Ex-Junkie Dominik Forster -mit Sport und Vorträgen gegen Drogen

Der Nürnberger Aussenseiter Dominik Forster begann mit 17 Jahren Marihuana, Speed und Crystal Meth zu nehmen, wurde verhaftet und sass zwei Jahre im Gefängnis. Mit 28 Jahren hat er das Buch „crystal.klar“ geschrieben und hält Vorträge über seine Drogenkarriere und wie Jugendliche davon wegzubringen sind und unterstützt das Drogenaussteigerprogramm Mounatin Activity Club. Ein deutsches Vorbild für Schweiz?

Dominik Forster, Sie sind Autor vom Buch “crystal.klar”, halten Vorträge, aber gerade waren Sie mit dem Mountain Activity Club im Bouldercamp in Frankreich? Was haben Sie da gemacht und welche Funktion hat der Club?
Ich bin ein sogenannter Peer, heißt ein Drogenabhängiger, der in meinem Fall über 6 Jahre clean Zeit nachweist. Ich und noch andere Mitglieder mit der selben Funktion „unterrichten“ das bouldern, heißt wir geben Hilfestellung und motivieren. Ganz wichtig dabei ist, dass Klienten aus ihrer Komfortzone heraustreten müssen und mit ganz alltäglichen Dingen konfrontiert werden. Ich merke das auch bei mir selber. Ich habe ein Problem mit Hygiene, ich ekel mich vor Bakterien. Ich musste oft mit ansehen wie Menschen während meiner Drogenphase kotzend zusammengebrochen sind. Darum fällt es mir beispielsweise schwer, von einer Flasche eines anderen zu trinken.
7 Tage auf engen Raum mit Menschen zusammenwohnen, da ist ständig Trubel, nichts bleibt unbeobachtet, verbarrikadieren ist nicht.
 
Mit der Arbeit mit Jugendlichen sehen Sie in verschiedene Haushalte, die zerrüttet sind. Begannen Sie mit 17 Jahren zu kiffen und konsumierten später Crystal Meth, weil Sie mit sich und den Dämon in Ihnen nicht klar kamen, denn am Elternhaus kann es nicht alleine gelegen haben?
Genau. Das Gefährliche an Drogen und dabei ist es ganz egal, welche Substanz man einnimmt,  ist, dass sie FUNKTINONIEREN. Crystal hat aus dem kleinen Jungen in der Schule, der immer verprügelt worden ist, einen Superhelden gemacht. Durch die Droge konnte ich das erste Mal wirklich angstfrei am Leben teilnehmen. Hinzu kam natürlich, dass meine Eltern ihre eigenen Probleme mit Alkohol und Medikamenten gehabt haben. Es gibt also nicht die gefährlichste Droge der Welt sondern für jeden Einzelnen die perfekte Funktion.
 Sie waren immer der Aussenseiter, haben wie Christine F. , die Sie auch kennen,sich durch Speed und Crystal glücklich gemacht und einen hohen Preis dafür bezahlt, Sie wurden verhaftet wegen dem Verstoss gegen das Betäubungsgesetz, doch die Hölle begann erst während des Strafvollzuges, wie genau?
Ich wurde zu 2 Jahren und 5 Monaten verurteilt. Diese musste ich in fünf Haftanstalten absitzen. Endstation war dann die Hochsicherheitsjugendhaft in Bayern. Der Jugendknast ist viel härter und gewalttätiger. Es gibt Regeln im Knast, die dir natürlich niemand erklärt. Wenn du im Erwachsenenvollzug bist, weist was du tun musst und was du nicht darfst, lassen dich die Meisten in Ruhe. Im Jugendknast wollen sich alle beweisen- wer Schwäche zeigt wird vergewaltigt. Opfer oder Täter und entweder du fickst oder wirst gefickt.
Jeder Mensch muss mit seiner Leere fertig werden und dem Leben Inhalt geben. Heute sind Sie ein starker Mann, wie half Ihnen der Sport ein neues Leben aufzubauen?
Der Sport gibt mir das High, was ich durch die Drogen hervorgerufen habe. Durch den M.A.C. habe ich Menschen gefunden denen ich wichtig bin. Mein größter Antrieb clean zu bleiben, sind die Vorträge an Schulen. Vor 50 bis zu 500 Schüler zu stehen. Es gab einige Drogenexzesse bei denen ich hätte sterben müssen und seit ich vor Schulklassen stehe, weiß ich warum, ich überlebt habe.
 
Sie entwerfen heute Konzepte zur Drogenprävention und vielleicht könnten wir Schweizer davon ein Stück abschneiden, wie sehen diese aus?
 
Jugendliche erwarten bei einem Drogenpräventionsunterricht einen alten Mann mit Uniform, der einen Art, einen Psychologen, einen Studierten, welche ihr Wissen von sich geben. Ich performe mein Leben BIS ins kleinste Detail- 100%
Meine Vorträge sind so ehrlich und erschütternd, dass die Schüler nach dem Vortrag unter Tränen auf mich zukommen und mir ihre Geschichten erzählen.
Es wäre mir eine Ehre auch Schweizer Schulen besuchen zu dürfen. Wir sind gerade in der Planung für eine Tour.
Heute sind die 28 Jahre und ein gestandener Mann mit einem aussergewöhnlichen Lebensweg, welches sind Ihre nächsten Projekte für die Zukunft im beruflichen und privaten Bereich? Kommen Sie auch für Lesung in die Schweiz?
Sehr gerne. Crystal.klar erscheint am 17. März 2017 nochmals über den Ullstein Verlag. Crystal.klar ist dann auch in der Schweiz erhältlich.
Im September 2017 erscheint dann der Nachfolger. Ich bastle gerade zusammen mit meinem Onkel an einem Tourkonzept durch Deutschland und vielleicht mache ich einen Abstecher in die Schweiz.
 
Wir warten schon auf Sie. Danke für das ehrliche Onlineinterview und alles Gute.

Kontakt

Präventionsanfragen gerne über dominik-forster.de oder https://www.facebook.com/dominikforsterfanpage/

Das Buch

Als Dominik Forster zum ersten Mal durch die Tore der Nürnberger Herschel-Schule tritt, beginnt sein Leben als Underdog. Erst Drogen und Crystal Meth machen den ängstlichen Jungen zu dem Menschen, der er immer sein möchte, und mit dem Einstieg ins Drogengeschäft beginnt der vermeintliche Aufstieg, umgeben von vermeintlichen Freunden: er wird zum Topdog. Dieser Weg führt ihn ins Gefängnis, in eine Welt aus Brutalität, die einzig zwischen »Mann« und »Opfer« unterscheidet und in der die Zeit nur genutzt wird, um den nächsten Coup zu planen … Entzug und Therapie helfen Dominik Forster aus diesem Teufelskreis auszubrechen und das selbstbestimmte Leben zurückzugewinnen, das er heute führt. Dieses Buch markiert einen Teil seines Weges.
Die Fotos stammen von Dominik Forsters Handy

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