist ihre Leidenschaft, woher holten sie die Inspiration zu ihrem Buch?

Im Buch kommen ja die USA, Mexiko auch vor und dann Meiringen im Berner Oberland, wo ich Skifahren gehe, doch zentral bleibt Bern, wo mir alles bekannt ist und sich doch die Umstände wegen des Mordes verändern. Zudem arbeite ich als Informatiker und Hacker sind auch in meinem Buch am Werk.

Die Orte Bern, Solothurn, das Oberland sind Schauplätze ihres Waffen- und Kunstschmugglerverbrechens, was aussergewöhnlich ist. Wollten sie die Ruhe der Berner mit ihrem Roman stören?

Es ist ja alles nicht so böse gemeint, wie es scheint. Ich suchte einfach schöne Orte für die Handlung. Reiste auch an die Schauplätze, damit alles stimmt, doch zuerst war die Handlung und der Mord an der Aare. Ich begann schon 2011 mit dem Schreiben.

„Aareschwimmen“ ist bis auf die Erklärungen der Computertrojaner spannend, aber die Figuren haben wenig Psychologie, wollen Sie das bei der Fortsetzung ändern?

Ich schreibe sehr actionreich, wollte alles atemlos machen und flüssig. Ja, es gibt eine Fortsetzung nach dem Erfolg. Es wird ja schon nach wenigen Monate die dritte Auflage gedruckt In der Fortsetzung bekommt Mike mehr Tiefe durch Beziehungen und Einblicke ins Privatleben.

Ich bin schon gespannt, wie die Leser meine Leidenschaft das Schreiben von Krimis, das ich  neben der eher phantasielosen Arbeit als Informatiker liebe, im neuen Buch mögen, Es beginnt mit einem Toten im Gletscher im Berner Oberland.

Das Buch Aareschwimmen erschien im Gmeiner Verlag

Infos zu Tony Dreher

Toulouse-Lautrec und die Fotografie im Kunstmuseum Bern

 

Wie sehr Glück und Pech im Leben von Henri Toulouse-Lautrec zwischen 1864 bis 1901 beieinander liegen zeigt bis 13.12. die Ausstellung im Kunstmuseum Bern.

Die Fotografien aus dem Leben des französischen Künstlers belegen sein Glück, dass er aus einer Adelsfamilie stammte und keine Geldsorgen hatte. Sie belegen aber auch, dass im Alter von fünf Jahren seine Beine wegen einer unheilbaren Knochenkrankheit aufhörten zu wachsen. Vielleicht der Ursprung seiner Sichtweise auf das Leben am Montmatre, die als eine Suche eines Kleinwüchsigen nach Anerkennung und Liebe als Mann und erst in zweiter Linie als Künstler zu verstehen mir scheint.

Der 150. Geburtstag des Franzosen nahm das Kunstmuseum Bern zum Anlass den Aspekt der Fotografie dieses eher grafisch den malerisch begabten Künstler aufzuzeigen. Die Tatsache, dass Toulouse-Lautrec nie eine Kamera besass oder fotografierte erstaunt bei der Menge an Bilder, die im Erdgeschoss hängen. Doch er besass einen Freund, Francoise Gauzi, der mit der damals modern Abbildung durch die Kamera vertraut war. Gauzi bekam auch einen Aspekt in Henris Charakter vor die Linse, das Verkleiden und Darstellen fremder Personen.

Die schwarzweiss Fotografien zeigen diese narzistische Ader.

Leider sind die Formate im Erdgeschoss klein und gehen in der grossen Halle etwas verloren, doch es gibt ja noch das Obergeschoss.

 Et volià, hier reihen sich die Farblitografien und sind in die Interessen Toulouse-Lautrec unterteilt in: Das geheime Leben in den Bordellen, Artisten und Zirkus und das Nachtleben am Moulin Rouge.Die Fotografie diente ihm das Skizzierte zu verfeinern oder salopp ausgedrückt, sich nach dem Vergnügen an das Geschehen zu erinnern.

Der Franzose hatte also durchaus was von einem Lebemann. Als Zeicher brachte er es aber nur bei seiner grafischen Kunst und den Werbeplakaten zu aussergewöhnlichen Fähigkeiten. Es gelang ihm wie kein zweiter die Begegung und Spannung ins Bild zu bringen.

Interessant ist dabei, dass er ja gehbehindert war, zwar Schwimmen nicht eben nicht der Hit der damaligen Zeit Autofahren konnte, aber beides liebte und wohl seinen Frust, dass er nicht Rennen fahren oder Schnellläufer werden konnte, mit der Malerei kompensierte.

So ist Toulouse-Lautrec im Kunstmuseum Bern eine biografische und erst im zweiter Linie werkorientierte Ausstellung, die das Leben zwischen Theater und Vergnügen eines Parisers ins rechte Licht rückt.

kunstmuseum bern