Montreux Jazz Festival: Pet Shop Boys und Beth Ditto

Auch die 51. Ausgabe des Montreux Jazz Festivals steht wieder für 16 Tage musikalische Vielfalt und zeigte die Stärken und Schwächen der Livedarbietungen von den Pet Shop Boys und Beth Ditto.

Zwei Jahre war die 35-jährige Beth Ditto aus Arkansas nach dem Ende ihrer Band Gossip aus der Oeffentlichkeit verschwunden, nachdem sie vorher mit „Heavy Cross“ einen Hit hatte, bei Karl Lagerfeld zur Muse wurde und als Lesbe ihre Freundin zur Frau machte und heiratete. Die 80 neuen Songs, die in der Zwischenzeit entstanden sind und ein Dutzend davon auf dem Debut  als Solokünstlerin „Fake Sugar“ Platz fanden, sind schwach, wenn man die erste halbe Stunde des Montreuxkonzert als Prüfung ansieht.
Zwar begann wie es sich im Land der Uhren gehört, Beth Ditto exakt auf die Minute um acht Uhr in der Stravinskihalle zusammen mit ihrem Quartett zu singen, doch die Stimmung sprang im halbleeren Saal nicht über. Dazu waren die Songs viel zu schwach und beim dritten versagte auch noch die Stimme der Amerikanerin bei den höhen Tönen.
Zwar machte Beth Ditto viel Spässe mit den Leuten aus der ersten Reihe, doch erst für den Rückblick in ihr Bandrepetoire und später für die rockigeren Songs gab es mehr als freundlichen Applaus für ein 55 minütiges Konzert, das ohne Zugabe zu Ende ging und einen zwiespältigen Eindruck hinterliess von einer Sängerin, die im letzten Sommer an den Stimmbändern operiert wurde. Die mal als amerikanische Antwort auf Adele und Sam Smith gehandelte Beth Ditto hat offenbar wurde immer noch Stimmprobleme und nach so einem schwachen Konzert müssen bessere folgen, wenn sie als Sängerin überleben will.
33 Jahre nach dem Pet Shop Boys die Hintergrundstimmen für „West End Girls“ in Montreux aufgenommen hatten und damit den Start zu einer langen Popkarriere legten, leuchteten zwei rote Punkte kurz vor zehn Uhr auf der Bühne der Stravinskibühne, die sich drehten und Neil Tennant und Chris Lowe mit grauen Ziegelkopfbedeckungen zum Vorschein brachten. Wo Pet Shop Boys drauf steht, erwartet den Zuschauer eine Kombination aus darstellender Kunst, ein avantgardistisches Bühnenbild und eine bis ins letzte Detail inszenzierte Show.
Das visuelle Erlebnis dieser musikalischen Popart war von der ersten Minute ein Feuerwerk an Farben, Filmen, Spots und einem reibenden Beat, der das Auditoirium zur Disco machte und eines offenlegte. Wer eine grosse Show macht, hat etwas zu verbergen. Mag der Synthi- und Computerfan Chris Lowe Dutzende von Hits im Laufe der Karriere geschrieben haben, die noch heute im Radio gespielt werden, ein Livekonzert zeigt halt alle Schwächen einer Band und die heisst bei diesem Duo die dünne Stimme von Neil Tennant. Der ehemalige Journalist und sichtlich gealterte Engländer sang stets in der gleichen Tonart und im letzten Drittel bei einer Ballade wurde es auch dem grössten Fan bewusst, wie wenig diese Stimme tragen mag, wenn nicht im Hintergrund eine Animation läuft, die von dem nicht vorhandenen Stimmvolumen ablenkt. So verliessen einige Zuschauer, die meisten waren über 35 Jahre, den Raum. „New York City Boy und La vida é“ waren die Höhepunkte. Der Tiefpunkt war das Publikum. Obwohl das Konzert nicht ausverkauft war und es somit Platz gehabt hätte, tanzten die Schweizer nicht zu den Synthihits, was Neil Tennant nervte. Für einen Bruchteil einer Sekunde machte er seiner Entäuschung Luft, doch schnell verflog sein spontaner Gefühlsausbruch wieder und die einstudierte Coolness ging weiter.
Impressionen von der Strandpromenade mit den vielen Gratiskonzerten und Zonen zum den Sommer geniessen:





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