Art Basel 2017 – Gegenwartskunst in/für Massen

Ein Kunstwerk hat dann seinen Zweck erfüllt, wenn es den Betrachter auf einen Monolog zwischen sich und dem Bild zurückwirft. Mit 291 Galerien, 20 Tausend Werken im Wert von einer Billion Franken präsentiert die 48. Ausgabe der Art Basel vom 15. bis 18 Juni 2017 Gegenwartskunst für ein Publikum aus Sammlern aus der Oberschicht und Betrachtern aus dem gemeinen Volk, die hier die Qual der Wahl haben diesen Monolog zu beginnen, wenn sie denn die Muse finden.

Auf die Frage, wie den die Art Basel den Kunstmarkt beieinflusse, sagte der ehemalige Journalist und seit 26 Jahren Direktor der Messe Marc Spiegler, er wisse es nicht. Neben der Venedig-Biennale und Documenta-Kassel versuche die Art Basel nicht den Fehler zu machen wie viele Auktionshäuser, die im vergangenen Jahr schlecht wirtschafteten weil sie den aktuellen Trends verschliefen sondern Basel wolle zeigen, wer und was momentan gefragt sei.
Der Kunstmarkt, diese Konstrukt, das man nirgends studieren nur durch lernen an der Nachfrage begreifen kann, wird zusehens von Sammlern aus Asien, die verstärkt Kunst kaufen und auch an der Art Basel mit Galerien präsent sind, geprägt.
 Doch so sehr der 48jährige Messedirektor und seit 30 Jahren Veganer die Kommunikation zwischen den Käufern und Galerien für die, die Art Basel gemacht wurde, betont, am Schluss muss er auch eingestehen, dass die Art Basel vorallem eines will, die Massen, das Volk unterhalten.
Der Unlimitedsektor gleich hinter dem Eingang vom Marktplatz besteht aus 76 grossfächigen Projekten. Monumentale Skulpturen, Videoprojektionen, Wandgemälde, Fotoserien. Hier wird Gegenwartskunst gezeigt, die nicht Schönheit als oberstes Credo sieht sondern mehr Fragen aufwirft, als sie beantworten kann. Heutige Kunst irritiert, es geht ihr nicht darum etwas Harmonisches zu schaffen, dass den Betrachter entspannt, sondern darum Dinge herzustellen, die provozieren. Die Amerikanerin aus Chicago Donna Huanca und ihre Performence Bliss (Realitycheck) ist ein gutes Beispiel dafür. Sie und eine Kollegin stehen nackt vor Skulpturen und bemalen sich mit Farben bis Mensch, seine Haut und das farbige Kunstwerk dahinter zu einem verschmilzen.
Klar sind auch dieses Jahr die 291 Galerien aus aller Welt die Stützpfeiler der Art Basel. Interessant, dass auch neu solche aus Kairo, Afrika und vorallem Asien anwesend sind, nachdem der Ableger der Baslerausstellung im Pazifikraum im letzten Herbst ein Hit war. Sowohl für den Bundesrat für Kultur Alain Berset wie seine Freiburger Bekannte Miss Schweiz Lauriane Sallin und all die anderen Sammler und Besucher war und ist dieser Sektor eine Art Dusche in Farben auf recht engem Raum und immer dabei ….
das Handy. Wie bei den Modeschauen oder Konzerten werden hier vom illusterem Publikum, das neben den Bildern mindestens so spannend anzusehen ist, die Kunstbilder auf den sozialen Kanälen geteilt und weltweit verbreitet. Die rasche Vermarktung und Aufmerksamkeit auf sich ziehen, macht wohl auch den Reiz und den Grosserfolg einer Art Basel beim Volk aus und vielleicht sogar zusehens bei den Käufern, den besondern die Asiaten kaufen lieber Trends als alte Klassiker. Mittlerweile ist gemäss Hauptsponsor UBS Präsident Jürg Zeltner Kunst mehr wert als Geld. Von den masslos überteuerten Bilderverkäufen profitiert an der Art Basel auch der Besucher. Den die xstelligen Zahlen für ein Werk eines jungen Künstlers, die hier über den Ladentisch gehen, heissen auch, eine Galerie kann sich ihren Auftritt in Basel nächstes Jahr wieder leisten.
34 Filme und Videowerke mit Bezug zu den aktuellen politischen Ereignissen des Terrors oder den Nord/Südkonflikt in Korea wie eine Auseinandersetzung mit der Liebe, dem Tod und der Unendlichkeit eines Andy Warhol Schülers laufen zum Teil ausserhalb wie im Stadtkino Basel.
Auch vor den Messetoren ist der Parcours mit 22 ortsspezifischen Kunstwerken rund um den Basler Münsterplatz. Superstar Ai Weiwei’s monumentale Skulptur „Iron Tree“ ermöglicht eine Beziehung zu Natur, Kultur, Geschichte und das Selbst zu reflektieren.
Wer nur aus den Hallen will, findet auf dem Basler Messeplatz einen interaktiven Jahrmarkt der Schweizer Künstlerin Claudia Comte mit Installation, die eher an Sport als Kunst erinnern oder doch wieder Kunst im Internet werden, wenn die die nichts können als sich selber zu vermarkten, ein Selfie machen und es auf Instagram posten.
Die Art Basel hat eine wichtige Funktion in dieser Zeit des Terrors und den globalen Veränderungen. Sie ist weniger, das was der Direktor Marc Spiegler sagt, eine Auseinandersetzung mit dem Zustand der Welt. Wer die Randstunden nutzt oder gleich um elf Uhr ansteht, findet nachdem Ganzkörperscan am Eingang in den Hallen der Art Basel wie in der ganzen Stadt Spielplätze der Fantasie, die beschwingt und glücklich machen, wenn man den bereit ist, sie an sich heranzulassen und mit den daraus entstandenen Gefühlen zu kommunizieren. Das kann sehr gut tun.

Weitere Informationen zur Art Basel hier

Noch einige Eindrücke

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