Wieder Musik, wo Hermann Hesse badete

„Auf der Suche nach dem Paradies“ nennen der Indendant des argovia philharmonic Christian Weidmann und Regisseur Walter Küng das Musiktheater-Projekt in den verwaisten Räumlichkeiten des Verenahofes und des Thermalbades Baden. Eine tolle Idee mit wenig Inhalt wie die Premiere zeigte.

Kurz vor zwanzig Uhr. Etwa 70 Besucher beziehen ihre Tickets und erhalten zusätzlich einen rostigen Schlüssel. Die Kirchenuhr schlägt acht, die Zimmermädchen öffnen nach und nach die Fensterläden des Verenahofes und die Musiker des argovia philharmonic zeigen sich am Fenster mit einer kurzen Sequenz während Kindergeschrei von Fluss die Klassik stört.

Der Dornröschenschlaf von 12 Jahren seit das Kurhotel geschlossen ist, ist endgültig vorüber als Schauspielerin Verena Buss als Fräulein Brunner die Zuschauer als Gäste begrüsst und hinein bittet. Es stinkt nach abgestandener Luft und bald zeigen sich die Spuren der Zeit mit dreckigen Teppichen, herausgerissen Kabeln, herabhängenden Tapeten usw. Doch Fräulein Verena lässt sich nichts anmerken, spielt wie damals als Baden noch eine Bäderstadt von Rang und Namen war ihre Rolle, stellt das Personal vor und liest aus dem Tagebuch von Herman Hesse, dem bekannten Gast. Dies ist der rote Faden des Theaters und immer wieder werden die Gedanken Hesse zum Haus und den Kurgästen hochgehalten, obwohl sicher auch Gustav Mahler, Viktor Hugo oder gar Graf Zeppelin, um nur einige Prominente zu nennen, die hier badeten, sich über den Wellnessort Gedanken gemacht haben.

Nun haben die Zuschauer die Möglichkeit sich im mehrstöckigen Verenahof umzusehen und den Verfall zuerst zu bestaunen und zweitens mittels Phantasie weg zu denken.

Den in den Dutzenden von Zimmer spielen entweder Musiker

spielen Laienschauspieler Szenen aus vergangenen Tagen

oder liegen Gegenstände dekorativ da,

dass man alle diese Gegebenheiten für das Spinnen eines eigenen Films wie es damals war, gebrauchen könnte, als die Gäste aus der ganzen Welt nach Baden in die Kur kamen, um auch im Alter mit Gebrechen von der Hoffnung Jugend zu träumen. Doch den wenigsten Zuschauer gelingt das, sie langweilen sich, zücken das Smartphone, machen Fotos, schwatzen drauflos und die Männer diskutieren über die 14 Million, die nach der Beendigung der elf Vorstellungen des Musiktheaters unter der Leitung von Architekt Mario Botta verbaut werden sollen, damit ein neues Badezentrum entsteht.

Fräulein Verena bringt wieder Theater in den smalltalk und bittet in den grossen Saal, wo endlich das Orchester zusammen der Sopranistin Stephanie Peffer Mahlers 4.Symphonie vorführen darf.

Aber dann passiert wieder ein Fehler in diesem Musikprojekt. Der Schluss findet im leeren Swimmingpool des Thermalbades statt. Die zahlreichen Zuschauer müssen nun durch die engen Gänge im Untergeschoss und das dauert bei dieser Menge Leute so lang, dass auch noch fünf Minuten nachdem die letzte Lesung der Hesse-Texte von Fräulein Verena am Rand des Pools Leute durch die Gänge huschen und sich einen Platz auf den Stühlen im Pool suchen. Die Magie der letzten Musikszene und der jetzigen Lesung sind dahin.

Mit einem letzten Kraftakt versuchen dann die Sopranistin und die argovia philarmonic mit einem sehr poetischen Stück Klassik den Abend zu retten, für den es nicht so langen Applaus gab.

Auf der Suche nach dem Paradies wird noch bis zum 4.Juni aufgeführt.

Tipp: Tragen Sie gute Schuhe und seien Sie ausgeruht, den Sie müssen fast zwei Stunden stehen, erst gegen Schluss kann man sitzen. Es ist auch am Schluss beim Pool recht kühl, Jacke mitnehmen. Für Menschen mit Handicap ist dieses Stück wegen den engen Gängen nicht geeignet und auch für Menschen, die sich im Düsteren fürchten, den es ist spärlich beleuchtet.

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