Die Stunde der Gartenvögel von Birdlife und wie es den Himmelsflieger geht

Amsel, Drossel, Fink und Star – alle Vögel sind schon da. So oder ähnlich tönt das bekannte Lied und vom 5. -7. Mai veranstaltet der Dachverband der Natur- und Vogelschutzvereine Birdlife Schweiz eine Stunde der Gartenvögel. Was diese Stunde will und wie es den Gartenvögel bei den schwierigen Wetterbedingungen der letzten Tage geht, weiss Christa Glauser, Stellvertretende Geschäftsführerin von Birdlife.


Christa Glauser, vom 5. – 7.Mai veranstaltet BirdLife Schweiz die Stunde der Gartenvögel. Was muss der Einzelne tun, um da mitzumachen und was will das Projekt?

Die Stunde der Gartenvögel ist eine Beobachtungsaktion von BirdLife Schweiz. Jedermann oder Frau kann eine Stunde lang in seinem Garten oder in einem Park Vögel beobachten und diese BirdLife Schweiz melden unter dem Link auf unserer homepage.
Gleichzeitig sollen auch Angaben gemacht werden zur Gestaltung des Gartens oder Parks. BirdLife Schweiz wertet die Daten dann aus. Einerseits wird ersichtlich in welchen Gärten welche Vogelarten vorkommen, andererseits zeigen sich auch Veränderungen über die Jahre hinweg.

Gartenvögel sind Boten des Frühlings, der mit Frost, Schnee, Regen und Minustemperaturen dieses Jahr nicht richtig gestartet ist. Wie haben die Gartenvögel draufreagiert und gab es Jungvögelverluste? 

Einige Arten wie Amseln und Haussperlinge haben wegen des warmen Februars und März bereits sehr früh mit Brüten begonnen und haben bereits flügge Jungvögel. Andere Arten sind eben erst aus dem Winterquartier zurückgekommen. Im Mittelland dürfte sich das Wetter nicht stark auf die Jungvögel auswirken. In den Voralpen dürften einige Arten später mit Brüten anfangen. Verliert ein Vogelpaar zum jetzigen Zeitpunkt Jungvögel, so machen sie häufig ein Nachgelege.

In der Nähe des Naturschutzzentrums La Sauge, das BirdLife Schweiz betreibt, liegt der Mont Vully, wo Rebbauern 90% der Ernte durch den Frost verloren, was manchem Winzer zum weinen brachte. Können eigentlich Gartenvögel auch Gefühle wie Trauer ausdrücken, wenn ihnen das Wetter oder andere Umwelteinflüsse ein Junges getötet hat?

Ob kleinere Vogelarten Gefühle haben ist umstritten und schwierig nachzuweisen. Bei grösseren Vogelarten wie Schwänen und Gänsen und Rabenvögeln sind Verhaltensweisen bekannt, welche als „Trauer“ interpretiert werden können.

Das Bienensterben wird durch Pestizide verursacht und zu wenig Blumen als Nahrungsgrundlage der Tiere. Was hat neben dem verdichteten Wohnungsbau im  Mittelland  die Gartenvögel verdrängt?

Vögel brauchen einen Nistplatz und Futter. Gerade im Siedlungsraum hat sich der Gartenbau in den letzten beiden Jahrzehnten stark gewandelt. Es werden kaum mehr einheimische Büsche und Bäume gesetzt und es gibt auch öfter nur noch Rasenflächen oder gar Steingärten. Damit verschwindet aber die Vielfalt an Insekten, Früchten, Beeren und Nüssen, welche Vögeln als Nahrung dienen. Zudem werden bei Renovationen alle Lücken in Dächern verschlossen und Neubauten weisen oftmals keinerlei Brutmöglichkeiten mehr auf. Das führt dazu, dass selbst häufige Arten wie z.B. Haussperlinge um bis zu 20-40% in ihrem Bestand abnehmen.

Heute ist nicht mehr die Katze der Gartenvögel grösster Feind sondern der Stress durch den 24 Stunden-Betrieb des Menschen. Werden heute Gartenvögel weniger alt als früher und wie schlafen Vögel?

Es gibt keine Untersuchung, ob Gartenvögel weniger alt würden als früher. In der Regel werden kleine Vogelarten nur 3-4 Jahre alt, einige wenige davon können auch mal 6-10 Jahre alt werden.Vögel schlafen an einer geschützten Stelle, z.B. in einem dichten Busch. Sie sind vom ersten Licht am Morgen bis zum letzten Licht am Abend aktiv, einige Arten auch in der Nacht. Da Vögel auch Nachts nicht vor Feinden sicher sind, schläft oftmals ein Teil des Hirnes nicht, damit sie sofort reagieren können, falls sich z.B. ein Marder oder eine Katze anschleichen.

Das Naturreservat La Sauge in Cudrefin am Neuenburgersee und auch das Auried in Bösingen sind ideale Standorte um grössere Vögel zu beobachten im Seeland. Was haben Sie dieses Jahr in La Sauge für eine Ausstellung bereit?

Im BirdLife-Naturzentrum La Sauge ist dieses Jahr eine neue Ausstellung über den Flug der Vögel zu sehen. Ebenso spannend sind aber in dieser Zeit auch die Beobachtungen aus den Hides, den speziellen Beobachtungshütten. Sowohl Eisvogel wie auch Biber sind regelmässig zu sehen, nebst anderen Vogelarten. Bald singt auch die Nachtigall wieder.

 

Was kann der Einzelne im Garten für die Vögel tun ausser einen Nistkasten aufzustellen und welche Projekte hat BirdLife Schweiz dieses Jahr zum Schutz der Vögel sich vorgenommen?

Auf dem Link Siedlungsraum unser Internetseite finden sich ganz viele Tipps, wie ein Garten für Vögel und andere Tiere gestaltet werden kann.
Bei BirdLife Schweiz läuft zurzeit die Kampagne Biodiversität im Siedlungsraum: Natur vor der Haustür. Dieses Jahr ist der Schwerpunkt bei Wasser im Siedlungsraum.

Weitere Informationen zu Birdlife und der Stunde der Gartenvögel hier

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s