Swiss Popart im Kunsthaus Aargau

 

Ob Sprayer oder Kunstkenner bei Popart denkt jeder an die bunten Dosensuppen im Siebdruckverfahren von Andy Warhol. Das die Bewegung auch Schweizer Künstler von Rang und Namen hervorbrachte, belegt die aktuelle grosse Ausstellung bis zum 1. Oktober im Aargauer Kunsthaus.

Nachdem Wirtschaftswunder der 50ier Jahre wurde das Haben unserer Eltern oder Grosseltern bunt. In der Garage leuchtete der KäferVW rot, in der Küche die Tuperware grün, in der Stube das Fernsehtischli violet und die Bravos und Poster im Kinderzimmer hatten von allen Farben etwas. Werber ,Designer, Modeschöpfer machten sich die Popbewegung in der Musik zu nutze und färbten Alltagsgegenstände farbig. Der soziale und private Raum wurde durchgestylt auf amerikanisch. Das blieb auch Schweizer Künstler nicht verborgen. Doch anders als Andy Warhol oder Roy Lichtenstein in New York griffen sie nicht nur zur Spraydose oder Siebdruck sondern malten wie Markus Müller aus Boniswil mit Oel Autos im Grossformat
Der Star der Popartbewegung in der Schweiz Mitte der sechziger Jahre, der noch heute leuchtet mit eigenem Museum in Burgdorf, ist Franz Gertsch aus Mörigen. Er beginnt als Leser von Popzeitschriften Fotografien als Bildvorlage für seine Gemälde und Collagen zu verwenden. Die Rolling Stones waren seine Lieblingsgruppe und ihre Umrisse in wenigen aber ausdrucksstarken Farben hängen an den Wänden der zahlreiche Räume umfassenden Ausstellung im Kunstmuseum Aarau.
Mag die Popart als eine der wichtigsten internationalen Kunstströmungen der Nachkriegszeit angesehen werden, so zaubern die Tomaten- und Puddigabbildung von Peter Stämpfli aus Diesswil aus heutiger Sicht nur ein müdes Lächeln hervor, den wir haben uns an das bunte Design im Alltag, in der Werbung, auf der Verpackung gewöhnt, was nichts anderes heisst, als Popart hat den Sprung aus den Ateliers ins Leben des Volkes geschafft und die Sichtweise verändert.
Drei Sprachgegenden der Schweiz sind mit Künstlern in der Ausstellung vertreten und der Aarauer Max Matter arbeitete auch mit Plexiglas und Hintergrundbeleuchtung, während Markus Raetz aus Bern Figuren aus Holzfaserplatten sägte und bunt anmalte.
Neben der Ausstellung, für die man sich gut eine Stunde, wenn nicht mehr Zeit nehmen sollte, veranstaltet das Aargauer Kunsthaus diverse Veranstaltungen wie das Künstlergespräch mit den Urgesteinen der Szene vor Ort im Ziegelrain Max Matter und Markus Müller am 28. Juni 10 Uhr oder ein Konzert zum 55jährigen Bandjubiläum von Les Sautrelles am 1. September 20 Uhr.
Und ohne die Kraft der Musik wäre auch die Swiss Pop Art nie entstanden, die uns wie am Aarauer Bahnhofplatz, wo ein Flüchtling eine rote Plastiktulpenknospe als Stuhl öffnet und sich daraufsetzt, bis heute über den Weg läuft und den grauen Alltag bunter macht.

Weitere Informationen zur Ausstellung hier 

Bildlegend
1
Markus Müller, Lahco, 1970
Öl auf Baumwolle, 150 x 165 cm
Aargauer Kunsthaus, Aarau
Foto: Brigitt Lattmann
2

 

Rainer Alfred Auer, B.B. / objekt, 1968
Kunstharz, 61 x 71 x 54 cm
Leihgabe von Christian und Beatrice Auer
Foto: Primula Bosshard
3

 

Markus Müller, Fulvia, um 1968
Öl auf Baumwolle, 150 x 200 cm
Aargauer Kunsthaus, Aarau
Foto: Brigitt Lattmann
4
Peter Stämpfli, PUDDING, 1964
Öl auf Leinwand, 146 x 165 cm
Aargauer Kunsthaus, Aarau
Ankauf ermöglicht durch die UBS Kulturstiftung
Foto: Archiv P.S.
5
Max Matter, Schloss Chillon, 1968
Spray auf Kellco, 121.3 x 150 x 1.8 cm
Aargauer Kunsthaus, Aarau / Schenkung aus dem Nachlass Robert Beeli

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