Falco in Bern – das Musical

Rund drei Monate nach der Premiere gastierte „Falco – das Musical“ von Regisseur Peter Rein im ausverkauften Kursaal Bern. Der exzentrische Wiener mit seinem Zynismus und Sinn für Wortspiele wie „Rock me Amadeus“ wäre dieses Jahr 60 Jahre alt geworden. Doch Helden sterben bekanntlich jung wie uns der 30. April wieder schmerzlich bewusst machte.

„Muss ich den sterben, um zu leben“ Out of the dark 

Keine zwölf Stunden nachdem die Berner Gemeinde Ringgenberg und die Schweiz einer ihrer bekannten Persönlichkeiten mit internationalem Ruf Ueli Steck am Himalaya bei einem Felsabsturz verloren hatte, war einer der ersten Sätze in „Falco – das Musical“: Was ist ein Leben ohne einen starken Abgang?“

Umweigerlich erinnerte man sich an den Berner Alpinisten, den wie der Berner Oberländer so war auch Johann Hoelzel alias Falco ein Mann, der stets das Extreme suchte und daran starb.

Johann Hoelzel wie Ueli Stark waren Männer, die einen inneren Kampf nach aussen trugen, der bei Falco bereits am Tag der Geburt begann, als er als einziges von Drillingen überlebte und später Musik machte, weil ihm seine Mutter einredete, er sei etwas Besonderes und er die Schreie seines Vaters beim Ehestreit nie mehr aus dem Kopf brachte und sie versuchte mit Musik und Alkohol zu „übertönen“,

Zwar war die zweite Besetzung der Hauptrolle Stefan Wessel beim ersten Blick eine Entäuschung, weil der dem ersten deutschen Rapper Falco nur bedingt ähnlich sah. Doch als gebürtiger Wiener hat er erstens die spezielle Aussprache des Deutschen drauf und zweitens als Musiker mit eigenem Tonstudio auch den Gesang, weniger die Raps. Als Schauspieler gelang ihm auch die besondere Haltung der Hände und die Exzentrik, wohl Falcos grösster Unterhaltungswert neben seiner Musik, gut rüberzubringen.

Eine übergrosse Leinwand und darunter die Liveband auf einem Podest mit druckvollen Sound und erst darunter die spielenden Schauspieler und Tänzer, so sah das Bühnenbild aus und es war der grosse Minuspunkt. Viele der über 30jährigen Zuschauer im ausverkauften Saal hatten grosse Mühe dem Hauptdarsteller Stefan Wessel zu folgen, da dieser oft hinter den zahlreichen Tänzer verloren ging und auch sonst schlecht siehtbar war. Das Bühnenbild beschränkte sich wie bei einem Theater auf wenige Requisten und war angesichts der vielen grossen Musicalproduktionen wie „Lion King oder die Schöne und das Biest oder Io senza te“, die in der letzten Zeit in der Schweiz gastierten mit ihren opulten Ausstattungen, mager.

Falcos Leben wurden von den Autoren Alexander Krebst und Stefanie Kock zwischen den 21 Liedern fast chronologisch in Häppchen von 5 Minuten bis zum nächsten Lied erzählt und aus der Sicht seines langjährigen Managers gespielt von Sebastian Achilles dargestellt.Es basierte auf den erschienen Biografien. Wirklich Neues gabs dabei nicht oder doch?

Mochte der erste Teil temporeich und extravagant sein, war der Höhepunkt im zweiten Teil „Jeanny“, ein Jahrhundertlied, das im Musical als Schrei eines einsamen Mannes nach Liebe und Vorwegnahme der grössten menschliche Tragödie im Leben von Falco gesehen werden kann. Waren die musikalischen Erfolge Ende 80er Jahre vorbei gewesen sein, das Rückrad hatte dem Mann die Tatsache gebrochen, als er erfuhr, dass er nicht der Vater seiner Tochter, seiner „Jeanny “ war. Von da an gabs mit Drogen, Alkohol und sich verlieren in Depressionen kein Halten mehr.

Wer mal in der Dominikanischen Republik an der Kreuzung in Puerto Plata war, wo Falco starb oder wie viele vermuten, sich das Leben nahm, erinnerte sich an seinen Satz aus den Anfangsjahren: Ich möchte wie James Dean sterben, auf der Fahrt an einer Kreuzung“. Im Musical wird der Unfall nur akustisch dargestellt.

Nach Amadeus in der Klassik hatten die Oesterreich mit Falco auch im Pop einen Star und beide hatten auf dem Weg nach oben etwas zurückgelassen, sich selbst, das zeigte das Musiktheater gut.

„Falco – das  Musical“ ist ein Poptheater mit sehr viel Musik, wenig Text und viel fürs Auge.

Dem Berner Publikum hats gefallen, es gab viel Applaus am Schluss.

Weitere Infos zur Musicaltournee hier

Alle Fotos wurden zur Verfügung gestellt von Marcel Klette, Stefan Wolf, Doiminik Gruss