Alptraum – Manuel Lobmaiers Film über die Schwierigkeiten zurück zur Natur und dem Zwischenmenschlichen

Der Walliser Filmer und Künstler Manuel Lobmaier wollte für sein Erstlingswerk „Alptraum“ weg von der Zivilisation, doch der Aufenthalt auf der Alp mit seinem Freund Robin wurde wegen dem Wetter, einer Schafhirtin und Krankheit und Tod von Tieren zu einer Belastungsprobe für Körper und Seele. Ein Alpfilm, ab dem 9. März im Kino, der das Ueberleben in den Schweizer Bergen schonungslos ehrlich zeigt.Vorab gibts exklusiv Vorpremieren!

Im Gegensatz zu Deinem Film “Alptraum” wurden gerade einer anderen  Glitzerwelt die Oscar verliehen. Hast Du im Pyjama die Verleihung nachts , wo ja auch Deine Filmkollegen nominiert wurden, mitverfolgt oder bist Du eher ein Einzelkämpfer im Schweizer Filmgeschäft?

Ich hab die Verleihung nicht wirklich mitverfolgt, interessiere mich eher für das, was ich in meiner unmittelbaren Umgebung beobachte. (Auch ist mir die Welt der Oscars eher suspekt – auch wenn die nominierten Schweizer Filme ihren Erfolg verdient haben. Drum wäre die Antwort wohl eher „Einzelkämpfer“ – auch wenn ich durchaus vernetzt bin.
 
Du bist 1981 im Adliswil nahe Zürich geboren worden, sprichst aber seit dem Besuch und dem Bachelor 2009 an der Kunstschule Sitten Walliserdeutsch. Da wären doch die Berge schon viel früher näher gewesen, um eine Beziehung zu ihnen aufzubauen, warum erst jetzt Dein Trip über Monate auf die Alp?

Ich habe eine sehr enge Beziehung zu den Bergen, bin in ihnen grossgeworden und habe viel Zeit in ihnen verbracht: am Klettern, Bergsteigen, Meditieren und Gleitschirmfliegen. Ausserdem hatten meine Eltern Milchschafe, die wir bereits als Kind auf die Alp brachten… vielleicht kommt von diesen frühen Kindheitserinnerungen meine Affinität zur Alp.



Du bist wie Thomas Rickenmann, Filmer von “Alpzyt” beim gleichen Verleiher. Waren die eher konservativen Filme des Ostschweizers der Auslöser zu Deiner 4 Monaten Dokumentation “Alptraum”, der nüchtern daherkommt oder der Wunsch das Zivilisationskostüm abzuwerfen oder die Männerfreundschaft zu Deinem Kollegen Robin auf die Probe zu stellen?

Als ich damals auf die Alp ging, hatten Robin und ich grosse Lust einen Film zu machen, allerdings zweifelte ich, ob die Erlebnisse unseres gemeinsamen Sommers für ein grösseres Publikum interessant sein könnten.
Robin war da viel zuversichtlicher, er sagte so etwas wie: «Es gibt so viel oberflächliche Alpfilme. Selbst was uns banal erscheint ist für ein solches Publikum interessant weil der Kosmos Alp an sich interessant ist.»
Damals glaubte ich ihm nicht… es gibt sogar die Anektote, wo wir beide im Postauto sitzen; damals, Mitte Mai auf dem Weg zur Alp… und wir darüber stritten, ob wir jetzt einen Dok-Fic oder einen Dokumentarfilm drehen wollten. Wir stritten im öffentlichen Bus, auf dem Weg hoch zu unserer gemeinsamen Alp. Man muss sich das mal vorstellen. Eigentlich hat unser Alpsommer so angefangen.
Jetzt seh ich ein, dass Robin recht gehabt hat – allerdings ahnte ich damals nicht, was uns in diesem Sommer noch alles erwartete. Es war echt ein verrücktes Setting… und alle Elemente eines Hollywoodfilmes waren vorhanden: Eine Aufgabe, ein starker Wunsch, ein Lernprozess, Verdrängung und Auflehnung gegen das Schicksal. Kampf mit dem Freund. Und mit der schönen Schafhirtin der Nachbaralp hatten wir auch noch eine Liebesgeschichte im Film. Wie Hollywood halt, nur echt.
Als ich in Solothurn zum Publikum sagte: „Es braucht einen Alpfilm der endlich abschliesst mit dem Klischeebild“ hat das Publikum ganz unerwartet geklatscht. Das ist schön.
Allerdings möchte ich nicht einen Film machen in Reaktion auf andere Filme, sondern ein authentisches Werk schaffen, das für sich selbst steht. Und ich finde mit Alptraum ist das gut gelungen. Und wenn ich die begeisterten Reaktionen des Publikums sehe, die täglich steigenden Zuschauerzahlen an der Vorpremiere in Zürich… dann kann ich es kaum fassen – auch wenn ich immer irgendwie an den Film geglaubt habe.


 
Warum hast Du vor Deinem Alpaufenthalt keine Kurzlehre bei einem Bauern gemacht sondern bist mit einem Handbuch unter dem Arm auf die Alp gestiegen?

Was der Film verschweigt: Auch Robin kam aus einer Kleinbauernfamilie (wie auch bei mir mit Hippie-Tendenzen) und hat ein Jahr vor dem „Alptraum“-Sommer mehrere Wochen aus unserer Alp gearbeitet. Durch diesen Umstand kamen wir an diese Alp.
Ich glaube, auch wenn Robin und ich miteinander klargekommen wären, hätten wir die Alp wohl ganz gut meistern können – selbst in einem solch verregneten Sommer


Die Beziehung zur Natur, den Kühen ist das eine, aber Du hast als Beziehungsmensch trotz Freund, mehr mit der Einsamkeit zu kämpfen, scheint mir, den “Alptraum” ist kein “Brokeback Mountain”?

Ich habe „Brokeback Mountain“ nicht gesehen. (Ist das der Film mit einem schwulen Menschen in der Natur?) Ehrlich gesagt, hatte ich auf der Alp nicht im Geringsten mit der Einsamkeit zu kämpfen, im Gegenteil, sie war meine Erlösung! Wie glücklich war ich plötzlich, wenn Robin wieder für eine Nacht bei der Nachbarhirtin war. Dann hatte ich die Alp für mich und musste nicht wegen jeder Kleinigkeit diskutieren. Es war wie eine unglaubliche Befreiung wenn er weg war. Ein Gefühl von: jetzt kann ich endlich wieder mich selbst sein. Dass mein 6-wöchiges zähes Kranksein jeweils dann besser wurde, wenn er weg war, spricht für sich.
Nun ist ein Jahr vergangen seit Deinem Alpaufenthalt, was hast Du mitgenommen und wie hat sich Dein Charakter verändert seit dann?

Das Auseinanderbrechen unserer 15-jährigen Freundschaft hat uns sicher beide geprägt, Robin wohl ebenso wie mich. Wir waren uns so nah gewesen! Aber als Mensch verändert man sich und lebt sich auseinander. An Konflikten wächst man, aber das braucht Bereitschaft zur Verarbeitung – und dann zum Loslassen.
“Alptraum” wird in Deinem Leben als Musiker und Drehbuchautor und Filmer ein Extrem sein, was für Projekte stehen dieses Jahr an?
Ich möchte in einem Rail-Roadmovie erforschen wieso Frankreich in 100 Jahren über zwei Drittel seiner Eisenbahnlinien stillgelegt hat – während die Schweiz heute mehr Normalspur-Eisenbahnkilometer hat als je zuvor. Anhand der Eisenbahn kann man sehr gut die unterschiedliche „Funktionsweise“ beider Länder beleuchten.
Das wird ganz ein anderer Film werden als „Alptraum“, aber ich versuche auch dort den Humor und die Frechheit beizubehalten. Jetz muss ich nur noch meine Produzenten überzeugen, sich nochmals mit mir ins Abenteuer zu wagen [lacht].
Es gibt folgende Vorpremieren mit der Anwesenheit von Manuel Lobmaier
2.3.2017 bis 8.3.2017 12.15 Uhr  Bern Cinemovie 1
03.03.2017 – 20:15 Uhr – BERN, CineMovie 1
06.03.2017 – 20:30 Uhr – GSTAAD, CineTheater
11.3.2017 17.30 Gstaad CineTheater
12.3.2017 Gstaad CineTheater
07.03.2017 – 20:30 Uhr – BRIG, Kino Capitol
08.03.2017 – 20:15 Uhr – SIGNAU, Kino Roxy
09.03.2017 – 20:15 Uhr – LANGENTHAL, Kino Scala

   Weitere Infos zum Film hier

und Manuel Lobmaier hier 

 

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