Milan Tinguely – Ein Atelierbesuch beim abstrakten Maler vor der Ausstellung in Murten

Zwanzig Minuten von Freiburg entfernt wohnt das zweite von drei Kindern vom Bildhauer Jean Tinquely im Glanebezirk bei Neyruz. Bei Eistee und Gipfeli öffnete Milan Tinquely sein Atelier und sprichtg über die abstrakten Gemälde für seine kommende Ausstellung in der Art-Galerie in Murten ab dem 30. Juni.

Milan Tinquely, wir sitzen hier im Garten Ihres Hauses bei hohen Temperaturen Ende Mai. Sie wirken sehr entspannt mit ihrer E-Zigarette. Ist schon alles bereit für die kommende Ausstellung in Murten und welche Aspekte Ihres Schaffens zeigen Sie?
 
Nach rund einem halben Jahr Vorbeitung in meinem Atelier unter dem Dachstock sind meine abstrakten Gemälde, die noch überall im Haus verteilt sind, zwar gerahmt, aber ich habe sie noch nicht mit dem Galeristen Niklaus Gilgen ausgesucht. Da es sich um eine Dauerausstellung handelt, wo auch nach dem Ausstellungende ab dem 20. Juli einiges hängen bleibt, wird es eine Mischung aus Alten und Neuem geben.
Mittlerweile sind wir im Atelier Ihres umgebauten Hauses aus dem Jahr 1844 und mir scheint als würden sie heute als 44 Jahre alter Mann weniger kräftig und wild malen als früher?
 
Ich male schnell, gehe einer Idee meist morgens oder nachts, weniger nachmittags nach und es schient als wären die neuen Bilder mehr komponiert und oft lasse ich den Hintergrund nun weiss oder male ihn sehr dezent. Früher waren da kräftige Töne.
Malen, das ist für mich wie ein Energie von oben, die in meine Hände fährt und dann geht es los. Ich habe auch keine Angst Fehler zu machen, ich will einfach sehr spontan und zielgerichtet an die Sache rangehen. Immer tönt im Hintergrund dazu Musik wie jene von Miles Davis oder anderen.Ich male in Acryl mit Pinsel und wenig mit dem Spachtel. Die Malerei kostet schon Kraft, man muss sich anstrengen, den sie kommt direkt aus dem Bauch, aus dem Inneren. Ich gebe den Bildern eigentlich keine Namen, aber Galerien lieben es, also muss ich erst später überlegen, wie ich ein abstraktes Bild nenne.
War das Finden eines eigenen Lebenssinnes schwierig für Sie bei so einem berühmten Vater und der Oeffentlichkeit, die einem dauernd beim Heranwachsen zuschaut?
 
Ich bin nun seit 14 Jahren Maler und habe erst mit Farben zu arbeiten angefangen als meine Vater tot war. Vorher habe mit Film und Foto gearbeitet. Ich habe aber nie Skulpturen gemacht und habe mir die Malerei als Audiodiakt selber beigebracht. Meine Schwester malt auch. Ich liebe es die Tradition des Malens aufrechtzuerhalten.
 
Welche Charaktereigenschaftenm unterscheiden Sie von Ihrem Vater, der mir immer ein wenig machohaft rüberkam, aber bei den Freiburgern sehr beliebt war?
 
Mein Vater war sicher sehr wild und impulsiv, er nahm Raum ein, wie man sagt und hat nach aussen gelebt, die Oeffentlichkeit gesucht. Ich bin zwar als Maler, auch einer der gerne schnell arbeitet, aber sonst doch ein ruhiger, stiller Typ, der sich zurücknehmen kann.
Sie haben einem Facebookaccount, Handy und Internet, aber noch keine eigene Seite. Hat die digitale Revolution, in der wir stecken, Îhre Sichtweise verändert?
Malerei und Internet sind zwei verschiedene Betrachtungsweisen auf das Leben und den Menschen. Ich denke nicht, dass das Internet einen Einfluss auf die Malerei hat und die Leute nachwievor den Geist, den ein Bild ausstrahlt, bei Ausstellung geniessen. Für mich als abstrakter Maler sind ja auch die Begegnungen mit den Besuchern an Vernissagen sehr interessant, da gerade die abstrakte Malerei, die Leute auf das Kind in sich zurückwirft und sie spontan sagen, was sie sehen, was oft sehr von dem abweicht, was ich dachte bei der Entstehung.
Was macht ein Milan Tinquely in seiner Freizeit oder kennen Sie das Wort gar nicht?
 
Ich habe eine Freundin und wenn man ländlich wohnt, geht man da auch in Restaurant einen Kaffee trinken. Ausserdem gibt das Haus mit seinen Bäumen und Rasen zu tun. Die schwarze Katze besucht mich, wenn ich auf dem Sofa lese oder Musik höre. Meine Bücherwand ist neben den Bildbänden auch mit deutschen Autoren wie Goethe, Hesse oder Rilke gefüllt. Ja und dem Nitzsche und seine Philosophie bin ich nicht abgeneigt. Ich besuche aber auch Ausstellung in Zürich und Frankfurt, wo ich schon ausgestellt habe und die kommende Art Basel, die für das Kontakt knüpfen gut ist.

Die Art Galerie Murten befindet sich an der Hauptgasse 21


Vernissage 30. Juni und 1. Juli

 

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