Sunil Mann – Krimis scharf wie ein indisches Menu

Am 12.10. liest Sunil Mann liest aus seinem neusten Krimiroman „Schattenschnitt“ in der Buchhandlung Weyermann Candinas & Queerbook in Bern. In Berlin beantwortete er einige Fragen zum neuen Werk und seiner Person und fotografierte seine Ideen zu den Fragen mit dem Handy.

 
 Sie wuchsen in Spiez in den 70ier Jahren auf. Welche Beziehung haben Sie heute zum Kanton Bern und was gibt Ihnen Zürich, wo Sie wohnen mehr als Bern
Ich bin heute nur noch sehr selten im Berner Oberland, aber es war sehr schön, dort aufzuwachsen. Friedlich und ruhig, ich habe wundervolle Erinnerungen daran. Allerdings ist Zürich mein Zuhause. Es gibt mir nicht notwendigerweise mehr als Bern, aber als ich mit neunzehn in die Stadt zog um zu studieren, fühlte ich mich sofort daheim, angekommen. Deshalb bin ich geblieben.
Der indischstämmige Privatdetektiv Vijay löst in “Schattenschnitt” seinen sechsten Fall. Mit welchen Schwierigkeiten hat er dieses Mal zu kämpfen?
 
Vijay Kumar begibt sich in seinem neusten Fall auf die Suche nach einer indischen Braut, die vor ihrer arrangierten Hochzeit flieht. Zudem wird eine Filmemacherin an der Langstrasse niedergestochen. Natürlich hängen die beiden Fälle zusammen, aber das findet Vijay erst mit der Zeit heraus. Auch muss er sich mit Spannungen in seinem Privatleben auseinandersetzen, seine Freundin und er gehen sich mächtig auf die Nerven.
 Im letzten Krimi “Faustrecht” gings neben der Handlung auch um Themen wie Fremdenhass. Welche aktuellen Themen haben Sie dieses Mal in den Roman einflechten lassen?
Diesmal geht es um illegale Medikamententests in Indien, um das Geschäft mit der Armut und um Hijras – das sind transsexuelle Menschen, die seit jeher ihren Platz in der indischen Gesellschaft haben.

 
Weil Sie Ihr Psychologie und Germanistikstudium abgebrochen haben, arbeiten Sie 50% bei der Swiss als Flugbegleiter. Ist Ihr zweiter Lebenslauf als Schreiber am Abend im Hotelzimmer aktiv am leben und schreiben?
Ich habe damals nach dem Abschluss der Hotelfachschule bei Swissair begonnen, weil ich darin die Chance sah, mehr Zeit zum Schreiben zu haben. Das hat gut funktioniert, mit dem wachsenden Erfolg habe ich mein Pensum laufend reduziert. Momentan bin ich bei ungefähr 30 – 40%. Während meiner Arbeit bei Swiss schreibe ich allerdings nie, schliesslich ist das Spannendste an diesem Job das Erkunden fremder Städte. Aber während der restlichen Zeit arbeite ich mehr oder weniger diszipliniert an meinen Romanen oder Kinderbüchern.
Sie schreiben wie ein indisches Menu, vielschichtig, exotisch. Kritiker werfen Ihnen vor, Sie konstruieren zu viel und können Idee nicht streichen und weglassen, die Krimis seien etwas überfrachtet. Was sagen Sie dazu?
Ich mag vielschichtige Romane, die Vijay-Kumar-Serie war schon immer prall an Geschichten und Nebenhandlungen. So wird es auch weiterhin bleiben. Besagte Journalistin hat als Beispiel für die angebliche Überfrachtung die drei lesbischen Frauen angeführt, die in „Schattenschnitt“ vorkommen. Ich habe mich da schon gefragt, wie viele Lesben denn ein Roman erträgt. Und ob die Kritik nicht mehr über die Dame aussagt als über meinen Krimi.
Sie laufen gerne durch Zürich, zum Nachforschen. Was macht Sunnil in seiner Freizeit sonst noch?
Ich gehe gern mit Freunden was trinken. Sport gehört zum täglichen Programm und ich koche und esse leidenschaftlich gern. Ich liebe gut gemachte TV-Serien wie Narcos oder Fargo und natürlich lese ich viel. Und zwar quer durchs Angebot, es muss keineswegs immer Krimi sein.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s