Der Tote vom Oeschinensee und die Wolfshexe – Krimiautor Paul Lascaux und Paul Ott

Neben den grossen Stars des Literaturbetriebes gibt es in der Schweiz Schriftsteller wie Paul Lascaux aus Bern, die seit dressig Jahren im Stillen schreiben. Zeit seinen neuen Krimi „Goldstern“, seine Fotografien und seine Person ganz privat unter seinem echten Namen Paul Ott vorzustellen.

Anfang Juli feierte nicht nur Dein Verlag Gmeiner seinen 30. Geburtstag sondern Du erhieltest am Vorabend Deines letzten Schultages als Lehrer Deinen neunten Krimi zugeschickt. Wie hast Du den Einstieg ins AHV Alter erlebt, nachdem die Schule wieder angefangen hat?

Paul Lascaux: Ich schreibe ja nicht nur seit 30 Jahren Krimis, ich habe auch 30 Jahre, also fast mein halbes Leben, am Berufsvorbereitenden Schuljahr verbracht. Meistens hat es mir auch sehr gut gefallen, vor allem was die Arbeit mit den Schüler/innen angeht. Deswegen hätte ich mich nicht frühpensionieren lassen müssen. Deshalb vermisse ich die Arbeit mit den Jugendlichen auch ein bisschen. Allerdings wurde das ganze BVS auf neue Füsse gestellt, und diesen Wandel wollte ich nicht zum x-ten Mal mitmachen. Das war dann schon eine Erleichterung, statt an die Fortbildungstage zu gehen, am Morgen im Bett liegen zu bleiben und über mein nächstes Romanprojekt nachzudenken.

Nun bist als Paul Lascaux, der Krimiautor mit “Goldstern” wieder im Gespräch. Diesmal geschehen die Mord im Oberland beim Oeschinensee und die Detektei Müller & Himmel ermittelt. Was hat Dich bewogen aus der Stadt rauszugehen für die Geschichte?
Paul Lascaux: Ich wollte schon seit Längerem einen Text schreiben zur österreichischen Volkskundlerin Eugénie Goldstern, die 1918 einen Teil ihrer Sammlung dem Alpinen Museum vermacht hat. Das ist nun auch eines der Themen des Buches, denn diese Sammlung wird gestohlen. „Goldstern“ ist also eine Hommage an diese Wissenschaftlerin.Dann gibt es eine Eisleiche auf dem Oeschinensee. Und es wird im Lötschental ein Hotelprojekt geplant, das das Tal in Aufruhr versetzt. Wie diese drei Geschichten zusammenkommen, erzählt der Krimi. Ich habe auch in meinen kulinarischen Krimis immer wieder Regionen des Kantons Bern als Handlungsorte gewählt. Aber keine Angst: Der nächste Krimi spielt wieder in der Bundesstadt.

 

Jedes Jahr ein Buch und Deine Katze Mathilde spielt dieses Mal auch mit. Was ist effektiver für die Inspiration? Dein Hobby das Wandern oder der Gang durch das Breitenrainquartier, wo Du lebst?
Paul Lascaux: Weder noch. Es sind beides Miuttel zum Zweck, wenn ich an einem Text arbeite und über ein Thema nachdenke. Dann wähle ich meine Routen so, dass sie etwas mit der entstehenden Geschichte zu tun haben. Gestern zum Beispiel war ich im Rosengarten.
Schreiben an Goldstern ist wie sich selber eine Geschichte erzählen. Krimis verlangen viel Kopfarbeit. Wie hast Du angefangen literarisch zu schreiben und fällt es Dir heute leichter, die zwei Welten vom Schreiberling und privaten Mann auseinander zu halten? 

Paul Lascaux: Das sind einfach zwei verschiedene Phasen. Während der Arbeit an einem Text bin ich Paul Lascaux. Dann fokussiere ich das Leben auf den Inhalt des Romans. Manchmal kommt anderes zu kurz. Wenn ich damit fertig bin, wird alles wieder auf null gestellt. Und es kann von Neuem beginnen.

30 Jahre bist nun Literat, kamst ursprünglich vom Bodensee und wirst, nachdem Dein Vater letztes Jahr gestorben ist, Deinen Lebensabend in Bern in Deinem Haus mit Garten verbringen. In Deinen kunstvollen Krimis wird gestorben, machst Du Dir Gedanken über den Tod und das Leben danach?
Paul Lascaux: Nein, eigentlich nicht. Dafür bin ich noch zu „jung“. Gedanken gemacht habe ich mir eher beim Tod meines geliebten Katers „Baron Biber“. Da habe ich neben dem Tier gesessen und mir gedacht: So würde es uns gehen, wenn wir nicht sediert werden, ein Tod unter Krämpfen und mit angsterfüllten Augen. Das hat mich schwer beeindruckt. Über ein Leben nach dem Tod denke ich als Atheist natürlich nicht nach.
Zwar liegt Goldstern in allen Kiosken der Bundesstadt auf, doch an die 30 Million verkaufter Exemplare von Dan Brown kommst trotz dieses Erfolges nicht ran. Sind für Dich die Verkaufszahlen, Publikumsreaktionen wichtig oder bist Du glücklicher, wenn Du wieder alleine am Pult schreiben kannst?
Paul Lascaux: Natürlich freut man sich, wenn die Bücher gut verkauft werden. Und wenn die Reaktionen der Leser/innen positiv ausfallen, hat man wesentlich mehr Energie für die Arbeit am nächsten Projekt. Aber ich bin in der beneidenswerten Lage, dass ich nicht schreiben muss, um das Leben zu finanzieren. Das Schreiben an sich ist eine einsame Angelegenheit, bei der ich natürlich alleine am Pult (oder im Garten) glücklicher bin. Manchmal braucht es aber auch eine Wanderung, während der ich einem Kollegen das Szenario schildere. In dieser Zeit löst sich vielleicht ein Knoten, der noch etwas festgezurrt war. Insofern ist der Austausch wichtig.
Für dieses Interview stellte Paul Lascaux seine Handyfotos zur Verfügung.
Der Krimi Goldstern erschien im Gmeiner Verlag

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