Geiger Sebastian Bohren über sein argovia phil. Konzert und Privates

Vom 19. bis 24. Januar 2017 spielen im 3. Abo-Konzert bei argovia philharmonics der Geiger Sebastian Bohren und die Cellistin Chiara Enderle. „Vermächtnis und Erbe“ beinhaltet Schumanns Ouvertüre, Beethovens 7. Symphonie und Brahms Doppelkonzert für Violine und Violoncello. Muri, Rheinfelden, Aarau und Baden sind die Orte, wo die Jung-Stars auftreten. In einer zweiteiligen Serie stellen sie sich vor und machen gleich noch ein paar Handyfotos. Den Anfang macht Sebastian Bohren.

Im Januar bekommst Du Sebastian Bohren bei argovia philharmonic eine grosse Chance mit dem Konzert “Vermächtnis und Erbe”. Suche ich eine Arbeit, muss ich mich bewerben auf ein Inserat, wie bekommst Du als junger Musiker zu Deinem Arbeitsplatz, der Bühne? 

Das ist schwierig zu sagen, eine Musikerkarriere ist ein sehr dynamischer Prozess und viele Faktoren spielen mit. Generell kann man sagen dass das „gesprochene Wort“, die Empfehlung von Veranstaltern, Musikern oder Agenten untereinander immer noch die wichtigste Rolle spielen einen Musiker einzuladen – trotz der heutigen Trends mit social media, youtube etc.

Man baut sich über viele Jahre in kleinen Schritten eine Karriere auf. Glück spielt dabei sicher eine Rolle aber vor allem auch wie man auf die Chancen und Möglichkeiten die sich einem eröffnen reagiert und sie auch entsprechend als „Multiplikatoren“ nutzen kann. In meinem Fall ist es so dass ich Konzerte auch selber organisiere oder mitorganisiere. Dann arbeite ich mit anderen Musikern zusammen die das auch tun und so baue ich mir ein Netzwerk unter Musikern auf. Wenn man dann hervorragende Arbeit leistet hat man immer wieder neue Möglichkeiten zu wachsen und die Karriere positiv zu entwickeln.

“Vermächtnis und Erbe” enthält neben Schumanns Ouvertüren, Beethovens 7. Symphonie auch noch Brahms. Kriegst Du im ersten Moment bei so grossen Namen und ihren Werken nicht weiche Knie und welche Probleme gab es beim Einstudieren?

Eigentlich gar nicht. Meistens ist zum Zeitpunkt der Anfrage der Konzerttag noch weit weg und man ist sich sicher bis dahin alles zu meistern. Wichtig ist aber dass man lernt einzuschätzen wieviel Aufwand und Vorbereitung ein Werk braucht. Als freischaffender Musiker kann es mir passieren dass ich in kurzer Zeit sehr viel verschiedenes Repertoire im Konzert spielen muss, da muss ich mich in der Vorbereitung klug einteilen. Das lernt man mit der Zeit. Jeder Musiker weiss wie er am Besten und Schnellsten zu seiner Bestform kommt. Die Quadratur des Kreises ist dann halt der Versuch, sich perfekt zu organisieren. Oft hat man in einem Moment zuviel und im nächsten etwas zu wenig um die Spannung beim Üben wirklich hoch zu halten.

Beim Doppelkonzert von Brahms ist es tatsächlich besonders: Zuerst arbeitet man allein sehr genau am Werk, dann zu zweit, und dann erst mit dem Orchester. Im Moment wo wir zum Orchester kommen müssen wir uns über viele Aspekte unserer Interpretation schon einig sein.

 Sebastian aus Winterthur, Du bist jung und wirst als Geiger schon in der Welt gefeiert. Hast Du trotz Deines ungewöhnlichen Lebenslaufes noch Kontakt zum Fussvolk Deiner Stadt und was machst Du in Deiner Freizeit?

Ich wurde in Winterthur geboren und bin ich im Aargau aufgewachsen! Ich fühle mich als Aargauer der seit dem Besuch des Kunst- und Sportgymnasiums in Zürich lebt. Ich sehe meinen Lebenslauf nicht besonders ungewöhnlich was die Musik betrifft. Ich habe mit acht Jahre angefangen zu geigen und erst so mit elf Jahren viel intensiver geübt. Die eingehende Beschäftigung mit Musik, Sport oder einem Hobby ist absolut sinnstiftend und hat mir viel Freude gemacht. In meinem Alltag konzentriere ich mich sehr auf meine Karriere. Geige spielen ist Spitzensport. Alles ordnet sich dem Ziel unter, als Geiger wirkliche interpretatorische Tiefe und Klasse zu erreichen, immer wieder neu.

In meiner „Musik-freien Zeit“ sehe ich meine Freunde. Ich mag Restaurants, Fussball und selten Kino.

Das tägliche Ueben und fast blind eine Ouvertüre spielen können, versucht ja seelische Tiefs zu überspielen? Wie sehen Deine Stunden vor der Premiere aus und was machst Du, wenn es an einem Tag einfach nicht so geht wie Du es willst?

Vor der Premiere oder: wenn ein wichtiges Konzert ansteht ist die innere Aufregung schon sehr gross. Das Beste ist wenn man sich fast den ganzen Tag auf sich selbst konzentrieren kann und wenn man sich trotz Ängsten mit dem Gedanken konfrontiert dass man auf die Bühne gehen wird und spielt, komme was wolle. Man muss diese Spannung annehmen und auch begrüssen, sich quasi mit ihr versöhnen, damit sie Einem hilft statt einen hemmt. Das gelingt leider nicht immer. Bei 80 Auftritten im Jahr hat man manchmal sogar zu wenig Spannung und ist dann im Konzert zu wenig konzentriert.

Wenn man unzufreiden ist mit der eigenen Leistung dann kann das zum Antrieb werden, es nächstes Mal wieder besser zu machen. Ich bin selten ganz überglücklich über ein Konzert. Vielleicht 1, 2 Mal im Jahr.

In “Vermächtnis und Erbe” spielst Du das Können alter Meister nach. Juckt es nicht in den Fingern mit eigenem Material und eigener CD durch die Welt zu ziehen und hast Du schon in diese Richtung Pläne?

Ich habe bereits eine CD herausgegeben mit Beethovens Violinkonzert, die von den Kritikern sehr positiv bewertet wurde. Im März 2017 kommt die Nächste, auch mit dem Ensemble CHAARTS, mit dem ich sehr eng zusammen arbeite. Wir haben Violinwerke von Hartmann, Mendelssohn und Schubert aufgenommen. 2017 und 2018 habe ich weitere grosse Pläne. Verrate aber noch nichts.

Du hast zu diesem Interview auch noch Handyfotos beigesteuert, welche drei Musiker gehören momentan zu Deiner Top-Playliste?

Ich habe vor einigen Wochen den Geiger Aaron Rosand entdeckt, höre momentan viel seine alten Aufnahmen. Nathan Milstein höre ich auch sehr oft und sonst hör ich öfter auch Roger Schawinskis „Radio1“

Das 3. Abo-Konzert „Vermächtnis und Erbe“ findet an folgenden Daten statt:

DO 19.01.17; 20.00h; Rheinfelden (AG) Bahnhofssaal

FR 20.01.17; 19.30h; Baden Trafo

SA 21.01.17; 19.30h; Muri (AG) Kloster, Festsaal

SO 22.01.17; 17.00h; Aarau Kultur und Kongresshaus

DI 24.01.17; 19.30h; Aarau Kultur und Kongresshaus

Karten und Infos 

 

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