Warum bleiben die Zuschauer weg bei der Helvetischen Revolution?

Noch bis zum 2. Juli findet oberhalb Murten das historische Freilichttheater um die Geburt der modernen Schweiz „Helvetische Revolution“ statt. Was sich bereits im Vorfeld beim Ticketvorverkauf zeigte, zieht sich nun durch die Spielzeit, die Zuschauer kommen spärlich. Zurecht?

Als vor zwei Jahren 36 000 Zuschauer die Schlacht um Murten „1476“ ansahen, hatte es damit zu tun, dass die Bevölkerung rund um den Murtensee mit den historischen Gegebenheiten vertraut war, findet doch jedes Jahr am 21. Juni ein Gedenkfest statt und somit hat das Ganze in der Bevölkerung einen hohen Stellenwert. Mit der Zeit zwischen 1789 und 1799 der Geburtsstunde der modernen Schweiz kann der Schweizer Durchschnittsbürger salopp gesagt, eigentlich sowenig anfangen wie mit der eigenen Geburt, man weiss nur von Dritten etwas darüber.
Dies möchte Regisseur Mirco Vogelsang  (Bild) und Autor Daniel Howald mit dem Freilichttheater Helvetische Revolution ändern. Das Publikum auf der halbleeren offenen Tribüne ohne Vordach schwitzt am ersten Hochsommertag zehn Tage nach der Premiere bevor auf der zehn Meter grossen Bühne Schauspielerin Annina Butterworth

als Daphné auf Hochdeutsch als eine aus Paris Zurückgekehrte, dem gemeinen Volk die Ideale der Französischen Revolution „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ schmackhaft machen will. Die Alte Eidgenossenschaft gerät fortan ins Wanken und bis zur Pause wird geredet und philosophiert. Die Dialoglastigkeit lässt keine Gefühle zu. Es ist zwar eine Geschichtsstunde mit Schauspielern, aber es fehlt das Fleisch am Knochen. Keine Figur ausser vielleicht noch Pestalozzi bleibt wirklich hängen.

Schlimm ist über das ganze Stück, dass die Dialoge auf französisch übersetzt werden auf keinen Leinwänden innerhalb des Bühnenbildes. Sollte ein Welscher die nun lesen wollen, sieht er vom Gesehen nichts, den das Auge kann das grosse Bühnenbild und  die Uebersetzung nicht vereinen.
Aufgefallen ist dem Publikum die Filme, die zum Freilichtspiel als Ergänzung der Handlung gezeigt werden und dem Geschichtsschinken einen modernen Anstrich geben.

Zweiter Teil

Die französischen Truppen sind in die Schweiz, im Grauholz unter Napoleon Bonapparte einmaschiert und fördern die Ausrufung der Helvetischen Republik, einen zentralistischen Einheitsstaat nach dem Vorbild Frankreichs. Doch in Stans geschieht ein Massaker. Zuerst töten die Nidwalder die Franzosen, dann schlagen diese mit aller Härte zurück und hinterlassen ein Heer von Waisenkindern und geschwängerten Mädchen.

Dies ist die Stunde von Pestalozzi gespielt von Christoph Gaugler, der sich der Opfer annimmt und gleichzeitig die erste Volksschule gründet.

Endlich hat das Theater Gefühle, endlich einen Handlungstrang, der ans Herz geht und sofort beim Publikum Reaktionen hervorruft, sicher auch wegen der zahlreichen Kinderstatisten und starken Kleinrollen von Laienschauspielern.
„Die Gedanken sind frei“, die Helvetische Republik hat viele Ideal gehabt, den Hunger, das Elend der kleinen Leute, die Habgier der Mächtigen hat sie nicht beseitigt und so ist die Republik nach fünf Jahren am Ende und auf der Bühne gibt es eine Actionszene mit Mord und Todschlag.
1848 wurde dann die erste Bundesverfassung verfasst für den Bundesstaat wie wir ihn heute kennen. Daa Stüök entlässt Daphné und Pestalozzi in die Nacht und von Weitem scheinen die Lichter von Murten, während Pestalozzi sagt: „Man muss den Menschen Menschlichkeit lernen nicht Ideale“
Mit vielen Sponsorengeldern namhafter Firmen wurde schon seit einem halben Jahr für dieses historische Theater landesweit geworben, es ist ein Flop. Zwei Millionen Ausländer, die sich nicht für die Schweizer Geschichte interessieren, der Rest der Bevölkerung hängt am Handy oder Computer. die abholen für ein Stück Schweizer Geschichte von vor drei Hundert Jahren ist schwer. Auf dem Nachhausweg waren sich die Zuschauer einig an diesem Abend, sie möchten die Geschichte in Mundart und nicht so trocken und traurig sehen.

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