Cabaret im Bernhard Theater Zürich – Sexy und traurig zugleich

Cabaret, das ist jene Geschichte über den Versuch den Glauben an die Liebe, die Erotik, den freien Willen, das lustige Leben vor dem aufkommenden Nationalsozialismus so lange wie möglich bis zum Scheitern aufrecht zu erhalten. Fabienne Louves und Michael von der Heide spielen bis zum 15. Januar die Hauptrollen im Musical im Bernhard Theater Zürich.

Die Wände des Kit Kat Klub in den Zwanzigerjahren in Berlin haben wohl  wie die des Bernhard Theater ausgesehen, schon etwas fleckig und der Ruf des deutschen Nachklubes war wie seine Hauptattraktion, die Sängerin Sally Bowles (Fabienne Louves) anrüchig. Doch für den ideenlosen amerikanischen Schriftsteller Clifford Bradshaw (Kenneth Huber)  ist die Silvesternacht 1929, der Beginn eine amour fou. Er lernt Sally kennen und lieben.

Berlin als Ort der Sehnsüchte, der zügellosen Erotik und Dekadenz, durch die führt den Zuschauer ein Conférencier (Michael von der Heide) mit spitzer Zunge, weiss angemaltem Gesicht und Verrenkungen, den er wie alle anderen wollen an der Illusion, dass das Leben ein Cabaret – ein nie endende Show ist, festhalten, obwohl alle Zeichen auf Sturm stehen und bald, nach der Pause die Situation umkippt und die Nazis an die Macht kommen.

Grosse Geschichten lieben bunte Hunde und so ist die erste halbe Stunde vom Musical, das übrigens 50 Jahre nach der Premiere am Broadway nun im Bernhard Theater aufgeführt wird, eine rasante Einführung der Figuren. Viele Szenen sind sehr erotisch, doch auch der Humor und Slapstick kommt nicht zu kurz.

Michael von der Heide hat im ersten Teil Mühe Gesang und Tanz zu vereinen und er scheint sich auch nicht so richtig wohl zu fühlen in den Gruppenszenen. Er wirkt hölzern. Erst nach der Pause hat er Platz für Soloauftritte und kann seine schillernde, zynische Rolle als Conférencier richtig ausleben.

In der ersten Staffel der Castingshow „Musicstar“ war die Luzernerin Fabienne Louves neben dem Baselbieter Baschi eine Entdeckung. Obwohl es ihr nicht gelang als Solosängerin gross rauszukommen, konnte sie sich auf der Theaterbühne behaupten und die 300 Vorstellungen der „Niederdorfoper“, bei der sie mitspielte, waren eine gute Vorbereitung auf das Musical „Cabaret“. Vom Anfang bis zum Ende füllt sie die Bühne mit ihrer Persönlichkeit, der Rolle, dem Gesang und dem schauspielerischen Talent aus. Nur bei der Aussprach der deutschen Sprache färbt der Dialekt zu stark durch. Doch „Cabaret“ ist ihr Stück und der grosse Applaus am Schluss zeigte, wie sehr das Publikum sie mochte.

Doch es gibt noch eine andere Frau, die in den 2,5 Stunden zwar nur in einer Nebenrolle alle Register des schauspielerischen Könnens zieht. Sabine Martin, die Zimmervermitterin Fräulein Schneider, in Ueberlingen am Bodensee geboren, war bisher am Berner Stadttheater und hat in „Cabaret“ eine abwechslungsreiche Rolle als ältere Frau, die sich in einen Juden verliebt, aber die Verlobung zugunsten der Nazis löst.

Nach der Pause wird die Inszenierung von Dominik Flaschka traurig. Die Nazis machen den Traum des Kit Kat Klubes als Welt zwischen Glanz und Abgrund und das seiner Besucher und Künstler zum Trauma. Sally Bowles verkauft für eine Abtreibung ihren Pelzmantel, ihre Beziehung zum Schriftsteller zerbricht, Cliff Bradshaw verlässt Berlin, der teuflische Conférencier lacht, auch weil Sally wieder auftritt. The show must go on – life is a Cabaret. Doch alle sind um eine zerbrochene Illusion gealtert und keiner weiss, wohin die Reise geht.

Es gab an der Vorpremiere drei Vorhänge und viel Applaus für die Leistung von Fabienne Louves. Ob das Musical im Bernhard Theater aber bis zum 15. Januar ein Publikumsmagnet wird wie andere Musicals in der letzten Zeit (Io senza te, Lion King), das auch über die Grenzen von Zürich Zuschauer vom Mittelland anreisen lässt, wage ich zu bezweifeln. Dazu fehlt einfach die grosse Kelle bei der Inszenierung. So ist „Cabaret“ eine unterhaltsame, etwas andere, erotischere Art die Advents- und Festtagszeit aufzupeppen.

Infos und Ticketbestellung


Cabaret

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