„Ausser Kontrolle“ Berhardtheater – Stress für die Lachmuskeln

Der Februar ist für die Obrigkeit gefährlich. In der Provinz macht sich das Fussvolk beim Bauernschwank über die Politiker lächerlich, auch bei der Basler Schnitzelbank kriegen die Volksvertreter ihr Fett weg und in Zürich gerät bei Erich Vocks Kömödie „Ausser Kontrolle“ ganz Bundesbern ausser Rand und Band. Da soll einer noch sagen, Schweizer hätten keinen Humor.

In der Dialektfassung der Komödie von Ray Cooney verabredet sich Nationalrat Johannes Nauer zu einen romantischen Treffen mit der Sekretärin der gegnerischen Partei im Bernhof gegenüber dem Bundeshaus.Seine Liebespläne geraten schnell ausser Kontrolle als die beiden eine Leiche entdecken, ein eingeklemmter Privatdetektiv und auch der persönliche Referent Conrad Hoby stolpert beim Zurhilfeeilen von einer Kapriole in die andere, zweieinhalb Stunden lang.
Obwohl die Komödie noch bis April gespielt wird, ist sie schon fast ausverkauft und das zurecht. Es vergeht keine Minute, in der nicht ein Gag den anderen jagt und das Publikum amüsiert sich köstlich, den nichts ist lustiger als ein Mangel an Kontrolle der Libido.
Die class politique wird genauso durch den Kakao gezogen, wie das Biedertum der Schweiz und den  Versuch der Normalbürger und Politiker den Schein zu wahren, auch wenn einem das Wasser bis zum Hals steht.

 

Erich Vock hat zusammen mit Jörg Schneider die englische Komödie bearbeitet, mit viel Sinn für Zürcher und Berner Wortspiele angereichert und seine Gruppe aus bekannten Gesichtern wie Viola Tami, Maja Brunner, Vincenzo Biagi, Daniel Bill, alles Künstler, denen die grosse Karriere verwehrt bliebt, aber im Volkstheater gut aufgehoben sind, spielen die endlosen Pointen gut. Mit der Leiche, gespielt von Richard Bucher, hat „Ausser Kontrolle“ auch ein Monty Python Element und Erich Vock ist nicht nur als Regisseur ein grosser Wurf gelungen sondern er spielt im zweiten Teil mit seinem komischen Talent so richtig auf. Für seine Leistung und die Philippe Roussel, der eigentlich die ganze Zeit auf der Bühne ist und spricht, gab es am Schluss vier Vorhänge.
„Ausser Kontrolle“ im Bernhard Theater ist eine Komödie für die sich der Weg auch aus einem anderen Kanton in die Zwingglistadt lohnt, dann, wenn einem wieder Steuerrechnung oder das Abstimmungsresultat, die Flüchtlingspolitik und das Geschwätz aus Bundesbern auf den Wecker gehen und es nur ein Mittel dagegen gibt, darüber lachen.

Weitere Informationen zum Theater hier

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