„Sönd willkomm“ – seit willkommen durch die Kantone St. Gallen, Appenzell Innen und Ausseroden bis an den Bodensee führt die Ostherzroute zu ihrem Ende. Doch „trödala“ – Zeit verschwenden, kann der Fahrer bei so vielen Hügeln, Wald und See nicht. Der Erlebnisbericht.
Also einen Appenzeller mit Ohrring sieht man im modern Herisau, dem Kantonshauptort von Appenzell Ausseroden nicht. Halb Dorf, halb Stadt geht es erst nach dem Bahnhof und nicht ab der zwei Kilometer entfernten Ausgabestelle des Rades auf die Herzroute. Bald verlasse ich die Hauptstadt und
fahren Richtung St. Gallen auf dem Landweg an den Gübensee.
Hier wie auf dem Weg hat es Wanderer und Frauen mit Hunden. Ich nehme neben Wasservögel mein Pick-nick ein, fahre dann am Stadtrand St. Gallens Richtung Appenenzell und erst jetzt nach einer Stunde kommt das grosse Staunen nach einem steilen Aufstieg.
Das matte Grün, die vielen Hügel, der Alpstein, wenig Bauernhäuser ergeben eine malerische Kulisse.
Ich bremse und lasse dieses Wunde auf mich wirken und weiss, dass ich wiederkommen werde, den zwischen Haslen bis Schlatt ist alles, was sich ein Berner vom Cliché Appenzell wünscht vorhanden und ich pfeife ein Lied und verdrücke eine Träne über die Schönheit.
Steil den Hügel hinab und schon tönt lärmig, den hier wird das Bier, der Käse, der Schnaps gebrannt und die Kirche steht in der Mitte nicht des Dorfes sondern der Kleinstadt Appenzell.
Dem ungewohnten Dialekt lausche ich bei Mittagessen und müsste mir wohl ein Wörterbuch kaufen, um alles zu verstehen. Das denke ich im Wallis auch und dann geht es doch ohne.
Töfflibuebe wie ich mal einer war, kommen mir entgegen, als ich weiterfahre durch das spärlich besiedeltes Land. In einen Wald zieht ein Schatten, nein zehn über mich.
Wenig später landen die Fallschirmspringer vor meinen Füssen, als ich ins St. Galler Rheintal
einfahre und die Etappe mit einer Besichtigung der vielen alten Häuser von Altstätten beende.
Altstätten – Rorschach
Der letzte Tag der Herzroute Ost ist angebrochen und die Bademeisterin beim Abgabeorte des Rades sprich es laut aus: Nein, sie haben falsch geschaut, Die Herzroute geht nicht der Strasse nach an den Bodensee, das wäre zu einfach. Zuerst geht es dort hinauf.“ Sie wendet sich und zeigt auf einen Berg.
Mein Frühstück war ausgiebig und ich brauche nun alle Kraft, den über eine Stunde fahre ich vom Rheintal bergauf ins appenzellerische St. Anton
auf über 1100 m. M. Obstbäume, Weiden, Kühe, Schafe, Lamas und der Nebel säumen die Strasse. Der Nebel wird immer dichter, die Finger langsam steif vor Kälte, die Ohren rot. Ja der Herbst ist da und ich habe kalt und sehe fast nichts mehr als ich auf dem Gipfel bin. Zum Glück hatte ich nicht die Unterstützung „high“ eingestellt, sondern lieber etwas mehr in die Pedalen getreten, den die nächste Akkustation Walzenhausen ist noch weit entfernt. Ich will vom Nebel weg und es geht endlich wieder bergab, die Sonne kommt und das einzige Geräusch ist der Velogummi auf dem Teer.
So still ist es lange und ich kann Oberegg in Appenzell Inneroden, mich und die Landschaft geniesen. Diese ist wieder schön, aber die Häuser deutlich ärmer und Menschen erst wieder nach dem ersten Blick auf den Bodensee in Walzenhausen, ein Kurort modern gekleidet.
Ein Strassenarbeiter begrüsst mich beim Eintritt in den Thurgau und ich versuche zurück zu lachen, doch mein Gesicht ist noch gefrohren. Vorbei an Herbstboten wie Trauben, bunten Sträuchern,Aepfeln ist der Ort Rheineck eher hässlich.
Fernsicht mit dem Bodensee toll, Nahsicht mit den verbauten Orten schlecht – das haben sich wohl auch die Herzroutenplaner gedacht und so schicken sie mich nochmals durch den Wald auf den Rorschacherberg.
Meine Beine werden schwer, ich spüre wie eine Traurigkeit in mir aufsteigt durch die Villenquartiere, den ich wenigen Minuten bin ich am Ende angelangt, dachte ich. Doch wie so oft auf dieser Tour versagen die roten mit 99 angeschrieben Wegweiser in den Städten. So verpasse ich die Abzweigung nach Rohrschach, mache einen kurzen Umweg auf dieser Etappe, die nur auf geteerten Strassen stattfand. Doch schliesslich finde ich die Herberge See,die Abgabestelle des E-Bikes.
Ich streichle nochmals über den Sattel, mache ein Foto vom Bike vor einem vorbeifahrendem Schiff und gehe zu Fuss zum Bahnhof Rorschach.