Maya Graber – aus Liebe zur Natur, Frau und Bildhauerei im Goms

Es ist Winterzeit und fernab der Langlauflopien arbeiten Kreative in kleinen Bergdörfern, die es zu besuchen lohnt. Die erste Ateliertür geht in Geschinen im Obergoms bei der Bildhauerin Maya Graber auf.

 

Zum Glück scheint die Sonne über diesem Winterwanderweg, den sonst wären die acht Grad unter Null und die Bise eine noch grössere Herausforderung zum geschlossenen Haufendorf Geschinen, wo 78 Häuser eng beieinanderstehen und die Skulptur des Hünen Weger Baschi im Zentrum ein Pferd auf den Schultern über einen Baumstamm trägt.

Ein roter Kater kommt auf mich in der Sennereigasse zu, doch Maya Grabers Werkstatt finde ich erst nach einem Anruf und sie sagt, sie komme vor die Pforte. Pforte? Ahja in Sinas Lied heisst das Türe erinnere ich mich und richtig da steht sie vor ihrer Werkstatt

Kannst Du Dich noch an den Moment erinnern als es beim Stichwort Ton click gemacht hat, dies ist der Sinn Deines Lebens?

Es war nicht beim Ton sondern in einem Schreinerkurs, wo ich den Wunsch verspührt habe dreidimensional zu arbeiten. Ich hatte bis zum 18. Lebensjahr diverse Berufe ausprobiert und wusste lange nicht, was ich machen wollte, doch ein Bildhauer- und Kunststudium brachte mich auf den rechten Weg. Als Frau aus dem Luzernerseetal verliebte ich mich in eine Frau aus dem Goms und zog vor fünf Jahren nach Geschinen. Ich habe die Dorfsennerei, in der bis 1997 Milch verarbeitet wurde, selber ausgebaut und arbeite hier mit Holz, Metall,Ton, Wachs und Knette.

Braucht es die Einsamkeit des Goms um sich selber zu spüren, Inspiration aus sich selbst zu haben?

Du glaubst es nicht, aber ich bin hier trotz weniger Einwohner weniger einsam als in der Stadt. Es schauen Besucher rein oder wenn ich trotz der wenigen Meter von der Wohnug ins Atelier gehe, gibt es oft ein Gespräch mit den Dorfbewohnern. Ich habe gelernt, dass ich, wenn ich nicht reden will, nicht stehen bleiben darf. Im Sommer machte ich Aufträge, im Winter neue Sachen wie dieser Vogel aus Ton. Auch bin ich Deutschland aktiv an Projekten beteiligt. Die Dorfleute haben mich angenommen, da ich mit der Werkstatt auch das Dorfleben belebe.


Manche Künstler brauchen die Reibung an der Aussenwelt um kreativ zu sein, das schient mir hier nicht gegeben oder?

Auch im Goms gibt es Probleme. Ich bin sehr politisch interessiert und ich brauche die Natur um mich, die gibt mir Kraft. Andere Kreative kommen an meine Workshops hier ins Atelier, das gibt einen Austausch. Ich bin trotz ohne Auto oft unterwegs.


Spricht der Ton mit Dir, wenn Du ihn formst oder ist er Mittel zum Zweck?

Ich habe in meiner Ausbildung gelernt, gezielt zu arbeiten. Der Ton und auch die anderen Materialen sind Werkzeuge. Meine Idee und die Form haben Vorrang. Der Mensch ist der Ausgangspunkt von allem, dass nun auch Tiere dazukommen, hat mit einem neuen Projekt zu tun.Im Sommer arbeite ich draussen am Stein, vor Weihnachten fromte ich Wachs und nun ist diesen Monat der Ton dran.

Was macht Dich glücklich, was traurig?

Ich liebe die Natur und auch meine Tiere. Traurig macht mich das momentane Weltgeschehen. Doch aktiv in die Politik einsteigen möchte ich nicht, obwohl ich gerade eine Anfrage für eine Grossratskanditatur erhielt, die ich aber ablehnte.Die Flüchlingskrise geht mir nah, doch sie künstlerische umzusetzen, scheint mir im Moment schwierig.


Das 2017 ist noch jung. Was hast Du Dir vorgenommen und vielleicht schon einen Vorsatz gebrochen?

Ab Februar sind jeden Monat Kunstprojekte geplant und Mitte September mache ich das Atelierfest zum 5jährigen Bestehen. Ansonsten bin ich nicht so der Typ, der Vorsätze fasst. Doch warte. Es gibt einen, ich möchte gelassener werden.

Sie schenkt mir einen Grüntee ein, den sie zuvor mit einem Pinsel umgerührt hatte und legt Holz ins Feuer des Steinofens während die Sonne hinter der Sebastianskappelle untergeht und das Termometer bald über Nacht unter sechszehn Grad fällt.

Kontakt und Informationen zu Maya Graber hier

Informationen zu Münster-Geschinen hier

 

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