Peter Beck über den Thriller Korrosion und wie er in Bern lebt

IMG_0005 (2)In Bern-Bethelm wird eine alte Frau an Weihnachten erschlagen. Sie hinterlässt ein Millionerbe und die Anklage, dass eines ihrer Kinder für den Tod ihres Mannes verantwortlich sei. Ist der untergetauchte Verdächtigte auch für den karamallisierten Bäcker verantwortlich? Schriftsteller Peter Beck über seinen zweiten Thriller „Korrision“ und sein Leben an der Aare.

 

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Peter Beck, KORROSION ist ihr zweiter Thriller und er überrascht mit einer anderen Seite von Ermittler Tom Winter, der nicht wie im Erstling 007 Eigenschaften hat, sondern von Bern-Bethlehem aus einen Mord an einer einsamen Alten an Weihnachten aufklärt. War das weniger Wechseln zwischen internationalen Schauplätzen zugunsten der Psychologie, deren Kenntnisse Sie im Studium erworben haben, beabsichtigt oder ergab es sich während des Schreibens um die Weiterentwicklung Winter aufzuzeigen?

Das war beabsichtigt. Tom Winter, der im Zentrum der Reihe steht, ist Sicherheitschef einer Privatbank, eine in der Krimilandschaft einmalige Rolle. So kann ich ihn in der ganzen Welt herumschicken und mit unterschiedlichsten Problemen konfrontieren.

In KORROSION wollte ich die Charaktere, die Psyche der Protagonisten mehr in den Vordergrund rücken. Winter muss deshalb eine tragische Familiengeschichte aufarbeiten, die ihm einiges an psychologischem Gespür abverlangt. Als Leser sitzt man dabei quasi in seinem Kopf und versucht mit ihm die Motive Schicht für Schicht zu ergründen.

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Der Titel des Buches umschreibt das Rosten, was auch für eine Metapher gehalten werden kann, nehme ich an. Vielleicht sogar für die momentane Weltordnung, die durch die Flüchtlingswelle bröckelt und mit dem Sudanesen haben Sie ja auch die aktuelle Flüchtlingswelle miteinbezogen? 

KORROSION soll das Bild von Rost heraufbeschwören, von Säure, die eine glatte Oberfläche zerfrisst. Das steht tatsächliche sinnbildlich für einige meiner Protagonisten, die im Thriller von ihrer Vergangenheit innerlich zerfressen werden.

Korrosion ist ja ein eher langsamer Prozess, physikalisch, wie auch gesellschaftlich. Werte wie ’Freiheit’, ’Respekt’ oder ’Hilfsbereitschaft’ müssen – wie ein Schiff – gepflegt werden. Das gilt für Partnerschaften, bei der Arbeit oder die Gesellschaft. Vernachlässigt man das, kommt es garantiert zu Problemen – und das Schiff sinkt. Da drückt auch mein Brotberuf durch. Ich unterstütze u.a. Organisationen bei Wertediskussionen. Aber eigentlich ist es ganz einfach: Wenn das Arbeitsklima stimmt, dann arbeiten wir gerne und gut.

Als Autor darf ich übrigens beim Titel nur Vorschläge machen. Das letzte Wort hat der Verlag. Zum Glück waren wir uns bis jetzt noch immer einig.

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Als Schreiber sind Sie nie so mutig wie ihr Romanheld. Begannen Sie Thriller zu schreiben aus Zweifel am Mensch über seine dunkle Seite und haben über das Schreiben den Umgang damit gelernt und die Ohnmacht abgebaut?

Ich bin ein grosser Optimist! Ohnmächtig fühle ich mich nur selten, denn ich glaube an das Gute im Menschen. Die allermeisten Menschen sind anständig und wollen sich um ihre Lieben kümmern. Aber selbstverständlich darf man nicht naiv sein, sondern muss mit einer gesunden Portion Skepsis durch die Welt gehen.

Warum ich mit dem Schreiben von Thriller angefangen habe, weiss ich nicht. Seit meiner Kindheit verschlinge ich Krimis. Wahrscheinlich wollte ich es einfach einmal selber versuchen. Und als sich die Gelegenheit bot, habe ich mich hingesetzt und versucht, spannende Unterhaltung zu schreiben.

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Neben der Spannung macht ja auch Korrosion nicht Halt vor brutalen Verbrechen wie dem gebackenen Bäcker. Ist der Blick in die Boulvardpresse am Morgen für Sie Pflicht als Inspirationsquelle oder eher deprimierend, wenn Verbrecher schon wieder eine noch verrücktere Tat als Sie sich für Ihr Buch ausdachten, verbrochen haben?

Viele Leser lieben es, wenn es sie ab und zu ein bisschen schaudert. Eingekuschelt auf dem Sofa lässt man (und frau) sich ja gerne in andere Welten entführen.

Und ja, die Wirklichkeit überholt die Fiktion tatsächlich immer wieder, im Positiven wie leider auch im Negativen. Persönlich lese ich – da ich nicht von einer Ideologie geblendet werden will – querbeet und eher emotionslos durch möglichst verschiedene Medien.

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Sie sind John le Carré Fan und lesen auch Nordländer wie Adler Olsen, die von sich sagen, dass ihre Bücher auch als Literatur gelesen werden kann. Nun Korrosion ist geschrieben wie ein Film, spannend aber nicht literarisch, was wohl auch der Grund dafür ist, dass Sie nicht an den kommenden Solothurner Literaturtagen lesen. Wurmt Sie die mangelnde Akzeptanz der Schweizer Schreibszene, obwohl Sie erfolgreich sind?

Ich bin tatsächlich ein Fan von John Le Carré und der Skandinavischen und Schottischen Thriller und ich versuche von jedem gelesenen Buch etwas zu lernen. Das ist sozusagen vergnügliche Weiterbildung.

Schreiben tue ich primär für Leser, die zur Unterhaltung am Feierabend oder in den Ferien spannende Thriller lesen wollen. Mein literarischer Anspruch besteht deshalb darin, Bücher zu schreiben, die unterhaltend, flüssig und spannend sind.

Austauschen tue ich mich vor allem mit Krimiautoren aus der ganze Welt. Gerade war ich ein paar Tage an der Criminale in Graz, wo sich etwa 250 Krimiautoren getroffen haben. Da habe ich gelesen und Fortbildungen wie „Schlösser knacken“ oder „Verhörtechniken“ besucht.
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Sie haben den schwarzen Gürtel im Judo und eine eigene Beratungsfirma für Unternehmerkultur in Bern. Wie muss ich mir die letzten drei Jahre seit dem Debut bis zu Korrosion vorstellen: Morgens Termine, nachmittags Haushalt und abends bis Mitternacht schreiben? Kann Peter Beck auch an der Aare entlanggehen und abschalten?

Glücklicherweise kann ich gut abschalten. Ich spaziere und jogge oft durch den Wald und der schönen Aare entlang. Für mich ist es ein Luxus, dass ich mein eigener Chef bin und meine Tage oft selber einteilen kann.

Da ich vor allem Projekte mache, würde ich eher von längeren Phasen sprechen. Manchmal arbeite ich wochenlang fast nur an einem Kundenprojekt und komme nicht zum Schreiben. Dann gibt es wieder Zeitfenster in denen ich mich einige Wochen vor allem dem Schreiben widme.

Am Abend spät oder in einem zerhackten Tag schnell, schnell noch eine Stunde schreiben, liegt mir nicht. Da leidet die Qualität, denn zum Schreiben brauche ich einen freien Kopf. Deshalb versuche ich oft Sport zu machen und draussen zu sein.

Nähere Informationen zum Autor hier 

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