Kunstmuseum/Klee Museum Bern – Die Revolution ist tot – lang lebe die Revolution!

Auch weil Lenin bis im Februar 1916 im Berner Länggassquartier lebte und in der Stadtbibliothek sich seinen revolutionären Schriften widmete, ist der Bezug zum 100. Jahrestag der russischen Oktoberrevolutionen gegeben. Das Kunstmuseum und das Paul Klee Museum in Bern zeigen unter dem Titel „Die Revolution ist tot. Lang lebe die Revolution!“ bis zum 9. Juli Einblicke und Folgen der russischen Revolution in einer nicht so leicht zu verdauenden Doppelausstellung.

Im Oktober 1917 veränderte die Revolution die russische Gesellschaft, den Menschen und die Natur nachhaltig. Doch wer den Ausstellungsraum des Kleemuseums betritt, sucht den Menschen vergebens.Kasimir Malewitsch ist der erste von vielen Namen, die beide Museum mit Dutzenden von Gemälden zeigen und er ist der Vorläufer der russichen Avangarde. Seine Kleinformate mit ihren geometrischen Formen und Linien wirken wie künstlerische aufgemotzte Architektenpläne. Architektur und Design, kalt und unnahbar sind auch im Rest des Saales in den übrigen Gemälden und Installationen zu finden. Alles ist sehr abstrakt und die Folgen dieser russischen Kunst in Europa wird mit einer Ecke Bauhaus aus Deutschland festgemacht.Die gegenstandslose Bildsprache kommt ohne Wort und Gefühl aus und laesst einem etwas ratlos zurück.

 

Das Plakat war für die Verbreitung des sozialistischen Gedankenguts wichtig. Ueberall auch in der Provinz verlangte die Sowjetmacht von den Künstlern, dass sie die kommunistische Erziehung des Menschen abbilden. Im Erdgeschoss des Kunstmuseums Bern ist deshalb auf den Grossformaten der Mensch als Dienstleister des Kommunismus als Bauer, Arbeiter, Parteiführer als Mittel zum Zweck der Propaganda abgebildet.
Doch jeder weiss, die Revolution frisst ihre eigenen Kinder und das Bild- und Videomaterial im Obergeschoss des Kunstmuseums ist brutal, den es zeigt, die Folgen an Natur und Mensch dieser Utopie. Da baden Russen in einem See, der voller Bauschutt und Seifenwasser ist oder zeigen die Fotos die Opfer des Russenstaates, die verwahrlost an Körper und Seele sind. Die Kamera von Boris Mikkaliov hält alles fest und es hat was von Weltuntergang, Verlorenheit, Endstation. Es ist aber auch ein Zeichen für den Mut, den Künstler während und nach der Aera Gorbatschows aufbrachten und sich kritisch mit dem System auseinandersetzten.
Die beiden Ausstellung in Bern zur Revolution gehen zwar der aktuellen Putinzeit und der Antwort der Künstler darauf aus dem Weg, aber belegen, wie die Ideologie der russischen Revolution zu einer Tragödie für das russische Volk wurde, dessen Wunden bis heute bluten.
 
 
Weitere Informationen zur Ausstellung
Bildlegenden:
1
Komar & Melamid
The Origins of Socialist Realism (aus der Serie Nostalgic Socialist
Realism), 1982 – 83
Öl, Tempera auf Leinwand, 183,5 x 122 cm
Collection Zimmerli Art Museum at Rutgers University. Norton and
Nancy Dodge Collection of Nonconformist Art from the Soviet Union
© the artists
2
Kasimir Malewitsch (1878 – 1935)
Suprematistische Komposition (mit gelben, orangen und grünen
Rechtecken), 1915
Öl auf Leinwand
44.5 x 35.5 cm
Collection Stedelijk Museum Amsterdam, Ownership recognized by
agreement with estate of Kazimir Malevich in 2008
3
Alexander Samochwalow
Textilfabrik, 1929
Öl, Tempera auf Leinwand, 68 x 98 cm
Staatliches Russisches Museum, St. Petersburg
© 2017 ProLitteris, Zürich
4
Wolfgang Mattheuer
Die Flucht des Sisyphos, 1972
Öl auf Hartfaser, 96 x 118 cm
Galerie Neue Meister, Staatliche Kunstsammlungen Dresden
© 2017 ProLitteris, Zürich

Kommentar:

Guten Tag Herr Kilchherr,

herzlichen Dank hierfür!

Beste Grüsse

Marie Isabel Meyer

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