Sensegrab – Anita Flessenkämper veröffentlicht ihren dritten Laupenerkrimi

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Vor weniger als einem Jahr schockierte die Schweizer Bevölkerung der Doppelmord an einem älteren Ehepaar im bernischen Laupen. Für die Krimiautorin Anita Flessenkämper ist das aber kein Grund, in ihrem neuen Buch „Sensegrab“ Wirklichkeit und Fiktion zu vermischen, obwohl auch im dritten Laupener Krimi Herr Minder die sterblichen Ueberreste eines Toten ohne Kopf in der Sense entdeckt und ermittlen muss.

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Anita Flessenkämper, Sie sind eine Art Donna Leon des Sensetals, die jedes Jahr einen Krimi veröffentlicht. Mit welchen Widrigkeiten in Laupen muss sich Minder, ihre Hauptfigur im “Sensegrab“, wieder rumschlagen und aufklären?

Jedes Jahr ein Buch! Wie Donna Leon! Was für ein Vergleich! Donna Leon hat über zwanzig Brunetti-Romane geschrieben – alles Bestseller! Ich habe in den letzten sechs Jahren gerade mal drei Krimis geschafft. Zwar schwirren mir bereits Ideen für den vierten Fall im Kopf herum, aber dass in Zukunft einmal über zwanzig Laupener Krimis existieren werden, wage ich zu bezweifeln. Jedes Jahr einen Krimi zu veröffentlichen, wäre zwar super, wird mir aber leider nicht gelingen. Ich brauche Zeit. Mein Rhythmus wird voraussichtlich bei mindestens zwei Jahren für ein Buch bleiben.

In „Sensegrab“, dem neuen Krimi, steckt Herr Minder mit Unterstützung des schrulligen Schafhalters Kari Burger und des pensionierten Gymerlehrers Dr. Elmar Wegener seine Nase in den vermeintlichen Selbstmord des einundneunzigjährigen Fritz Hafner, der als Bauunternehmer, Lokalpolitiker, Chorleiter und Komponist einst zur Laupener Crème de la Crème gehörte. Nach und nach tauchen Hinweise auf, die den Verdacht erhärten, dass Fritz Hafner nicht freiwillig aus dem Leben schied. Die Suche nach der Wahrheit und einem Mörder führt Minder diesmal bis nach Charmey und an den Schwarzsee. Es geht um Familienbande, Verrat und Mord. Ausserdem zieht ein Alphorn spielender Mieter in das Haus ein, in dem Herr Minder wohnt. Daraus entsteht neuer Ärger mit Minders Nachbarin Frau Müller.

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Ihre Krimis leben bei den Käufer vom Wiedererkennungswert. Vor einem Jahr geschah der Doppelmord an einem alten Ehepaar in der alten Käserei. Würden Sie diesen Fall fiktional miteinfliessen lassen oder wie setzten Sie Ihrer Fantasie Grenzen?

Ich gehe nie von realen Fällen aus, setze der Fantasie aber auch keine Grenzen. Allerdings kommt nicht alles auf das Papier, was der Fantasie entsprungen ist. Der Rückgriff auf die Realität ist für meine Krimis nicht nötig. Denn alle denkbaren Geschichten sind schon lange vorhanden, weil die Motive für schlimme Verbrechen seit Menschengedenken die gleichen sind – (Hab-)Gier, Rache, Missgunst etc. Es geht nur darum, diese Psychologie des Verbrechens in eine Laupener-Krimi-Form zu giessen. Und die nimmt auf langen Spaziergängen durch den Einfluss von Wetter, Landschaft und Stimmung sowie unter Berücksichtigung realer Laupener Besonderheiten fast automatisch Stück für Stück Gestalt an. Für „Sensegrab“ hat die Ausstellung über ein Malerphantom aus den Sechzigerjahren, Vern Blosum, im Sommer 2014 in der Kunsthalle Bern als besonders starker Katalysator gewirkt. Der Tagesanzeiger hat damals über die Gemäldeausstellung getitelt: „Zu giftig, um ein Scherz zu sein.“ Und die Berner Zeitung hat in ihrem Artikel von einem Phantom gesprochen. Was könnte die Fantasie mehr anregen?

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Zwar schreiben Sie unter Ihrem richtigen Namen, doch ausser, dass Sie in Gümmenen aufgewachsen sind, weiss man wenig über Sie. Wer sind Sie und welche Charaktereigenschaften haben Sie mit Minder gemeinsam?

Alltagsbeobachtungen sind Kraftfutter für die Einbildungskraft. Und zum Beobachten ist eine Position ausserhalb oder am Rand des Geschehens geeigneter als mittendrin. Meine „öffentliche Ausdrucksform“ sind die Krimis. Über sie erfährt man auch etwas über mich. Minder ist übrigens ebenfalls ein Beobachter. Das haben wir gemeinsam – und dass wir beide keine Handy-Menschen sind.

Ausserdem bin ich 54 Jahre alt, seit dreissig Jahren verheiratet und habe drei Kinder, die noch in der Ausbildung sind. Vor langer, langer Zeit habe ich ein Studium an der Uni Bern als Lic. Phil. I abgeschlossen und danach in der Bundesverwaltung, in der Privatwirtschaft und als Freelancerin vor allem im PR-Bereich gearbeitet.

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“Sensegrab” wird über die Seite www.laupenerkrimis.ch , einigen Läden und einem Stand am Laupenmarkt vertrieben. Haben Sie diesen eher persönlichen Verkaufsweg bewusst gewählt oder sagte kein Verlag zu?

So „persönlich“ ist der Verkaufsweg nun auch wieder nicht. Denn alle drei Laupener Krimis können ganz normal im Buchhandel gekauft werden. „Sensegrab“ wird ausserdem am Laupenmärit nicht zu kaufen sein, weil das Buch aus verschiedenen Gründen erst am Montag darauf erscheint – obwohl der traditionelle Laupenmärit in der neuen Minder-Geschichte eine nicht unwesentliche Rolle spielt …

Der „eher persönliche“ Verkaufsweg parallel zum Buchhandel hat sich einfach ergeben. Beim ersten Krimi habe ich damit gerechnet, alles selber zu verkaufen. Dann haben mich vor und kurz nach dem Erscheinen von „Achetringele“ verschiedene Geschäftsleute gefragt, ob sie den Krimi in ihren Läden auch verkaufen könnten. Die Gruppe, die den Silvesterbrauch „Achetringele“ organisiert, hat vorgeschlagen, ich könne an ihrem Stand am Laupenmärit meine Bücher anbieten. Das war so sympathisch und irgendwie typisch für Laupen. Und für mich ist dieser persönliche Parallelweg perfekt.

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Wer Krimis schreibt, muss viel denken, um die zahlreichen Handlungsstränge zusammenzuhalten. Wie und wo entspannt Anita Flessenkämper, wenn Sie den Minder mal zu Seite legt?
Minder lässt sich nicht auf Kommando auf die Seite legen. Ich plane meine Geschichten mehr oder weniger von A bis Z. Wenn es schliesslich ans Schreiben geht, stehen Plot, zeitlicher Ablauf der Handlung und Hauptcharaktere. In dieser Planungsphase lässt sich Minder nicht abschütteln. Aber sonst kann ich mich am besten auf Spaziergängen, bei der Haus- und Gartenarbeit, beim Lesen – und neuerdings beim Stricken entspannen.

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Der Krimi “ Sensegrab“ kann über den Link
 Laupener Krimis bezogen werden und erscheint am 14.11.16

 

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