Der alleinstehende Mann – Wer ist das?

Ob am Sonntag alleine auf der Parkbank, am Montag in den Strassen, am Mittwoch im Schwimmbad, am Samstag im Supermarkt – der alleinstehende Mann wird nicht wahrgenommen und doch gibt es 123 000 Männer ohne Bindung alleine im Alter von 30 – 39 Jahren in der Schweiz und der Trend verstärkt sich. Sylvia Locher von Pro Single Schweiz hat einen Artikel über den alleinstehenden Mann – das unbekannte Wesen verfasst und gibt Antworten im Interview.

Eigentlich tritt der alleinstehende Mann nicht in Erscheinung. Sylvia Locher von Pro Single Schweiz, wo sind Männer dieEmanzipationsverlier in der Gesellschaft?

Ob Männer – verheiratet oder nicht – Emanzipationsverlierer sind, kann ich nicht sagen. Das müssen Sie die Männer fragen.

Bevor wir weiter über den Mann sprechen, was ist und will Pro Single Schweiz?

Pro Single Schweiz vertritt die Interessen der alleinstehenden Frauen und Männer in der Schweiz. Unsere Themen sind Sozialversicherungen, Steuern, Erbrecht und Einpersonenhaushalte im allgemeinen. Wir haben nichts mit Partnervermittlung zu tun.

Männer in Beziehungen leben länger, weil sie umsorgt werden und weil die Ehefrau das Soziale macht. Werden Jungs weniger gut auf die Möglichkeit alleine durch Leben zu gehen vorbereitet als Mädchen?

Das glaube ich im Prinzip nicht. Und doch stelle ich immer wieder fest, dass viele 30-jährige Männer immer noch ein bisschen am Rockzipfel der Mutter hängen. Vielleicht müsste man sich aber auch fragen, wie gut die Mütter diese Söhne loslassen können oder wollen.

Es gibt ja den Spruch, Ehemänner freuen sich auf die Armee, weil sie dann von ihren Frauen Ferien haben. Doch der alleinstehende Mann freut sich eher auf die Struktur des Alltags. Lassen sich alleinstehende Männer eher gehen, weil sie sich nicht ständig in Frage stellen und vergleichen mit anderen als Frauen?

Mir ist nicht bekannt, dass sich alleinstehende Männer auf die Struktur im Militär freuen. Und dass sie sich eher gehen lassen als verheiratete Männer, bezweifle ich auch.

Das Hotel Mama hilft alleinstehenden Männern aber mit dem Alter nehmen die Abende mit Pizza, Bier, Beine auf dem TV-Tischli zu, Wer und wie sollten alleinstehenden Männern noch mehr geholfen werden?

Ob ein Mann den Abend bei Pizza, Bier und Beinen auf dem Tisch verbringt, hängt nicht vom Zivilstand ab. Sie stellen den alleinstehenden Mann etwas als Sozialfall dar. Das sehe ich nicht so. Wenn Sie dieses Thema vertiefen möchten, müssen Sie eine Soziologin fragen.

 

Sie luden Ihren Onkel an Festtagen ein, doch ein Besuch im Berner Wartsaal an Weihnachten zeigt, da sitzen viele einsame Männer, auch weil ihnen nach dem Abzug der Steuern und Alimente nichts mehr für das Soziale Leben bleibt. Benachteiligt der Staat alleinstehende Männer und macht sie einsam?

Es stimmt, dass unverheiratete und kinderlose Männer mehr Steuern bezahlen als verheiratete. Aber nicht alle alleinstehenden Männer müssen Alimente bezahlen. Und Alimente bezahlen die Männer nicht dem Staat, sondern ihren Kindern. Einsamkeit hat viele Ursachen. Da müssen Sie wiederum eine Soziologin fragen

Das Interview wurde mit Sylvia Locher,

Präsidentin Pro Single Schweiz, per Mail geführt

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Basel Tattoo – Stramme Männer und flotte Unterhaltung

Auch die 11. Ausgabe auf dem Kasernenplatz zeigt bis zum 29. Juli, was militärischer Drill und Disziplin von Neuseeland über Norwegen bis zur Schweizer Armee mit Männern und Frauen macht und wie unterhaltsam für den Zuschauer das sein kann.

Es gibt Mütter, die behaupten, ihre Söhne würden erst durch das Militär zum Mann und es gibt Ehefrauen, die wünschten sich für ihren Ehemann mit Bierbauch, der die Füsse auf das Fernsehetischli legt, einen Corazzieri, der ihm den Marsch bläst und zeigt wie Mann sich durch Zusammenreissen und Befehle ertragen, aus der menschlichen Mittelmässigkeit künstlich erhöhen kann.
Es war zum einen die Körpergrösse von mindestens 1.90 cm und zum anderen der Stolz in den Augen auf dem Rappen, den die Männer der Leibgarde Reggimento Corazzieri des italienischen Staatspräsidenten trotz Regen ausstrahlten, die einem in den Bann zog, bevor die 22 Neuseeländerinnen des Lochiel Mraching Drill Team mit sportlicher Beinarbeit und Gleichschritt den Männer Parolli boten.
Wenn Mann Bein und Mut zeigt, trägt er als Schotte einen Kilt, der nicht länger als bis zum Knie gehen darf und ein Symbol für Freiheit und Unabhängigkeit ist. Der Sonne schien es auch zu gefallen, als die Massed Pipes and Drums aus dem schottischen Hochland mit Duddelsack und prachtvollen Uniformen am interessierten Publikum vorbeimarschierten bevor es etwas für die Lachmuskeln aus Frankreich gab von den Musikern der Feuerwehr Sapeurs-Pompiers. Das Feuerwehrauto fuhr hupend herum, der Sound von Boogie bis Elektro modern und als das Feuer der Freiluftdisco bei den Zuschauern mit Stampfen und Klatschen kaum zu löschen war, setzen die Männer noch einen drauf und begannen die Nationalhyme La Marseillas an zu singen. Da gabs kein Halten, alle klatschten wie wild.
Konnten die 70 Männer und 3 Frauen der Schweizer Miliärmusik RS 16-1 diese Unterhaltung in ihren immer etwas zu weiten grauen Hosen und zu Beginn gewöhnlichen Klängen toppen?
Ja, selbst dem obersten Militärchef  auf der Tribüne fiel das Salutieren schwer, als der Sound wechselte und die jungen Männer Jennifer Lopez „Lets get Loud“ anstimmten und tanzten oder ein Alphorn den „Daneli vo Trueb“ darbot, bevor die Augen der Zuschauer auf den Dächern der Kaserne Soldaten entdeckten, die sich von dem hohen Gebäuden abseilten, einen Eindringling zu Fall brachten und später den Leuten mit ihren Gesichtern in Tarnmaske zu winkten.
Wenn 36 Russen Beine wie Gummi haben und einer auf der Handorgel eine Polka spielt, dann ist das verdammt sexy für jede Frau und einige Männer fragten sich bei der Darbietung des Igor Moiseyev State Academie Ensemble of Popular Dance ist das Ballet oder was?
Die Männer der United States Army Old Guard Fife and Drum Corps laufen bei jeder Amtseinsetzung eines amerikanischen Präsidenten. Da Mann in Uniform keine Meinung und keine Minik hat, wissen wir nicht, ob sie dies für Donald Trump gerne gemacht haben oder nach sechs Monaten einer Amtszeit voller Skandale immer noch machen würden. Der Moderator des Abends  René Häfliger konnte sich den auch nicht zurückhalten und bemerkte, die Garde sei die des Präsidenten, auch wenn er leider Trump hiesse. Ihre Show war sehr tradionell und die jahrelange Vorbeitungszeit der Tattooverantwortlichen für das Kommen der Formation wurde vom Publikum nur mässig beklatscht.
Das Gewehr war im Mittelpunkt der kühlen Darbietung von His Majesty The Kings Guard Band and Drill aus Norwegen bis es knallte und der Gestank der Platzpatronen die Basler Luft und Beethovens 9th Symphony dem grossen Finale Platz machten.

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Moon and Stars – Jamiroquai und Seven – Wer war Top oder Flop?

Nachdem am Nachmittag die Temperatur auf 36 Grad angestiegen waren und die Füsse im Lago Maggiore gekühlt wurden, tanzte das Publikum auf der Piazza Grande in Locarno zu Seven und Jamiroquai bei Moon und Stars bis um Mitternacht.

Der Wohlener Seven ging in seiner 15 jährigen Karriere stets hochprofessionell an seine Musik und richtete für Schweizer Verhältnisse seine Konzerte mit grosser Kelle an. In Locarno war das nicht alles. Das Bühnenbild und die Kleider alles stimme zu den Farben der neuen CD. Doch die kannten nur die Wenigsten, weil sie so neu ist.
 Nach der TV Sendung „Sing mein Song“ war Seven erfolgreich auf Deutschlandtournee und enttäuschte zurück in der Heimat letzte Woche am Gurten.
Auch auf der Pizza Grand hatte er über eine Stunde Mühe das Publikum mit seinem kunstvollen Funk, der wohl etwas gar zu anspruchsvoll war für das von der Hitze müde Publikum, zu animieren. Er liess auch viele Hits weg und trotz hochprofessioneller Band war er und das Liedergut den Tessiner nicht bekannt. Seven ist wie Göla oder Lo und Leduc ein Deutschweizermusiker aus dem diesjährigen Programm, der auf der anderen Seite des Gotthards nicht für ausverkaufte Konzerte gut ist.  Nach einer Zusage mit geschlossenen Augen fasste eine Zuschauerin neben mir zusammen. Dieser Deutschschweizersänger hat sicher Musik im Blut aber gerockt hat er mich nicht.
Mit Kopfschmuck, Handschuhen und im Trainer, der den etwas fülligen Körper verdeckte und mit angegrautem Bart war der Tarif bei Jamiroquai ab dem ersten Song für den Abend klar:
 Ich will Spass.
Die Scheinwerfer, das futuristische Bühnenbild, der sehr laute Sound – die Freilichtdisco auf den Pflastersteinen der Piazza Grande lud zwei Stunden bis Mittag zum tanzen ein und das Publikum trotz über Dressig ging sofort mit. Für einmal waren die Polizisten mit Gewehren am Rande, die überteuerte Verpflegung  (ein Burger 11.–) und das unfreundliche Personal vergessen und das Motto des Festivals Mond und ein Star liess den Alltag besonders in der ersten Stunde voller Kraft vergessen.
Mit seinem Klauen beim Funk und Disco der 70er Jahre plus etwas Modernes beimischen hat Jamiroquai eine Mischung gefunden, die seit Jahren funktioniert, auch wenn er immer in der gleichen Tonlage etwas singt, das nur wengiste verstehen und es im zweiten Drittel vielen bewusst wurde, dass eigentlich immer der gleiche Song in einem anderen Kleid präsentiert wurde, war es ein fröhlicher, aber nicht ausverkaufter Abend. Gut so, dann hatte man Platz zum Tanzen unter dem Himmel von Locarno als gäbe es keinen Morgen.

Gurtenfestival – Rag n`Bone Man erschütterte den Berner Hausberg

Zwei Stürme fegten zu Beginn des Gurtenfestivals am Mittwoch über die Köpfe von 20 000 Zuschauer. Ob der Wind oder der Lumpensammler alias Rag n‘ Bone Man aus Brigton England stärker war, lesen Sie hier.

Die Programmdirektorin des Montreux Jazz Festivals fiel fast vom Hocker als sie im englischen Seebad Brighton Rory Graham singen hörte und am gleichen Abend noch für das Montreux Jazz Festival engagierte. Das war vor einem Jahr und heute eröffnete der Rory das Gurtenfestival als Rag n‘ Bone Man, was auf deutsch Lumpensammler heisst. Mit dem Hit „Human“ im Gepäck, der überall in Europa Nummer eins war, in Italien die extrem seltene Auszeichnung einer Diamantsingle erhielt und einem nur in England und hier noch erfolgreichen Album, konnte nichts mehr schiefgehen.

Der starke Wind ruinierte die Frisuren der weiblichen Fans, doch ihre Hände formten sich immer wieder zu einem Herz als der 30jährige ehemalige Heilziehpfleger den Mund öffnete und der fette Sound seiner fünfköpfigen Band den Soul über den ausverkauften Gurten trug.
Eine Stunde eine Stimme ertragen, die vom tiefsten Grund der Seele eines Mannes in Bomberjacke kommt, liess die Berner zu Beginn vor Staunen erschaudern. So ein tätowierter Kerl mit so einem Organ und dann noch soviel Gefühl, das gab es ganz selten auf dem Gurten.

Als der Mann mit Nasenring nach dressig Minuten dann auch noch alleine mit dem Keyboarder auf der grossen Hauptbühne stand und nichts von seiner Ausstrahlung und Kraft in der Stimme verlor und mit Selbstvertrauen a-cappella sang, wurde auch dem letzten Mann bewusst, dass er gegen Rag n’Bone in dem Moment keine Chance bei den Frauen hatte, da alle und das waren viele verschiedene Generationen hin und weg waren oder weinten vor der Schönheit des Augenblicks.

Der Minuspunkt sind die Songs. Klar eine Nummer wie „Human“ wird Rag n‘ Bone Man noch lange die Miete zahlen, aber ausser zwei, drei andere sind der grösste Teil nur Mittelmass und er täte gut daran, die Songs von jemand anderen schreiben zu lassen, damit es neben dem Soul, Blues auch noch Uptemposongs hat, zu denen man tanzen kann.

Rag n‘ Bone Man hat die Messlatte für den besten Gurtenact sehr hoch gelegt. Wer wird besser sein?

Hier noch einige Impressionen vom ersten Gurtenkonzerttag:

Stars of Sounds – Kunz, Marc Amacher und Göla in Murten

Der zweite Abend war ein Herrenabend und er war laut. Bevor es vom Himmel krachte, rockten die ehemaligen Bauarbeiter Kunz und Marc Amacher das verhaltene Publikum am Murtensee.

Als Kunz Marco noch zu Hause im Dorfe bei seinen Eltern und vier Schwestern wohnte, hatte er nach einer schwülen Sommernacht wie gestern schnell das Töffli gepackt und ging morgens in den Sempachersee baden. Heute wohnte er unweit des Bahnhofs Luzern und mag es nicht, wenn es über 25 Grad ist. Dann geht er am Morgen in den Wald oberhalb der Stadt joggen, nachmittags schreibt er Lieder für sich und andere und pflegt die Bekanntschaft zu seinem Entdecker Peter Räber und geht erst abends wenns kühl ist raus zu seinen Lieblingsplatz dem Löwendenkmal.
In Murten ging vor seinem Auftritt ein Gewitter runter und er sehe sich als Schönwettermusiker sagte Kunz seinen Fans beim ersten Westschweizerauftritt. Murten hatte er bereits vorher bei einem exklusiven Kochen für Gäste im Hotel Murtenhof kennengelernt und das Freiburgervolk empfingen ihn von der ersten Sekunde in der Pantschau an herzlich.
Das Ryan Gosling Double aus der Innerschweiz hat mit Dressig immer noch eine Topfigur und einen Charme, der ihn in den letzten drei Jahren vom Bauarbeiter in die Topliga der Schweizer Musiker brachte. Seine Lieder geschrieben in einfachen Worten wie Schlager,  sind Poesie aus dem luzernischen Hinterland, die jeder versteht und mitsingen kann. Die Band mit Geiger und Hackbrett spielte ein pausenloses Set, Kunz machte Spässe mit dem Publikum, die Sonne kam wieder zu Vorschein und alle waren restlos begeistert, auch wenn das Schlagzeug eine Spur zu laut eingestellt war.
Bis im letzten Winter die deutsche Castingshow „The Voice“ den Brienzer Marc Amacher bekannt machte, kannten ihn wenige und die Anlage aus dieser Zeit, die noch teilweise vom Grossvater stammte, brachte er nach Murten. Mit ihr gab es vor und während des ersten Songs erhebliche technische Probleme. Marcs Gemütlichkeit wich Verzweiflung, als er alleine ohne Techniker die Stecker der Verstärker ordnen musste. Mit hochrotem Kopf sang er dann „Personal Jesus“ und der heilige Geist sandte die Lösung, denn als die Band kam, tönte es wieder gut, aber extrem laut. Marc hatte nun genug Wut im Bauch und sang mit einer Wucht, dass man zum einem wie verwurzelt stehen bliebt vor Erstaunen oder Angst hatte, seine Lunge käme bald geflogen.  Doch dies ist Bluesrock mit Dreck am Stecken, männlich, kraftvoll, ohrenbetäubend.
Doch so sehr seine Stimme ein Wunder ist, noch ist seine Show Karaokke aus dem Berner Oberland. Die erste Cd soll Ende Jahr erscheinen und momentan interpretiert der vollleibige Brienzer Klassiker.
Die wülstigen Finger griffen in die Seiten von vier verschiedenen Gitarrentypen, die er auch mal auf dem Rücken spielte, doch der Funke sprang nur spärlich aufs Publikum über. Vielleicht weil der Auftritt mit den Oldies eher an die 60/70er Jahre erinnerte, vielleicht weil der Sound so laut war, dass einem selbst mit Ohrenstöpsel das Trommelfell schmerzte, vielleicht weil lieber Berndeutsch singen sollte und wohl zu guter Letzt ist Marc Amacher hat kein Showman und Medienliebling wie Kunz, der das Fernsehen auch in eine Spielshow einladen kann und Frauen sexy finden und anhimmeln. Ob sein Gottes Geschenk die Stimme ausreichen wird zusammen den eigenen Songs eine Karriere zu machen, wird der kommende Winter zeigen sonst muss er halt wieder auf den Bau.

Stars of Sounds – Any Mac Donald und Züri West in Murten


Mit einen breiteren Musikangebot als Aarberg von Pop bis Hip Hop standen am ersten Abend von Stars of Sounds Murten neben Damian Lynn, Stress und die Nationalhelden Züri West und unser aller Liebling Any Mac Donald auf der Bühne.

Fünf Jahre nach ihrer letzten Cd schoss diesen Frühling die aktuelle „Love“ auf Platz eins der Hitparade und fast alle Konzerte der laufenden Tournee sind ausverkauft. Wer vor 30 Jahren seinen Wohnort Bern als westlich von Zürich als Bandnamen wählt, könnte man meinen, dass er an diesem Freitagabend auch alles östlich von Bern in der Tasche hat. Doch im Leben vom 56jährigen Kuno Lauener bewegt sich nur dank der weiblichen Sozialisation im Privatleben, wo er zweifacher Vater geworden ist, etwas, als Band ist der Mundartrock auch in neuer Bandbesetzung gleichgeblieben.
So kommt bei den ersten fünf Songs aus der neuen Cd keine Stimmung auf, auch wenn es rockig zu Sache geht. Kuno liebt es, wenn es physisch wird, die Murtner blieben die ersten 40 Minuten verhalten. Der Boy Dylan der Schweiz muschelte etwas ins Mikrofon, ein paar kannten noch einige alte Sachen, der Sound war perfekt, aber es war langweilig. Der gitarrenlastige Rock packte nicht recht, auch wenn sich Kuno für den spärlichen Applaus jedes Mal tief verbeugte. Erst im letzten Drittel machte das Publikum bei den Hits Stimmung und entliess die Band doch noch würdevoll.
Auf Plateauschuhen maschierte die kleinwüchsige Schottin zum Mikrofon und ohne Begrüssung gabs „Under stars“ den Titelsong ihres aktuellen Album, der tönt wie vielen andere Songs, die nach dem gleichen Strickmuster gefertigt wurden als unprätentiöser Poprock. Die weissen Kugel leuchten noch manchmal an diesem Abend für die Familienfeier, die Any Mac Donald in Murten veranstaltete. Da waren Kinder in Begleitung von Eltern, Jugendliche, Verliebte und Alte – jeder liebt die Frau, die in einem Monat dressig wird. In der Schweiz hat sie neben ihrer Heimat die meisten Fans und die kamen in Scharen nach Murten und applaudierten kräftig, sangen die Refrains mit. Es herrschte eine generationsübergreifende Fette in der Pantschau und dann kamen die Hits aus „This is Life“, die noch heute im Radio laufen und für eine kurze Zeit schwieg die dunkle Stimme Schottlands und die Murtener sangen. Auch wenn fast keiner den Glasgowakzent bei den Ansagen und Geschichtenerzählen verstand, verstanden die Freiburger, was Any Mac Donalds Musik ausdrückt. Lebenslust und Einfachheit.

Weitere Information zur Stars of Sounds hier

Impressionen vom Publikum

 

 

 

 

Trubschachern – Schweizer Kunst von Hodler, Giaccometti bis zur Gegenwart

Bis zum 23. Juli lohnt sich die Fahrt ins Emmental nach Trubschachern nicht nur wegen dem Gebäck von Kambly. 200 Gemälde und Plastiken von Schweizer Künstlern aus verschiedenen Epochen laden unter dem Motto „Mit neuen Augen schauen“ zum Staunen ein.

 

Bei der 20. Kunstausstellung helfen alle Dorfbewohner Trubschachern mit, damit es die Besucher wie auch den millionenteuern Gemälden in den Schulhäusern Hasenlehn und Dorf gut haben.
Auf dem Weg vom Bahnhof zur zehn Minuten entfernten Ausstellung zeigt Schang Hutter Plastiken von Menschen und ihrer Ohnmacht in totaliären Staaten. Er wird uns nochmals begegnen in den Innenräumen.

 

Doch vorerst heisst es kurz anstehen, obwohl es noch vor zehn Uhr ist, bildet sich schon eine Schlange vor der Kasse, Frühaufstehen lohnt sich allemal bei dieser sehr erfolgreichen Ausstellung, wenn es darum geht Maler wie Felix Vallotton aus Lausanne, die in Vergessenheit geraten sind, wieder zu entdecken. Wie er begannen viele im 19. Jahrhundert mit dem Kopieren grosser Meister, da es noch keine Kunstschule in der Schweiz gab. Doch das Abschauen bei den Grossen hiess für ihn wie Ernest Biéler oder einem anderen Waadtländer Louis Moillet nicht, dass sie den Blick auf die Schweiz und ihren Alltag beiseite liessen, im Gegenteil Natur und Leute sind ihre Motive.

In jedem Schulzimmer oder der Turnhalle des Schulhauses Hasenlehn liegt in der Mitte des Raumes ein Teppich und passten dazu steht eine Vase mit Blumen aus der Region von den Frauen nett hergerichtet.

 

Im Raum von Nikki de Saint Phalle, die zwar in Frankreich geboren und in den USA gestorben ist, aber lange mit Jean Tinquely in Freiburg gelebt hat, ergibt das mit den Nanas und anderen Polyesterskulpturen einen Malkasten voller Lebensfarben, die fröhlich stimmen

 oder eine Besucherin aus Zürich im Raum von Schang Hutter spontan zum Mittanzen mit einer Figur einlädt.
Die Kunstausstellung Trubschachern lebt von der Ueberraschung an einem gewöhnlichen Ort. Jedes Schulzimmer nimmt den Besucher mit in eine andere Welt. Zum einen in die des Malers und zum anderen in eine Vergangenheit, die die älteren Besucher noch kennen und die Städtler von heute neu kennenlernen können.
Ausser Ferdinand Hodler und Giovanni Giacometti, die grosse Namen tragen ist der Rest der Künstler eher regional bekannt, doch diese Ausstellung will ja gerade das zeigen, was man heutzutage nicht mehr in den Museen findet, aber trotzdem künstlerisch wertvoll ist.
Wer vor den Sommertemperaturen fliehen will oder nach dem Baden wieder eine künstlerisch geistige Erbauung braucht, ist im hintersten Ecken des Emmentals mit der 20. Kunstausstellung Trubschachern gut bedient und sollte sich einen halben Tag dafür reservieren.

Oeffnungszeiten täglich 10-21 Uhr bis zum 23.7.2017

Weitere Informationen zur Ausstellung hier

Montreux Jazz Festival: Pet Shop Boys und Beth Ditto

Auch die 51. Ausgabe des Montreux Jazz Festivals steht wieder für 16 Tage musikalische Vielfalt und zeigte die Stärken und Schwächen der Livedarbietungen von den Pet Shop Boys und Beth Ditto.

Zwei Jahre war die 35-jährige Beth Ditto aus Arkansas nach dem Ende ihrer Band Gossip aus der Oeffentlichkeit verschwunden, nachdem sie vorher mit „Heavy Cross“ einen Hit hatte, bei Karl Lagerfeld zur Muse wurde und als Lesbe ihre Freundin zur Frau machte und heiratete. Die 80 neuen Songs, die in der Zwischenzeit entstanden sind und ein Dutzend davon auf dem Debut  als Solokünstlerin „Fake Sugar“ Platz fanden, sind schwach, wenn man die erste halbe Stunde des Montreuxkonzert als Prüfung ansieht.
Zwar begann wie es sich im Land der Uhren gehört, Beth Ditto exakt auf die Minute um acht Uhr in der Stravinskihalle zusammen mit ihrem Quartett zu singen, doch die Stimmung sprang im halbleeren Saal nicht über. Dazu waren die Songs viel zu schwach und beim dritten versagte auch noch die Stimme der Amerikanerin bei den höhen Tönen.
Zwar machte Beth Ditto viel Spässe mit den Leuten aus der ersten Reihe, doch erst für den Rückblick in ihr Bandrepetoire und später für die rockigeren Songs gab es mehr als freundlichen Applaus für ein 55 minütiges Konzert, das ohne Zugabe zu Ende ging und einen zwiespältigen Eindruck hinterliess von einer Sängerin, die im letzten Sommer an den Stimmbändern operiert wurde. Die mal als amerikanische Antwort auf Adele und Sam Smith gehandelte Beth Ditto hat offenbar wurde immer noch Stimmprobleme und nach so einem schwachen Konzert müssen bessere folgen, wenn sie als Sängerin überleben will.
33 Jahre nach dem Pet Shop Boys die Hintergrundstimmen für „West End Girls“ in Montreux aufgenommen hatten und damit den Start zu einer langen Popkarriere legten, leuchteten zwei rote Punkte kurz vor zehn Uhr auf der Bühne der Stravinskibühne, die sich drehten und Neil Tennant und Chris Lowe mit grauen Ziegelkopfbedeckungen zum Vorschein brachten. Wo Pet Shop Boys drauf steht, erwartet den Zuschauer eine Kombination aus darstellender Kunst, ein avantgardistisches Bühnenbild und eine bis ins letzte Detail inszenzierte Show.
Das visuelle Erlebnis dieser musikalischen Popart war von der ersten Minute ein Feuerwerk an Farben, Filmen, Spots und einem reibenden Beat, der das Auditoirium zur Disco machte und eines offenlegte. Wer eine grosse Show macht, hat etwas zu verbergen. Mag der Synthi- und Computerfan Chris Lowe Dutzende von Hits im Laufe der Karriere geschrieben haben, die noch heute im Radio gespielt werden, ein Livekonzert zeigt halt alle Schwächen einer Band und die heisst bei diesem Duo die dünne Stimme von Neil Tennant. Der ehemalige Journalist und sichtlich gealterte Engländer sang stets in der gleichen Tonart und im letzten Drittel bei einer Ballade wurde es auch dem grössten Fan bewusst, wie wenig diese Stimme tragen mag, wenn nicht im Hintergrund eine Animation läuft, die von dem nicht vorhandenen Stimmvolumen ablenkt. So verliessen einige Zuschauer, die meisten waren über 35 Jahre, den Raum. „New York City Boy und La vida é“ waren die Höhepunkte. Der Tiefpunkt war das Publikum. Obwohl das Konzert nicht ausverkauft war und es somit Platz gehabt hätte, tanzten die Schweizer nicht zu den Synthihits, was Neil Tennant nervte. Für einen Bruchteil einer Sekunde machte er seiner Entäuschung Luft, doch schnell verflog sein spontaner Gefühlsausbruch wieder und die einstudierte Coolness ging weiter.
Impressionen von der Strandpromenade mit den vielen Gratiskonzerten und Zonen zum den Sommer geniessen: