Susanna Grogg – Heimatlos in der Heimat – Historisches Frauenschicksal aus Albligen

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Die Gemeinde Albligen im Schwarzenburgerland nehmen die meisten im Sommer wahr, wenn sie von Ueberstorf an die Sense baden gehen. In Susanna Groggs  Roman „Heimatlos in der Heimat“ – eine Lebens – und Dorfgeschichte erfährt das Leben der Magdalena Hirschi zwischen 1784 – 1846 auf der Suche nach Geborgenheit und Wärme manchen Taucher in den politischen Wirren der damaligen Zeit, während der Kirchenbau von der Obrigkeit minutiös geplant wird.

 

Grogg-Roggli, Susanne

Susanna Grogg (Bild): Als ich ihren Roman zu lesen begann , dachte ich: Würde es das Sozialamt nicht geben, wären die Missstände heute noch ähnlich, den Magdalena Hirschis Geschichte ist auch eine Sozialstudie. Wie kamen Sie auf den Stoff?

Ich habe mich stets für Geschichte interessiert, schon ganz früh für die Geschichte des Schwarzenburgerlandes, meiner Heimat! Nach Abschluss der Lehramtsschule, (Sek.lehrer-Patent), studierte ich bei Prof. Hans von Greyerz weiter und konzentrierte mich stark auf die Thematik, ob und wie der definitive Anschluss der „Gemeinen Herrschaft Schwarzenburg“ an Bern die ökonomischen und sozialen Verhältnisse   verändert habe; Mutterschaft und familiäre Pflichten unterbrachen die akademischen Studien.  Das Heranwachsen der Kinder und das Leben im Pfarrhaus Albligen mit dem Gemeinde-und Pfarrarchiv im Haus ermöglichten mir aber die Wiederaufnahme lokalgeschichtlicher Arbeit. So entstanden für die Gemeinde kurze historische Arbeiten und einige historische Theaterstücke. Als politisch interessierte Frau, lange Zeit ohne Stimmrecht in der sog. „ältesten Demokratie“ , richtete sich mein Interesse natürlicherweise auch auf Frauen und deren spezifische Lebensumstände, sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart!  Die Einträge zur Magdalena im Chorgerichtsmanual konnten mir nicht entgehen!

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Der fiktive Roman ist unterlegt mit der kursiven Recherche Ihrerseits rund um den Kirchenbau in Albligen und eben die Lebensgeschichte der zu Beginn des Buches 15-jährigen Magdalena. Wählten Sie eine Frau aus, weil die zuerst mehr leiden und dann später mehr Biss entwicklen im Leben?

Diese Frage ist bereits beantwortet. Die historisch belegten Unterlagen in den Chorgerichts Manualen und Rodeln beziehen sich nicht nur auf die erste Lebenshälfte, sondern  sie illustrieren punktuell die ganze Lebenszeit der Magdalena.

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Gerade hat uns das Theater “Die Helvetische Revolution “in Murten einiges über die Wirren nach dem Ancien Regime gelernt, doch ihr Buch sagt, in Albligen kam die Trennung von Kirche und Staat nie an, warum?

In Bezug auf das Verhältnis Kirche-Staat, das Ringen zwischen Bewahren und Verändern, zwischen Konservativen und Liberalen, ist k e i n  Albliger-Problem; es ist Teil der bernischen (und schweizerischen)  Politik. Ein erster entscheidender Schritt zur Trennung von Kirche und Staat erfolgte erst mit den neuen Verfassungen auf Bundes- und Kantonsebene, 1874.So entstand in Bern dank staatlicher und kirchlicher Kompromissbereitschaft das    Kirchengesetz von 1874, das Glaubens-und Gewissensfreiheit garantierte und die Grundlage für die Verhältnisse der Landeskirche bis in die neueste Zeit gebildet hat.

Gasthof

Magdalena war 62 Jahre als sie als Mutter von sechs Kinder ohne Vater starb. Sie sind nun 83 Jahre hatte als Lehrerin auch ihre Kinder und sahen ihre Familienschicksale hinein und trotzdem denke ich, gibt es noch eines, dass Sie noch persönlicher zum Buch inspiriert hat, das ihrer Mutter oder?

Inspiriert zum Buch hat mich in erster Linie mein wohl angeborenes Interesse an geschichtlichen  Gegebenheiten und den damit verbundenen sozialen und gesellschaftlichen Fragen. Die uneheliche Geburt meiner Mutter, die ja sehr privilegiert aufwachsen konnte, war dabei von nicht sehr bedeutendem Gewicht- gewichtiger ist für mich die Frage: Wer und wo sind die Magdalenas und Hansen h e u t e? – Ich denke dabei an die Asylsuchenden und die Verhältnisse der  Menschen in den Herkunftsländern der Flüchtlinge; denn ich habe das Privileg, einige Menschen und Länder persönlich zu kennen.

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Ein Buch in Ihrem Alter zu schreiben ist eine Herausforderung. Wie gingen Sie bei der Einteilung der Zeit, der Analyse, der Gefühlsebene und Energie über die Schreibdauer um und was haben Sie aus der Geschichte gelernt?

Das Buch ist wie ein Zusammensetzspiel oder Mosaik über viele Jahre hindurch entstanden. Das Suchen nach den einzelnen „Steinchen“ in den Archiven machte mir stets Spass und Freude, ich erlebte es als Quelle von Anregung und Energie.  Die Arbeit an der Magdalena Geschichte  wurde auch immer wieder unterbrochen durch meine vielfältigen andern Tätigkeiten und Interessen.  Dass Familien-und Freundeskreis stets Anteil an meiner Arbeit nahmen und dass der Blaukreuz-Verlag das Buch druckte, erfüllt mich mit Freude und Dankbarkeit.

 Susanna Grogg Heimatlos in der Heimat ist im Blaukreuz Verlag Bern erschienen



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