Sam Jimmyjoe – mein Leben als Kleinwüchsiger in Biel

Er misst 1, 35 cm, fährt einen Scooter, tritt als Entertainer auf und nennt sich einen Chaoten mit Leidenschaften. Auf dem Spaziergang durch Biel verrät er Privates und seine Lebensfreude verscheucht dabei die dicken Regenwolken über dem Chasseral.

Sam Jimmyjoe, gerade kommst von Deiner regulären Arbeit in einem Call Center durch den Regen ins Cafe Cecil. In drei Wochen wirst am 18. Juni 27 Jahre alt. Welche Bilanz ziehst Du vom bisherigen Leben?

Es ging verdammt schnell, nun bin ich schon 5 Jahre Call Agent, lerne in der Freizeit bei meinen Showauftritten berühmte Leute kennen wie Müslüm .Eine wichtige Begegnung auf der familiären Seite ist die zu meinem Stiefvater. Er hat mich stets aufgefordert, mich unter die Menschen zu mischen und nicht wie viele Kleinwüchsige sich zu verstecken. Dadurch habe ich meine Schüchternheit abgelegt und bin heute recht selbstbewusst.

 

Dich kann man ja für Parties, Filmdrehs, Shootings buchen. Wolltest Du nie zum Zirkus?

Ich habe schon Videoclips gemacht sowie provokante Fotos mit dem Fotografen Klemens Trenkle. Den Gedanken an den Zirkus hatte ich, bin aber froh ihn nicht umgesetzt zu haben. Klar sehen einige in mir den Speedy vom Zirkus Knie und wenn sie mich danach fragen, antworte ich auf Englisch, spiele mit dem Cliché.

Was mich stört, ist, wenn die Leute denken, ich als Kleinwüchsiger sei nicht ganz klar im Kopf und was ich auch nicht mag, wenn sich die Leute niederknien auf meine Grösse.

Ich habe die normale Schule gemacht, dann das vierjährige KV im Rossfeld und mein Alltag ist wie der eines jeden anderen Schweizers.

Du kamst in Lissabon zur Welt, bist dann seit dem 1. Lebensjahr bei Schweizer Adoptiveltern aufgewachsen. Was bedeuted Dir Biel sonst noch?

Ich mag das Multikulturelle. So kann ich viele verschiedene Restaurants aus fremden Ländern besuchen.Auch fühle ich mich hier als Kleinwüchsiger wohler als im übrigen Seeland, das doch recht bürgerlich ist. Ich wohne zwar nicht direkt in der Stadt sondern nebenan in Brügg, aber mit dem Roller oder dem guten OeV bin ich schnell hier und wenn ich mal raus will, fahre ich nach Magglingen und schalte dort mal ab.Am See bin ich seltener, dafür bei meinem Freunden im Tattowstudio, wo wir nun hinfahren mit dem Bus.

Du hast mir auf der Fahrt hierher verraten, dass Du fünf Tattoos hast. Mittlerweile scheint die Sonne wieder. Was ist schwer und was leicht im Leben eines Kleinwüchsigen?

Mittlerweile sind ja die Stufen des OeVs uns Kleinwüchsigen abgepasst, aber der Einkauf  im Lebensmittelladen ist der Horror. Dauert muss ich jemanden fragen, ob er mir Sachen aus den oberen Regalen gibt. Das Anstarren hat abgenommen und die Leute zeigen nicht auf mich. Seit ich Bart trage, bin ich nicht der kleine Bub, sondern nur ein kleiner Mann.

 In der Schulzeit wurde ich unterstützt und nicht gemobbt von den Kollegen, das war sehr gut.

 Leicht ist auch das Wohnen, wo ich alles so eingerichtet habe, dass ich es fassen kann . Schön ist auch, wenn Leute auf mich zu kommen und mit mir reden.

Du liebst neben Aepfel die Farben blau, lia und schwarz und was magst du sonst noch?

Mich kriegt man rum mit einem Teller Spätzli. Ich mache auch gerne You tube Videos, wo ich die Leute zum Lachen bringe. Vielleicht sollte ich mir überlegen ein Programm mit Komik auf die Beine zu stellen.

Wir sind mittlerweile wieder am, Bahnhof und Du hast noch gesagt, dass du Comics liebst und Hip Hop. Aber einige Rapper sind doch schwulenfeindlich?

Der Pop von heute ist sehr gemacht. Beim Rapper Knackeboul liebe ich die Poesie seiner Reime, da spüre ich, dass sie Erlebtes beschreiben und manchmal auch aggressiv sind. Nach der Arbeit und auch sonst trage ich beim Gang durch die Strassen oft Kopfhörer. Ich liebe Musik und Billard spielen.

Warum bleiben die Zuschauer weg bei der Helvetischen Revolution?

Noch bis zum 2. Juli findet oberhalb Murten das historische Freilichttheater um die Geburt der modernen Schweiz „Helvetische Revolution“ statt. Was sich bereits im Vorfeld beim Ticketvorverkauf zeigte, zieht sich nun durch die Spielzeit, die Zuschauer kommen spärlich. Zurecht?

Als vor zwei Jahren 36 000 Zuschauer die Schlacht um Murten „1476“ ansahen, hatte es damit zu tun, dass die Bevölkerung rund um den Murtensee mit den historischen Gegebenheiten vertraut war, findet doch jedes Jahr am 21. Juni ein Gedenkfest statt und somit hat das Ganze in der Bevölkerung einen hohen Stellenwert. Mit der Zeit zwischen 1789 und 1799 der Geburtsstunde der modernen Schweiz kann der Schweizer Durchschnittsbürger salopp gesagt, eigentlich sowenig anfangen wie mit der eigenen Geburt, man weiss nur von Dritten etwas darüber.
Dies möchte Regisseur Mirco Vogelsang  (Bild) und Autor Daniel Howald mit dem Freilichttheater Helvetische Revolution ändern. Das Publikum auf der halbleeren offenen Tribüne ohne Vordach schwitzt am ersten Hochsommertag zehn Tage nach der Premiere bevor auf der zehn Meter grossen Bühne Schauspielerin Annina Butterworth

als Daphné auf Hochdeutsch als eine aus Paris Zurückgekehrte, dem gemeinen Volk die Ideale der Französischen Revolution „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ schmackhaft machen will. Die Alte Eidgenossenschaft gerät fortan ins Wanken und bis zur Pause wird geredet und philosophiert. Die Dialoglastigkeit lässt keine Gefühle zu. Es ist zwar eine Geschichtsstunde mit Schauspielern, aber es fehlt das Fleisch am Knochen. Keine Figur ausser vielleicht noch Pestalozzi bleibt wirklich hängen.

Schlimm ist über das ganze Stück, dass die Dialoge auf französisch übersetzt werden auf keinen Leinwänden innerhalb des Bühnenbildes. Sollte ein Welscher die nun lesen wollen, sieht er vom Gesehen nichts, den das Auge kann das grosse Bühnenbild und  die Uebersetzung nicht vereinen.
Aufgefallen ist dem Publikum die Filme, die zum Freilichtspiel als Ergänzung der Handlung gezeigt werden und dem Geschichtsschinken einen modernen Anstrich geben.

Zweiter Teil

Die französischen Truppen sind in die Schweiz, im Grauholz unter Napoleon Bonapparte einmaschiert und fördern die Ausrufung der Helvetischen Republik, einen zentralistischen Einheitsstaat nach dem Vorbild Frankreichs. Doch in Stans geschieht ein Massaker. Zuerst töten die Nidwalder die Franzosen, dann schlagen diese mit aller Härte zurück und hinterlassen ein Heer von Waisenkindern und geschwängerten Mädchen.

Dies ist die Stunde von Pestalozzi gespielt von Christoph Gaugler, der sich der Opfer annimmt und gleichzeitig die erste Volksschule gründet.

Endlich hat das Theater Gefühle, endlich einen Handlungstrang, der ans Herz geht und sofort beim Publikum Reaktionen hervorruft, sicher auch wegen der zahlreichen Kinderstatisten und starken Kleinrollen von Laienschauspielern.
„Die Gedanken sind frei“, die Helvetische Republik hat viele Ideal gehabt, den Hunger, das Elend der kleinen Leute, die Habgier der Mächtigen hat sie nicht beseitigt und so ist die Republik nach fünf Jahren am Ende und auf der Bühne gibt es eine Actionszene mit Mord und Todschlag.
1848 wurde dann die erste Bundesverfassung verfasst für den Bundesstaat wie wir ihn heute kennen. Daa Stüök entlässt Daphné und Pestalozzi in die Nacht und von Weitem scheinen die Lichter von Murten, während Pestalozzi sagt: „Man muss den Menschen Menschlichkeit lernen nicht Ideale“
Mit vielen Sponsorengeldern namhafter Firmen wurde schon seit einem halben Jahr für dieses historische Theater landesweit geworben, es ist ein Flop. Zwei Millionen Ausländer, die sich nicht für die Schweizer Geschichte interessieren, der Rest der Bevölkerung hängt am Handy oder Computer. die abholen für ein Stück Schweizer Geschichte von vor drei Hundert Jahren ist schwer. Auf dem Nachhausweg waren sich die Zuschauer einig an diesem Abend, sie möchten die Geschichte in Mundart und nicht so trocken und traurig sehen.

Wieder Musik, wo Hermann Hesse badete

„Auf der Suche nach dem Paradies“ nennen der Indendant des argovia philharmonic Christian Weidmann und Regisseur Walter Küng das Musiktheater-Projekt in den verwaisten Räumlichkeiten des Verenahofes und des Thermalbades Baden. Eine tolle Idee mit wenig Inhalt wie die Premiere zeigte.

Kurz vor zwanzig Uhr. Etwa 70 Besucher beziehen ihre Tickets und erhalten zusätzlich einen rostigen Schlüssel. Die Kirchenuhr schlägt acht, die Zimmermädchen öffnen nach und nach die Fensterläden des Verenahofes und die Musiker des argovia philharmonic zeigen sich am Fenster mit einer kurzen Sequenz während Kindergeschrei von Fluss die Klassik stört.

Der Dornröschenschlaf von 12 Jahren seit das Kurhotel geschlossen ist, ist endgültig vorüber als Schauspielerin Verena Buss als Fräulein Brunner die Zuschauer als Gäste begrüsst und hinein bittet. Es stinkt nach abgestandener Luft und bald zeigen sich die Spuren der Zeit mit dreckigen Teppichen, herausgerissen Kabeln, herabhängenden Tapeten usw. Doch Fräulein Verena lässt sich nichts anmerken, spielt wie damals als Baden noch eine Bäderstadt von Rang und Namen war ihre Rolle, stellt das Personal vor und liest aus dem Tagebuch von Herman Hesse, dem bekannten Gast. Dies ist der rote Faden des Theaters und immer wieder werden die Gedanken Hesse zum Haus und den Kurgästen hochgehalten, obwohl sicher auch Gustav Mahler, Viktor Hugo oder gar Graf Zeppelin, um nur einige Prominente zu nennen, die hier badeten, sich über den Wellnessort Gedanken gemacht haben.

Nun haben die Zuschauer die Möglichkeit sich im mehrstöckigen Verenahof umzusehen und den Verfall zuerst zu bestaunen und zweitens mittels Phantasie weg zu denken.

Den in den Dutzenden von Zimmer spielen entweder Musiker

spielen Laienschauspieler Szenen aus vergangenen Tagen

oder liegen Gegenstände dekorativ da,

dass man alle diese Gegebenheiten für das Spinnen eines eigenen Films wie es damals war, gebrauchen könnte, als die Gäste aus der ganzen Welt nach Baden in die Kur kamen, um auch im Alter mit Gebrechen von der Hoffnung Jugend zu träumen. Doch den wenigsten Zuschauer gelingt das, sie langweilen sich, zücken das Smartphone, machen Fotos, schwatzen drauflos und die Männer diskutieren über die 14 Million, die nach der Beendigung der elf Vorstellungen des Musiktheaters unter der Leitung von Architekt Mario Botta verbaut werden sollen, damit ein neues Badezentrum entsteht.

Fräulein Verena bringt wieder Theater in den smalltalk und bittet in den grossen Saal, wo endlich das Orchester zusammen der Sopranistin Stephanie Peffer Mahlers 4.Symphonie vorführen darf.

Aber dann passiert wieder ein Fehler in diesem Musikprojekt. Der Schluss findet im leeren Swimmingpool des Thermalbades statt. Die zahlreichen Zuschauer müssen nun durch die engen Gänge im Untergeschoss und das dauert bei dieser Menge Leute so lang, dass auch noch fünf Minuten nachdem die letzte Lesung der Hesse-Texte von Fräulein Verena am Rand des Pools Leute durch die Gänge huschen und sich einen Platz auf den Stühlen im Pool suchen. Die Magie der letzten Musikszene und der jetzigen Lesung sind dahin.

Mit einem letzten Kraftakt versuchen dann die Sopranistin und die argovia philarmonic mit einem sehr poetischen Stück Klassik den Abend zu retten, für den es nicht so langen Applaus gab.

Auf der Suche nach dem Paradies wird noch bis zum 4.Juni aufgeführt.

Tipp: Tragen Sie gute Schuhe und seien Sie ausgeruht, den Sie müssen fast zwei Stunden stehen, erst gegen Schluss kann man sitzen. Es ist auch am Schluss beim Pool recht kühl, Jacke mitnehmen. Für Menschen mit Handicap ist dieses Stück wegen den engen Gängen nicht geeignet und auch für Menschen, die sich im Düsteren fürchten, den es ist spärlich beleuchtet.

Dadü! dadü! Saanenland und Greyerz mit dem Oldtimer-Postauto

Das Saanen- und Freiburgerland rund um den Jaunpass im Frühling mit dem OeV zu erkunden, ist nicht möglich, hätte da nicht das Golfhotel in Saanenmöser eine Idee gehabt.

Es ist zehn Uhr und die Besitzerin des 4-Stern Golfhotels Heidi von Siebenthal (Foto ganz rechts) und ihr Chauffeur freuen sich über das schöne Wetter wie die Bauern, die gerade ihre Kühe durch Saanenmöser auf die Weide treiben und die Abfahrt mit den Nostalgiepostauto von 1949 um wenige Minuten verzögern. Zeit, um einen Blick in den Mehrplätzer zu werfen, bei dem der Fahrer rechts sitzt, die Sitze aus Leder sind und der Koffer im Hinterteil verstaut wird. Der Chauffeur reicht die Hand zum Einsteigen, den der Tritt zum Sitz unter dem Leinentuchdach ist hoch.

Obwohl Heidi von Siebenthal noch am Vortag einen nahen Verwandten zu Grabe trug, ist sie schon wieder guter Dinge und schildert bei der Fahrt über die Simme und weiter Richtung Boltigen Geschichte und Geschichten aus dem Saanenland, zeigt die immer noch sichtbaren Spuren des Lothar-Sturms oder den Anbau der Riccolakräuter, während die Insassen des Postautos mit einem dauernden Schütteln an den Kühen und Bauernhäusern vorbeifahren, wo die Leute winken.

Kurz vor Bolitigen muss der Chauffeur noch den Pneu aufblasen und schon geht es mit dem Postauto von gestern steil bergauf. Die Strasse ist eng, doch die Schneeberge, Magerwiesen und der Wald des Saanenlandes geben eine Traumkulisse ab, während das Postauto ohne moderne Technik auf den 1502 m. M. hohen Jaunpass fährt.

Der Chauffeur macht nicht Halt auf dem Rastplatz sondern fährt auf einer schmalen Strasse, wo im Winter die Skifahrer an den Start gehen, weiter. Die Wiesen sind noch braun, doch die Weitsicht zeigt beim ersten Halt das beeindruckende Panorama der Gastlosen.

Während die Ausflügler die Kameras zücken, die Bisse um die Ohren fegt, schaut der Chauffeur vor dem Einsteigen noch kurz auf die Bremsen, den nun geht es ins Greyerzerland so steil bergab, dass diese Strasse nur in der warmen Jahreszeit geöffnet ist.

Der Kanton Freiburg gäbe Millionen von Steuergeldern aus, um die Infrastruktur der Alpendörfer zu verbessern, damit das Wegziehen der Jungen gestoppt werden könne, bemerkt Heidi von Siebenthal als wir vor Jaun bei einer Strassenbaustelle anhalten müssen.

Der Wasserfall von Jaun plätschert und die ersten Worte des eigenartigen hier gesprochenen Dialekts dieser einzigen deutschsprachigen Gemeinde im französischen Greyerz dringen ans Ohr beim Gang durchs Dorf Richtung Kirche.

Der Grabmalschnitzer Walter Cottier und sein heutiger Nachfolger haben hier eine einzigartige Ruhestätte geschaffen, indem sie Aspekte aus dem Leben des Verstorbenen in das Holz des Grabkreuzes geschnitzt haben. So erkennt der Besucher oder die nächste Generation sofort, welche Rolle der Tote in der Dorfgemeinde gespielt hatte.

Nach einem Grüntee geht es mit dem Postauto den Langlaufloipen entlang, wo nun Löwenzahn wächst, Richtung Charmey und der Moleson rückt immer näher, doch der Chauffeur biegt Richtung Greyerzersee ab und hält am Strassenrand. Schnell legt Heidi von Siebenthal auf den Campingtisch ihren eigenen Käse, Wurst, Brot, etwas Gemüse und fertig ist das Picknick.

Die Weissweinflasche sollte noch leer getrunken werden, meint Heidi von Siebenthal bevor wir aufbrechen und weiterfahren, den schon bald gibt es im Städtchen Greyerz die Freiburger Spezialität „Cafe double creme“. Doch vorher müssen das Schloss aus dem 13.Jahrhundert, der historische Kern oder die angsteinflössenden Bilder im Gigermuseum angeschaut werden, bevor das Postauto, das immer so etwas hat von ein Whirlpool in gelb und weiss, die Besucher wieder ins Hotel fährt.

Das Angebot

Zum Angebot Oldtimer Postauto gehören zwei Uebernachtungen im Zimmer nach Wahl mit Frühstück und einem 3-Gang Menu Abendessen, freier Eintritt in den Wellnessbereich des Golfhotels  Saanenmöser und Gratisparkplätze.

Nächste Postautoausflüge finden an folgenden Daten statt:

15.06.2016 / 07.09.2016 / 28.09.2016.

Nähe Infos unter diesem Link oder direkt beim Hotel

Postauto

Golfhotel Saanenmöser

Neui singendi Bärner Giele u iri Schibä uf Erfolgskurs

Zwar ist Trauffer der König der aktuellen Berner Musikszene, doch die Konkurrenz aus dem eigenen Volk und Kanton schläft nicht. Hier die neusten CDs für verregnete Pfingsten und kommende Sommerabende im Freien.

Henä – Mängisch

Der Freudenschrei tönte durchs ganze Seeland, als der 45-jährige Henä aus der Umgebung von Lyss vor einer Woche erfuhr, dass er in der offiziellen Schweizer Hitparade von Pfingsten auf Platz 8 mit seinem Debut einsteigen wird. Dabei spielte er jahrelang bei der Band „Trottoir“, doch der Erfolg war aufs Festzelt beschränkt. Als „Halunke“ Produzent Christian Häni den blonden Henä sah, war er erstaunt, wie gut er sich für das Alter gehalten hatte und dann hörte er seine Melodien, die keine Note zuviel kennen, Harmonie und Rhythmus mehrsprachig und vielschichtig von Rock über Chanson bis Reggae vereinen. „Mängisch“ ist ein grosser Wurf mit Texten von Geschichten über das Lieben und Leiden im Leben. Henä wird die Berner Mundartentdeckung des Jahres obwohl er eigentlich schon jahrelange da war.

Oli Kehrli – Zuekunftsnostalgie

Mani Matter und der Berner Troubadour Jacob Stickelberger sind Persönlichkeiten im Mundartschaffen, an denen sich jeder Chansonnier in der Bundesstadt messen muss. Zum Glück fand Stickelberger Oli Kehrli bereits vor zehn Jahren gut. Damals, als ich ihn kennen lernte, war er ein Barman, ein Hüne von Mann, YB-Fan von Kopf bis Fuss und recht scheu. Er hatte keine Mail, keine homepage, kein Handy, aber er hatte den Willen und den starken Rücken Poesie zu singen. Mittlerweile sind alle seine Konzerte seiner aktuellen Tournee, die sich aber nur im Kanton Bern abspielt, ausverkauft.

 „Zuekunftsnostalgie“ ist eine Scheibe für die sich Oli sehr viel Zeit genommen hat und die hat einen Trumpf. Der 32-jährige Franzose und YB-Stürmer Guillaume Hoarau singt im Duett „Les Passantes“. Der Rest der 19 Lieder sind feine Mundartgeschichten mit vielen typischen und untypischen Dialektworten, die wohl ausserhalb der Kantonsgrenzen für Verwirrung sorgen werden, obwohl die dritte Oli Kehrli viele zarte Melodien und Arrangements enthält. Man spürt förmlich die stundenlange Arbeit daran.

„Zuekunftsnostalgie“ ist wie ein literarisches Hörbuch mit Musik in Berndeutsch, das nicht zum im Hintergrund laufen lassen geeignet ist.

Churchhill 360 Grad

Berner Hip-Hop ist immer lustig und eine Art Fanta 4 in Berndeutsch sind Churchhill. Das Trio gibt es seit elf Jahren mit den Rappern Raisser und Fit und dem DJ Farside. Für das dritte Album „360 Grad“ liess man sich sechs Jahre Zeit und die erste Singleauskopplung „Lenz“ ein lockerer Spasssong, der den Ton des Albums angibt: Spielfreude und Leichtigkeit. Mit Dodo und Steff La Cheffe und anderen Gastsänger gesellen sich bekannte Grössen zu diesem Sprachgesang, der von einem Mix untermalt wird, der der analytischen Verstand bald nicht mehr deuten kann. SKA, Reggae, Latino, Rock, Hip-Hop wechseln in Sekundenschnelle – Hauptsache der Groove lässt keine Langeweile aufkommen. Die Füsse tanzen zu diesem Sound, der nicht massentauglich ist, aber jedes Openair zur alternativen Streetparade hinter dem Zaun macht.

Churchhill

Brainholz – These Days are gone

 Diese vier Typen aus Lyss spielen Rock ohne Wenn und Aber. Bereits 2013 wenn auch unter anderem Namen gegründet, machte sich die Band in Biel bei den X-Days einen Namen als sie den Newcomer Preis gewannen. Nun nennen sie sich Bainholz und nahmen in den Toolhouse Studios in Rothenburg, wie auch schon Silbermond, ihre zehn Rocksongs auf, die tönten als wären sie Kopien der Platten ihrer Väter. Wer Led Zeppelin mag wird Brainholz mögen, den ihr Sänger Remo Elmo Schüpbach hat diese für Hardrockband typische hohe Stimme, die Gitarren von Pat Tschäppät und der Bass von Basil Jensen knallen und im Hintergrund schlägt sich Steven Aebischer die Finger wund. „These days are gone“ hat überhaupt keinen Hänger, stets treibt der harte Sound voran bis endlich zum Schluss die Feuerzeugballade „Keep on walking“ Zeit lässt, den Schweiss von der Stirn abzuwischen.

Bainholz 

 

Wie der grüne Daumen die Welt vom Orient bis Okzident veränderte im Museum Rietberg

Von den Kakteen am See über die Bäume und Blumen im Rieterpark bis zur unterirdischen Geschichts- und Bilderausstellung, das Museum Rietberg Zürich präsentiert im Jahr des Gartens die grossangelegte Sonderausstellung „Gärten der Welt“ für die der Besucher einen Tag einplanen sollte.

Mit dem Trend „Urban Gardening“ die Städte zu begrünen, hat der Garten in den letzten Jahren als Ort des Verweilens, Beobachtens und der Begegnung wieder an Bedeutung gewonnen, nachdem die Schrebergärten dem Wohnunsgbau weichen mussten. Oder wie Co-Kurator Dr. Hans von Trotha in der Führung wizelte „Wenn die Welt der Politik brennt, haben die Gartencenter Hochkonjuktur“. Als Historiker hat er zusammen mit dem Direktor des Museums Albert Lutz in den letzten zwei Jahren die noch bis zum 9. Oktober dauernde Ausstellung im Museum Rietberg entwickelt und die erzählt in den Museumsräumen 30 Geschichten über Gärten.
 Diese würde es nicht geben, hätten sich der Westen und der Osten nicht ausgetauscht, schliesslich beginnt alles in Aegypten, dann kommen die Perser. Diese gehen nicht wie wir in den Garten um zu schauen sondern um zu philosophieren oder die Hitze des Sommers auszuhalten.
In unserer Kultur ist der Kreuzgang in den Klöstern des Mittelalters der Beginn der Gärten und schon damals und sicher vor allem später mit den Parks war dieses Grün vor dem Haus, der Wunsch eine bessere Welt zu kreieren, um  sich zu verlieren oder den Zyklus der Wiedergeburt zu studieren. Besonders in der Renaissance mit der Villa entstand ein Haus, das keine Landwirtschaft hatte aber einen Garten, wo im Barock, man erinnere sich an Versailles, mathematisch genau Wege und Beete angelegt wurde und Pflanzen gezüchtet wurden.
Die Chinesen nahmen das alles lockerer und wollten vor allem entspannen zwischen ihren Bonsais und bei den Engländern gaben die Künstler und Literaten den Ton an, wenn es hiess kilometerlange Parks, die Geschichten erzählen, anzulegen.
In der Schweiz war besonders der Berner Maler Paul Klee vernarrt in den Garten und bildete stark reduziert Pflanzen und Naturformen ab.
 Die Museumsaustellung zeigt Bilder, Ornamente, Installationen, Spezialanfertigungen, 3D Animationen usw.  Viel Informationen, danach braucht es Entspannung.

Der Rieterpark

Bereits vor der Tür des Museums wachsen auf einem Holzgerüst Kräuter aus aller Welt und das sinnliche Erleben über die Nase, die Hände und Augen bietet der Rieterpark. Hier kann man sich unter die Riesenbäume setzen, der Blumentorte zu schauen oder eine der zahlreichen Veranstaltungen besuchen.

 

Am Ende des Parks führt der Weg über die Strasse zu den Skukkuletengärten. In Zusammenarbeit mit der Stadt Zürich haben die Gärtner eine Ausstellung über die Beschäftigung mit Kakteen und Sukkulenten vom 16. Jahrhundert bis heute geschaffen.
Wen jetzt die Füsse schmerzen oder der Durst plagt, dem sei das Museumscafe empfohlen, den der Quinoa Salat mit Kichererbsen und Canberries schmeckt und schliesslich hat für uns Schweizer noch mehr als andere Kulturen, der Garten einen Nutzen zu sein, das Essen liefern.
Veranstaltungen:
 Zum Museum Rietberg fährt Tram 7  Richtung Wollishofen
Käutermarkt 16.5. 10-17 Uhr
Gartenfest 25/26.6. ab 11 Uhr
Afternoon Tea und Führung 17.7 und 21.8. 14-17 Uhr
Tipp: Einen Tag einplanen, frühzeitig anreisen, da im Museum die Räumlichkeiten der Ausstellung recht eng sind und gute Schuhe für den Park, Sommerhut oder Regenschirm und viel Muse mitnehmen

Die Verführung vom Gebäck und Landschaft in Trubschachen

Seit drei Generationen prägt die Firma Kambly das Emmental. Am 21./22. Mai feiert sie 110 Jahre Bretzeli. Doch bevor der Biscuit-Klassiker und all seine zahlreichen Facetten beim ersten Bretzeli Fest der Schweiz hochgehalten werden, geht es mit dem Velo durch die Hügellandschaft bevor das Naschen wartet.

Der Kambly Erlebnisradweg ist einer für das E-Bike oder nur für gute herkömmliche Velofahrer, das sei gleich vorweg über die 30 km gesagt, die am Bahnhof Langnau beginnen. Einer Gemeinde, die ein ausgesprochen harmonisches Dorfbild zwischen Industrie, alten Gebäuden und Neubauten aufweist und am Schluss der Tour noch besser begutachtet werden kann.

Bald zweigt der Wegweiser 777, der nicht speziell mit Kambly angeschrieben sondern mit Erlebnisweg ist, weg von der Hauptstrasse zu den Emmentaler Hügeln. Schon erhöhe ich die Akkuunterstützung, den es steigt und steigt und steigt die nächsten 40 Minuten sehr.
Wenige Höfe, manchmal kurze Waldstrecken und viel Grün säumen den Weg nach Lingummen und zwei Mal muss ich absteigen, da mir die Steigung auf den Hüpfenboden den Atem nimmt.
 Die Kälber schauen mir zu
und freuen sich über Besuch wie Bernhard Meier und seine Kinder auf seinem abgelegenen Hof.

Er wurde Dritter bei der Bergkäse Olympiade und wir schwatzen kurz. Er beruhigt mich mit dem Spruch: „Alles was sie schon hochgefahren sind, geht es bald bergab“ und ich werde in einer halben Stunde wieder an ihn denken, doch vorerst geht es noch bergauf, wenn auch weniger als bisher bis zum Hinteren Blapbach. Die Milchwirtschaft für frische Butter hat ein Restaurant und eine atemberaubende Aussicht auf Schneebergen und Grün.

Für den Kambly Veloweg gibt es eine App zu den 14 Aussichtspunkten. Doch mir genügen die Infotafeln wie zum Beispiel beim Chrümpelgraben, wo man den Glögglifrosch hören kann. Die App braucht mir zuviel Handyakku und die Videos zu den Aussichtspunkten sind bei Sonnenschein wegen der Displayspiegelung und dem Autogegenverkehr schwer zu betrachten.
Jetzt quietschen die Bremsen, den bis nach Trubschachern geht es kurvenreich aber steil bergab und ich habe gar keine Zeit den Illfis, den Wasserweg zu betrachten, doch beim Heimatmuseum mache ich halt und denke bei einem sehr alten Bauernhaus in Trubschachern, dass so wohl „Ueli der Knecht“ gewohnt haben muss.
Aber nach rund 90 Minuten zügiger Velofahrt leuchtet nach dem Bahnhof der Schriftzug Kambly auf
und der Laden hinter der Produktionsstätte steht für Naschen. Im Gegensatz zu Wander oder anderen Schweizer Gebäck- oder Nahrungsmittelhersteller haben es die Oscar Kamblys mit Werbung in verschiedenster Form geschafft, sich bei den Leuten aller Generation beliebt zu machen.
Sobald die Düfte im Verkaufsladen die Nase erreicht haben und die Hände in den Probierteller greifen, sind die Informationen, wonach 7800 Eier aus Affoltern, Mehl aus der Trubschacher Dorfmühle und Milch von den Kühen auf 1100 m. M. zur täglichen Herstellung gebraucht werden, vergessen, jetzt zählt nur noch der Gaumen und der nascht und nascht und nascht.
Zwischendurch kann man auch den Confiseurs zuschauen beim Backen oder einen Film über die Geschichte der Firma anschauen.
Im Cafe gibt es  noch einen herrlichen Schmetterlingsdrink Orangenschaft, Honig und Melisse und natürlich dazu ein Biscuit. Hier herrscht von A bis Z Verführung pur und mit vollem Magen, einem Schokoladenmund und guter Laune geht es wieder ins raue Leben auf der Hauptstrasse nach Langnau mit dem Rad zurück, wo noch das Regionalmuseum im oberen Teil des Dorfes einen guten Einblick in die Geschichte des Emmentals gibt. Mit einem .schweren Sack voll Leckereien geht es danach wieder mit der  BLS  heim und eine Junge bemerkt: „Bei ihnen schmerkt es so gut im  Gegensatz zum Rest des Abteils.“. Die Toilette war defekt. Wir lassen uns die Laune nicht verderben und geniessen die Kokosmakarönli mit Schokolade, die Ficelles Fromage Legumes, die Delice de Coco usw..
Kambly war und ist Trost gegen die Widrigkeiten des Lebens.

Ist die neue Herzroute Herzschlaufe Seetal anstrengend?

Neben der bekannten Herzroute von Lausanne nach Romanshorn gibt es seit Anfang Mai den neuen Abschnitt die Herzschlaufe Seetal. Eine Zweitagestour zwischen dem Kanton Luzern und Aargau. Doch sind die 120 km auch für jedermann oder haben sie Tücken? Hier der erste Erfahrungsbericht.

Auch an Auffahrt hat die Bäckerei Cafe Brioche an der Unterdorfstrasse 29 in Eschenbach offen und der Chef begrüsst mich persönlich, als ich nach Fragen und Suchen endlich ankomme. Denn irgendwie sind in diesem luzernischen Kleinort die Strassentafel verloren gegangen.
Ich bin einer der ersten E-Bikefahrer der Herzschlaufe und so will der Chef gleich die Mitarbeiterin beim Ausfüllen der Formulare und bezahlen dabei haben, damit sie es lernt wie es geht.
 Er wünscht mir noch einen schönen Tag auch bei Bisse und dann kann die Mitarbeiterin die Frage in welche Richtung den die Tour startet nicht beantwortet, den vor dem Cafe sind keine Schilder mit der neuen Nummer 599 nicht 99 wie gewohnt, angebracht. Ich radle ins Zentrum und da sehe ich die Schilder.
Es gibt eine 51 km lange Ostast und ich wähle die 66 km lange Westast über Beromünster nach Lenzburg.
Ich würde Ihnen empfehlen, diese Variante nur an Tagen zu wählen, an denen sie sich fit und stark fühlen, den sie enthält Schwierigkeiten.
Fast im 15 Minuten Takt über die nächsten 100 Minuten wechselt auf der Fahrt der Blick entweder zwischen den Innerschweizer Alpen, Wiesen mit Küchen, Pferden, blühenden Kirschbäumen oder Wald ab.
Die Steigungen sind moderat, aber man muss konzentriert fahren, den die Strecke ist sehr verwinkelt und biegt oft rechts oder links im letzten Moment ab. Die Landschaft hat etwas liebliches und ist sehr ländlich ohne grosse Verbauungen, ein Traum oder die vergessene Welt der Kleinbauern, die gerade ihr erstes Gras mähen und auch an Festtagen arbeiten.
Zwar braucht die starke Bisse zusätzlich Strom doch ich fahre meist mit Standartunterstützung, den irgendwie habe ich das Gefühl, dass sonst der Akku nicht bis nach Lenzburg hält. Und diese Annahme bestätigt sich bald.
Mit einem Schmunzeln an vergangene Tage entdecke ich den Beromünsterturm und denke an Grossmutter, wie sie immer sagte, hier werde Geschichte durch die Luft in die ganze Schweiz per Radio gesendet. Ich lache und habe schon bald nichts mehr zu lachen sondern fluchen.
Die roten Schilder zeigen am Ende des Kanton Luzern zum ersten Mal steil nach oben und ich muss absteigen und das Rad schieben. Irgendwann kommt dann auf einer Anhöhe und nach viel Wald der Hallwylersee. Wir sind im Kanton Aarau.
Es dauert nun noch fast 100 Minuten bis ich in Lenzburg bin und wieder wechseln sich Wald und Bergabfahrten ab, aber halt auch noch dreimal bergauf und wie. Nicht nur ich sondern auch viele andere Fahrer müssen bei diesen Steigungen absteigen und schieben, denn selbst mit der höchsten Unterstützung ist es ein extremer Kraftakt und die Angst vor einem leeren Akku auf einem schweren Flyer lässt mich haushälterisch mit der Unterstützung umgehen. Die Beine schmerzen und ich habe eine Krise so steil ist es und der Weg durch die Wälder schütteln mich durch. Wie gerne hätte ich wieder die Kühe und Felder vor mir stattdessen kommt die Zivilisation Richtung Lenzburg immer näher und die Poesie der Landschaft fehlt.
Plötzlich mit dem kleinsten Rest an Akku geht es dann schnell zwischen all den Häusern und Vororten Lenzburgs bis zum Bahnhof und noch etwas weiter bis zur Bahnhofstrasse 13. Das
erste Endziel bei der Bäckerei mit Restaurant Local ist erreicht.
Hier drin hat es allerlei frisch zubereitete Speisen in einem stylischen Raum und die Frauen an der Kasse und hinter dem Herd freuen sich mit mir, dass der erste Teil der Herzschlaufe überstanden ist. Ich esse eine Gemüsesuppe und mache die Notiz, dass diese Etappe für Kinder zu schwer ist sowie ältere Herrschaften mit körperlichen Beschwerden.
Und nochmals gehen sie mit er Unterstützung in Massen um, den es hat auf diesen 66 km keine Wechselstation.
Ansonsten ist die Westast besonders im luzernischen Teil ein Landschaftstraum, der das Herz öffnet und tief durchatmen lässt.
Bald folgt der Teil 2 der Herzschlaufe.