Die Frau und die Kunst von heute in Mexiko im Kunstmuseum Bern

Sieben Künstlerinnen aus der grössten Sammlung Europas latinamerkanischer Kunst stellen unter dem Titel „Without Restraint“ im Kunstmuseum Bern aus.

Die Nachrichten über den Drogenbandenkrieg in einem Teil von Mexiko haben den Blick auf das latinamerikanische Land in den letzten Jahren geprägt und viele gesellschaftliche und soziale Veränderungen, die sonst noch abliefen in den Hintergrund gedrängt.

Die kleine Ausstellung im Kunstmuseum Bern im Untergeschoss gibt der Stimme der Frauen Raum, obwohl diese in der ersten Hälfte des 20. Jahrhundert keinen Zugang zu den staatlichen Kunsteinrichtungen hatten. Frida Kahlo als Superstar hin oder her, in Mexiko hatten Männer auch in der Kunst das Sagen. Erst in den 70er, 80er Jahren wurde weibliche Kunst ein Thema und ihre Themen waren nicht viel anders als die von heute, geschlechtsspezifisch, Gewalt, Stereotypen. Gerade letzteres Thema soll mit der Ausstellung „Without Restraint“ entkräftet werden. Die Ausstellung ist in drei Räume und Produktionen unterteilt: Im ersten „der häusliche Raum“ stellt Maruch Sanitiz Gomez schwarzweiss Fotografien mit kritischem Blick auf Moralvorstellung Mexikos aus. In Videos mit teils lustigen und teils verstörendem Inhalt fängt sie die Frau in einem Raum zwischen der Routine im Kopf und unbewussten Archetypen ein.

 

Der zweite Raum „mit weibliche Körper als Raum“ angeschrieben, ist Teresa Serrano reserviert mit Klangkulissen, Videos mit brutalem Inhalt, wo ein Mann mit einem Stock auf eine Frauenpuppe, die hängt, einschlägt. Kirchenoberhäupterbedeckungen wie einen Kardinalshut aus Glas sind ebenfalls mehr als nur durchsichtige Dekoration.

Sicher ist dieser Raum der schwierigste Abschnitt der ganzen Ausstellung zum neuen und alten Verhältnisse zwischen Frau und Mann.

Das Auto als Symbol der Macht, des Status und weniger der Geschwindigkeit hat im dritten, „urbanen Raum“ Platz gefunden und wird von  Betsabeé Romero mit Fotos von kaputten Autos mit Farbmuster, Bananenblätterverkleidungen lächerlich gemacht und das aus Alt macht Neu wirkt sehr verspielt wie auch die Pneus mit Schnitzereien am Boden. Nie sah Wiederverwertung schöner aus, im Gegensatz zu Melanie Smiths Fotos vom sehr engen Wohnen in spiralförmigen Megacities.

Die Ausstellung fällt mit dem 70. Jahrestag der diplomatischen Beziehungen zwischen Mexiko und der Schweiz zusammen und ist neben all den anderen Ausstellungen des Kunstmuseums Bern keine Wohlfühloase oder kurzweilige Belustigung sondern eine Ausstellung als Protest gegen das mexikanische Patriachat, das alle Aspekte des Frauendaseins beeinträchtigt.

BILD 1 Betsabeé Romero (*1963) Piel de casa (Haushaut / House Skin), 2001 Farbabzug auf Kodak Professional Digital Paper auf Aluminium kaschiert Color print on Kodak Professional Digital Paper mounted on aluminium, 69,5 x 103,9 cm Daros Latinamerica Collection, Zürich Photo: The artist © The artist

BILD 2 Betsabeé Romero (*1963) Autoconstruido (Auto-Konstruiert / Auto-Constructed), 2000 Farbabzug auf Kodak Professional Digital Paper auf Aluminium kaschiert Color print on Kodak Professional Digital Paper mounted on aluminium, 68,1 x 101,4 cm Daros Latinamerica Collection, Zürich Photo: The artist © The artist

BILD 3 Teresa Serrano (*1936) Blown Mold (Geblasene Form), 2012 Glas, Glass, 80 x 150 x 50 cm Daros Latinamerica Collection, Zürich Photo: Peter Schälchli, Zürich © The artist

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