Was macht der Kräutergärtner gegen den Klimawandel?

Bald pflanzen Hobbygärtner Kräuter und Tomaten im Garten oder auf dem Balkon an. Doch woher kommen die Pflanzen für das „Urban gardening“ und wie versuchen die Schweizer Gärtner ihren CO2 Ausstoss zu reduzieren? Ein Besuch in einer Gärtnerei am Grenchenberg gibt Auskunft.

Es ist Mitte Februar als mich der Gärtner Markus Riedwyl am Bahnhof Grenchen Süd abholt. Bei 15 Grad Aussentemperatur trägt davor ein Flüchtling ein T-Shirt und als wir zu Riedwyls Biokulturen in Lengau fahren, bemerkt der 48-jährige, dass der Skilift am Grenchenberg, wo er und seine Kinder Ski fahren gelernt haben seit Wochen Grün statt Weiss trage und er könne Menschen, die sagen, dass sei immer so gewesen, nicht verstehen, dass sie die Zeichen der Zeit nicht sehen würden.

Der Klimawandel ist für den Unternehmerverband Jardin Suisse nicht erst seit der Klimakonferenz von Paris Thema. Nachdem der Bundesrat als Antwort auf das Kyoto Gipfel die CO2-Steuer einführte, kostete es auch Mitglied Markus Riedwyl jedes Jahr Geld. Wie er wollten 150 kleine und mittelgrosse Produktionsbetriebe ihre Produktionsabläufe künftig verbessern, damit die Grüne Branche im Rahmen des CO2 Reduktionskonzeptes des Bundes bis 2020 ihre Emissionen in den Gewächshäusern reduzieren und fortan keine Steuern bezahlen sondern Geld zurück erhalten würde.

Als wir das erste von drei Gewächshäuser betreten, die Markus in der dritten Generation von Riedwyler-Gärtnern vor rund 30 Jahren in Lengau aufgebaut und mit Küchenkräutern wie Petersilie, Schnittlauch, Drill usw. bepflanzt hat, hat er einen Trumpf in der Hand. Als einziger Kräutergärtner der Migrosgenossenschaft Bern-Aare hat er zusammen mit seinen  Schweizerkollegen das Ziel 13 Millionen Liter Heizöl zu sparen und andere Massnahmen geschafft und ist somit schon vier Jahre vor den Vorgaben von  Jardin Suisse und des Bundes am Ziel angelangt.

Mit seinen drei Mitarbeiter in Lengau hat er die Treibhäuser mit zwei Folien statt Glas überzogen, dazwischen hat es Luft, die reguliert werden kann, Das Wasser für seine Kräuter in Bioqualität liefert ein Teich, wo Regenwasser in grossen Mengen aufgefangen wird.

Seine Pflanzen tragen das Label „aus der Region für die Region“ und somit wird nicht nur die pflanzliche Qualität durch Kontrollen bewertet sondern auch die Nachhaltigkeit. Bio Suisse schreibt den Pflanzenschutz vor und die Mischung der Erde und Torf. Die Pflanzengefässe sind zwar aus Plastik, werden aber mehrmals benutzt. Und wenn es im Sommer 45 Grad im Treibhaus ist, geht Markus Riedwyl halt in der Badehose auch sonntags rein und schaut nach seinen Tausenden von Kräutern. Manchmal haben sie trotz der CO2 Massnahme der lückenlosen Abdichtung der Fenster und Türen Blattläuse. Dagegen gibt es kein Gift sondern Nützlinge und bei Pilzerkrankungen den Mehltau.

Die Heizung, damit die Pflanzen abends 8 Grad und tags 15 Grad haben, ist ein CO2 Verursacher. Mit dem Einbau von Turbulatoren an der Decke bringt der Lengnauer die aufsteigende Wärme wieder an den Boden zurück und spart zusätzlich.

Auch um den Benzinverbrauch bei der Lieferung der Pflanzen zu reduzieren, hat sich der Gärtner mit Herz am Jurasüdfuss ein Elektroauto zugelegt für die kleinen Strecken.

Den Markus Riedwyl weiss zwar, dass seine Kinder seinen Betrieb nicht übernehmen werden, aber wer mit der Erde arbeite, könne sie nicht zerstören, meint er.  Für die Zukunft möchte er noch weiter in den Trend „Urban gardening“ investieren und Cherrytomaten, Peperoni, Gurken und Chili für den Balkon in noch grösseren Mengen abpflanzen.

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