Andreas Hofer – mit Engeln aus Davos-Frauenkirch die Welt verbessern

Es ist Winterzeit und fernab der Langlauflopien arbeiten Kreative in kleinen Bergdörfern, die es zu besuchen lohnt. Die zweite Ateliertür unserer Serie geht drei Kilometer nach Davos in Frauenkirch beim Bildhauer Andreas Hofer auf.

Können Sie noch erinnern als es in der Jugend click gemacht beim Stichwort Holz, dies wird der Sinn meines Lebens sein?

Ich bin ja aufgewachsen auf einem Bauernhof in Frauenkirch und mein Grossvater war Säger/Schreiner. Holz war also immer gegenwärtig. Ich machte, nachdem ich mit 14 Jahren wusste, dass ich Zimmermann werden will, eine Lehre in Davos und im Winter war ich Skilehrer bis zum 22. Lebensjahr, wo mich ein Unfall plötzlich vor die Frage stellte, was nun, da sowohl die Arbeit auf dem Bau wie auf der Piste nicht mehr möglich war. Also besuchte ich die Fachhochschule Brienz, nachdem ich im Prospekt des Berufsberaters, das Bild des Reliefs vom Maler Ernst Ludwig Kirchner sah, das in meiner Schule hing. Da wusste ich Bildhauerei ist der Schritt aus der Krise.


Nachdem das WEF vorbei ist, die kommende WM St. Moritz wohl bis hier spürbar ist und sich Tausende Touristen auf den Davoser Pisten abmühen, frage ich mich halt schon, ob es die Fraktionsgemeinde Frauenkirch braucht, damit sie Inspiration haben und in sich schauen können?

Wenn mich ehemalige Schulfreunde besuchen, finden sie die Abgeschiedenheit Frauenkirchs schrecklich. Ich bin im ehemaligen Stall meine Grossvaters von Ablenkung befreit und kann ruhig arbeiten. Weil Spaziergänger sich auf die Spuren Kirchners machen, der auch hier gelebt hat, schauen manche bei mir vorbei und es gibt interessante Begegnungen mit Touristen.

Sie haben ja den Skulpturenweg gemacht, organiseren das Internationale Davoser Bildhauersymposium. Spricht das Holz, das aus den Wäldern von hier kommt, mit ihnen, wenn Sie es bearbeiten oder ist es Mittel zum Zweck?

Ich habe keine emotionale Bindung zum Holz. Es ist wie in der Arbeit als Zimmermann zweckgebunden. Es soll Träger meiner Botschaft sein, die einen Effekt hervorrufen will.
Leider kann ich nach Widerständen in der Bevölkerung den Skulpturenweg, wo Arbeiten von mir zu sehen waren, nicht mehr machen, Doch meine meterhohen Engel gibt es hier im Dorf oder auf der Schatzalp  Das Symposium im Sommer ist ein über die Schulternschauen wie ein Werk entsteht auch bei ausländischen Künstlern, eine sehr interessante Sache.

Was macht Sie traurig und was glücklich?

Stimmungen auf Hölzer rüberzubringen, ist der rote Fraden in meinem Leben und der Engel war die allererste Skulptur, die ich je gemacht habe. Es sind Schutzengel frei von jeder Religion. Ich machte einen Engel für meinen Bruder, ein bekannter Skifahrer, aus der Angst heraus, ihm könnte das Gleiche gesehen wie dem Fahrer, der heute im Rollstuhl sitzt. Er hat den Hinweis verstanden. Für meinen früh verstorbenen anderen Bruder machte ich ein Grabmahl.
Glücklich macht mich auch immer wie Kunden Kraft aus meinen Arbeiten holen können bei Schicksalschlägen.


Die hart-box wie sich Ihr Atelier nennt, ist ein Künstlerkollektiv. Sie können ja gut reden. Also ein Mittel sich dort auszutauschen und von der Bildhauerei zu leben, nehme ich an?

Ja alles zusammen, nach sieben Jahre alleine hier, suchte ich und meine Frau, die als Modedesignerin und Schneiderin arbeitet, einen Weg den Platz der Schneu besser zu nutzen und nun bieten wir Boxen für Künstler aus der Umgebung an, damit sie einen Ort haben, um sich zu entfalten. Auch helfen mir die Gespräche mit den Künstlern hier, in der Auseinandersetzung mit ihren Ansichten auf mein Werk mich weiterzuentwicklen.

Das 2017 ist noch jung. Was haben Sie sich vorgenommen und welche Vorsätze schon wieder gebrochen?

Ich habe mir vorgenommen, die Welt zu verbessern. Ueber ihr hängt seit einigen Jahren ein Schatten durch die ganzen Terroranschläge und Flüchtlingskisen. Der Schatten in der Seele der Leute, die sich mit der Fragen nach der Existenzberechtigung plagen, beschäftigt mich. Meine Engel könnten da wie eine Nadel in der Akkupunktur sein, indem man sie auf einem wunden Punkt in der Welt draussen hinstellt und durch einen Austausch mit ihnen sich heilt. Ich bin nicht religiös aber gläubig.
Ich möchte mein Leben 2017 bunter machen, dass habe ich mir vorgenommen.

 


Ja für das Gute im Menschen braucht es Phantasie, für das Böse nicht, denke ich mir, als mich Andreas Hofer an der Bushaltestelle absetzt, winkt und ich den Engel beim Bergfriedhof Frauenkirch erblicke, Mut fasse für den Gang ins Unterland mit einem unruhigerem Leben als hier im Landwassertal.

 

Mehr Information zu Andreas Hofers Atelier hart-box hier

 

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