Cellistin Chiara Enderle über die Arbeit für argovia phil. und fernab

Chaira Enderle spielt vom 19. bis 24. Januar 2017 im 3. Abo-Konzert bei argovia philharmonics neben dem Geiger Sebastian Bohren in „Vermächtnis und Erbe“. Die Cellistin wird Schumanns Ouvertüre, Beethovens 7. Symphonie und Brahms im Doppelkonzert in Muri, Rheinfelden, Aarau und Baden aufführen. Doch wie denkt und lebt die Zürcherin privat?

Im Januar bekommst Du Chiara Enderele bei argovia philharmonic eine grosse Chance mit dem Konzert “Vermächtnis und Erbe”. Suche ich eine Arbeit, muss ich mich bewerben auf ein Inserat, wie bekommst Du als junge Musikerin zu Deinem Arbeitsplatz, der Bühne?
Anders als in vielen anderen Berufen kann man sich als freischaffender Musiker nicht einfach auf Stellenangebote bewerben. Bevor eine Konzertanfrage an mich kommt, läuft ein vielschichtiger Prozess, bei dem verschiedene Faktoren mitspielen – persönliche Empfehlungen, Hörensagen, Öffentlichkeitsarbeit von mir und auch eine Prise Glück.

 

“Vermächtnis und Erbe” enthält neben Schumanns Ouvertüren, Beethovens 7. Symphonie auch noch Brahms. Kriegst Du im ersten Moment bei so grossen Namen und ihren Werken nicht weiche Knie und welche Probleme gab es beim Einstudieren?
Diese “grossen Namen” Beethoven, Schumann und Brahms sind nach so vielen Jahren der Beschäftigung mit ihren Werken zu so etwas wie Freunden geworden. Ich fühle mich wohl mit ihrer Musik – hier bin ich daheim. Trotzdem: Die Ehrfurcht und Bewunderung für diese grossen Meister geht natürlich nie verloren und ich gebe mir mit jedem Konzert aufs Neue Mühe, ihnen gerecht zu werden! Das Doppelkonzert von Brahms ist, anders als gängige Cellokonzerte, nicht einfach ein Solowerk für Cello mit Orchester. Es ist gleichzeitig auch Kammermusik, und dementsprechend erfordert die Vorbereitung sehr viel Kooperation und intensive Zusammenarbeit von den beiden Solisten. Das empfinde ich aber nicht als Problem – im Gegenteil, es ist eine Bereicherung!

 

 
Chiara aus Zürich, Du bist jung und wirst als Cellistin schon in der Welt gefeiert. Hast Du trotz Deines ungewöhnlichen Lebenslaufes noch Kontakt zum Fussvolk Deiner Stadt und was machst Du in Deiner Freizeit?
Ich fühle mich trotz meines Berufs auf jeden Fall als “normale” Zürcherin! Ich wohne in einer WG und geniesse es, mich auch mit Menschen auszutauschen, die keine professionellen Musiker sind. In meiner Freizeit besuche ich Ballettunterricht im wunderbaren Tanzstudio Offdance (https://www.offdance.ch/) und lerne für mein Psychologie-Fernstudium, das ich voraussichtlich 2018 mit dem Bachelor abschliessen werde. Daneben geniesse ich es, zu kochen, zu wandern und mich mit Freunden zu treffen.

 

Das tägliche Ueben und fast blind eine Ouvertüre spielen können, versucht ja seelische Tiefs zu überspielen? Wie sehen Deine Stunden vor der Premiere aus und was machst Du, wenn es an einem Tag einfach nicht so geht wie Du willst?
Man muss sich intensiv mit sich selber und seinen Ängsten auseinandersetzen, um am Konzerttag alles geben zu können, das man in sich hat. Das ist in gewisser Hinsicht ein Vorteil am Musikerberuf, kann aber ganz schön anstrengend sein! Sich im Konzert gut zu fühlen, ist jedoch auch Übungssache. Mit jedem Jahr gelingt es mir etwas besser, vor Konzerten meine Energie gut einzuteilen und mich mental in eine Lage zu bringen, in der ich in eine Art Flow-Zustand komme. Inzwischen verbringe ich die Stunden vor dem Konzert meist in angespannter Aufregung, die aber durchaus auch Vorfreude beinhaltet! Konzerte spielen ist das, was ich am allerliebsten mache.

 

In “Vermächtnis und Erbe” spielt Ihr Beide das Können alter Meister nach. Juckt es nicht in den Fingern mit eigenem Material und eigener CD durch die Welt zu ziehen und hast Du schon in diese Richtung Pläne?
Mein Ziel ist es nie, das Können alter Meister nachzuspielen. Stattdessen suche ich nach meinem eigenen Weg und meiner eigenen Herangehensweise an die grossen Werke der klassischen Musik. Ich fühle mich tief verbunden mit diesem Material und freue mich sehr, diese auf CD aufzunehmen (so z.B. meine neue CD mit Werken von Ernest Bloch, die Anfang 2017 auf den Markt kommt) und damit durch die Welt zu ziehen.

 

 
Du hast zu diesem Interview auch noch Handyfotos beigesteuert, welche drei Musiker gehören momentan zu Deiner Top-Playliste?
Am liebsten höre ich mir klassische Musik an. Drei meiner Lieblings-Interpreten sind die Pianisten Martha Argerich und Swjatoslaw Richter sowie der Cellist Steven Isserlis.

Das 3. Abo-Konzert „Vermächtnis und Erbe“ findet an folgenden Daten statt:

 
DO 19.01.17; 20.00h; Rheinfelden (AG) Bahnhofssaal
FR 20.01.17; 19.30h; Baden Trafo
SA 21.01.17; 19.30h; Muri (AG) Kloster, Festsaal
SO 22.01.17; 17.00h; Aarau Kultur und Kongresshaus
DI 24.01.17; 19.30h; Aarau Kultur und Kongresshaus

Bestellen von Karten hier 

Informationen zu Chiara Enderle hier

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