Unspunnen 2017 – Ein Gang durch Interlaken zum Fest der Folklore

Nachdem am Samstag die Jugend das Unspunnenfest eröffnet hat, am Sonntag Christian Stucki das Schwingen gewann, präsentierten Alpenhirten und Landfrauen am Montag Tradition und Köstlichkeiten aus der Region auf dem Markt. Noch bis am 3.September wird in Interlaken Swissness hoch gehalten.

 

Nachdem Polo Hofer, der Musikheld aus Interlaken der modernen Schweiz über die letzten vierzig Jahren vor wenigen Wochen verstarb, ist das nur alle zwölf Jahre stattfindende Unspunnenfest gute Werbung für das Berner Oberland und Balsam für ein Land, das nicht mehr überall so ist, wie Unspunnen es darstellt.
Am Bahnhof Interlaken Ost stehen, als sich die Türe des Intercity öffnet, zwei Afrikanerjungen an, die Zukunft unseres Vielvölkerstaates. Auf dem Weg zur Wiese des Unspunnen schaut eine vollverschleierte Araberin einem Fallschirmspringer zu, ein Japaner kommt lachend aus einem Uhrengeschäft und vor dem 5 Sterne Viktoriahotel serviert eine Thai im Schweizersennenhemd Glace, bevor es in den Casinopark geht, wo der Alpenhirt- und Landfrauenmarkt stattfindet.
Die Stimmung ist sehr entspannt, ein Jodel ertönt und der Berner Sennenhirt schaut, wie eine

Oberländerin Käse für Besucher abschneidet und ein Müsterchen zum probieren reicht.

Eine Frau in Tracht nimmt die Bestellung für ihre Strickereien entgegen. Der Rest der Produkte des Marktes findet man auch auf den Herbstmärkten

 

Doch es ist nicht das Produkt , das die Gesinnung macht. Es ist der Wille das Erbe der Grossväter und -mütter weiterzuführen und den Stolz in den Augen und der Brust trotz rauem Gegenwind nie zu verlieren. Diese Gedanken spürt man auf dem Markt und gehen mir durch den Kopf, als ich nach den Klängen der Drehorgel den Casinopark verlasse und Eiger, Mönch und Jungfrau in der Spätsommersonne auf das gemeine Volk runterschauen.

Mit Hornussen, Steinstossen, Alphornschwingen geht die Unspunnenwoche weiter bis zum grossen Finale der Trachten und Alphirten und des Jodelns am Freitag und Samstag.

Weitere Informationen zum Unspunnenfest hier

Kunsthaus Zürich – Cantastorie – Volkskunst aus Italien

 

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wars in Süditalien nicht viel anders als heute. Wer Aufmerksamkeit wollte, musste das richtige Bild haben. Vom 25. August bis 8. Oktober zeigt das Kunsthaus Zürich 70 farbenprächtige Tafeln aus der Gegend Napoli, die zwei Puppenspielerfamilien als Werbeplakate für ihre Darbietungen dienten.

 


Klar, im Sommer sind in Süditalien alle am Meer, doch auch diese Gegend kennt ein halbes Jahr Schmuddelwetter. Was macht der Italiener, wenn es draussen regnet oder der Gang zur nächsten Taverne langweilig wird? Anfang des letzten Jahrhunderts hatte das Volk keinen TV, Internet und Kino. Aber das Leben begreift man am besten verpackt in einer Geschichte. Das wissen die Mütter, die ihren Kinder aus dem Kinderbuch vorlesen oder Jungs, die Comics lesen oder die Erwachsenen, die ins Theater gehen. Doch zwei Künste des Vorführens sind besonders und bei uns schon vergessen, die des Puppenspiels und Bänkelsängers.

Auf 1, 5 Meter hohen und drei Meter breiten Tafeln machten die Puppenspieler Werbung für ihre Kunst mit den Marrionetten am Faden.
Doch auf den im Kunsthaus Zürich ausgestellten Werken sind keine Puppen zu sehen sondern Szenen von Rittern und Schlachten  und Fantasiefiguren. Ein Art früherer Comic ohne Sprechblase, doch detaillierter gezeichnet und eigentlich schon grosses Kino, den wer diese Plakate anschaut, hat sofort eine Geschichte im Kopf laufen und die Stimme des Kopfkinos war der Bänkelsänger.
Die Tradition der Cantastorie sah so aus: Um 15 Uhr ertönte auf dem Jahrmärkten oder im Theater die Drehorgel und der Bänkelsänger zeigte auf einer Staffalei ein szenarisches Bild und sang dazu Texte mit Seitenhieben. Aehnlichkeiten mit lebenden und historischen Persönlichkeiten waren dabei hinter vorgehaltener Hand durchaus gewollt.
Bei den Puppenspielern waren die Tafeln, die jetzt im Zürcher Kunsthaus zu sehen sind, eher Mittel zum Zweck, eine Kulisse vor der gespielt wurde und die Geschichte weitergetrieben wurde.
Nun kann derBesucher lachen über diese Volkskunst mit Rittern, Räubern und Zauberinnen, die Süditalien unterhielt und starb als die elektronischen Medien aufkamen.
Während der ganzen Ausstellungsdauer finden auf der Bühne, die innerhalb des Bilderraumes ist, regelmässig Vorführungen statt.

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Aargauer Kunsthaus – Back to Paradise – Expressionismus

Vom 26. August bis 3. Dezember 2017 zeigt das Aargauer Kunsthaus Werke des Expressionsmus aus der Sammlung Häuptli und des Ortshaus Museum Hagen. Ob Ernst Ludwig Kirchner, Otto Mueller oder Cuno Amiet, Deutsche und Schweizer Künstler ergänzen sich in dieser Ausstellung bei der Suche nach dem individuellen Ausdruck und der Wiedergabe des eigenen Empfindens in dieser Kunstrichtung des 20. Jahrhunderts.

Wer heute durch sein Heimatdorf oder Kindheitsort geht, erkennt ihn kaum wieder. Menschen aller Farben, neue Bauten, ein anderes Benehmen, alles ist von A bis Z anderes als damals, als wir klein waren und das ging schnell und die Natur ist das Opfer.
 So oder ähnlich erging es auch den Künstlern im Zeitalter der Industralisierung, die wie heute die Globaliserung den Menschen veränderte, vieles über den Haufen warf und der Bezug zur Natur ging verloren. Also zurück zu den Wurzeln wollten die Künstler : Back to Paradise.
Wie kann ich mein Sicht retten, wenn mich das Materielle erdrückt? Dies fragten sich die Mitglieder der „Brücke“-Bewegung auch. Anfang des 20. Jahrhundert brechen deutsche Künstler das Tradtionelle auf und suchen eine direkte Bildsprache wie Ernst Ludwig Kirchner oder Hermann Scherer, der Expressionismus ist geboren.

Dem Aarauer Ehepaar Valerie und Dr. Othmar Häuptli gefallen diese teil sehr bunten Gemälde mit dem individuellen Ausdruck und Empfinden. Sie kaufen, was ihnen gefällt, rund 100 Werke. Diese gelangten 1983 als Schenkung ins Aargauer Kunsthaus, doch sie waren unvollständig, wenn es darum ging, den Expressionismus als Ganzes zu zeigen. Das Osthaus Museum Hagen hatte auch eine Sammlung geschenkt bekommen und nun ergänzen sich beide im Obergeschoss des Museums Aarau als Ueberblick des Expressionsmus.

Die Deutschen haben Namen wie Ernst Ludiwg Kirchner aber nicht den bekanntesten Schweizer der Kunstströmung Cuno Amiet aus Solothurn, den hat die Stämplisammlung und so sind die verschiedenen Räume nicht nur ein Zusammentreffen zweiter Nationen sondern auch ein Suchen nach dem Paradies wie bei den Bildern von Emil Nolde und seiner Reise in die Südsee.

Expressiosmus ist nicht nur Gemälde sondern auch Literatur und Musik. Und so veranstaltet das Aargauer Kunsthaus am 19,.10 eine Lyrik und Prosalesung mit Walter Küng oder am 2.11. Klaviermusik mit Tomas Dratva.

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Bilderbeschreibungen:

1
Otto Mueller, Badende, um 1920
Leimfarbe auf Jute, 100 x 80 cm
Aargauer Kunsthaus, Aarau / Legat Dr. Othmar u. Valerie Häuptli
2
Alexej von Jawlensky, Mädchenkopf mit rotem Turban und gelber Agraffe (Barbarenfürstin), um 1912
Öl auf Hartfaser, 55 x 51 cm
Courtesy of Osthaus Museum Hagen & Institut für Kulturaustausch, Tübingen
Foto: Achim Kukulies, Düsseldorf
3
Cuno Amiet, Apfelernte, 1913
Öl auf Leinwand, 103 x 52 cm
Aargauer Kunsthaus, Aarau / Legat Dr. Othmar u. Valerie Häuptli
4
Hermann Scherer, Bildnis Werner Neuhaus, um 1924/25
Öl auf Leinwand, 170 x 80 cm
Aargauer Kunsthaus, Aarau
5
Ernst Ludwig Kirchner, Bildnis Erich Heckel,1910, überarbeitet nach 1923/24 (datiert 1908)
Öl auf Leinwand, 195.7 x 65.3 cm
Courtesy of Osthaus Museum Hagen & Institut für Kulturaustausch, Tübingen
Foto: Achim Kukulies, Düsseldorf
6
Cuno Amiet, Stillleben mit drei Orangen, 1907/08
Öl auf Leinwand, 54 x 60 cm
Aargauer Kunsthaus, Aarau / Schenkung Dr. Annie Zaugg, Baden

Mittelaltermarkt Kiesen – Jana Gottier und das Spiel mit dem Feuer

Am 26./27.August 2017 findet in Kiesen Kanton Bern der 4. Mittelaltermarkt statt, wo das Mittelalter lebt und von den Besuchern erlebt werden kann.  Mit dabei wird auch Jana Gottier sein, als Mitglied der Feuershowtruppe Dracarys. Ein Interview über ihre Motivation und Vorbereitung.

Jana Gottier, am 26./27.8 findet der Mittelaltermarkt Kiesen statt. Was gibt es da zu sehen und mit was willst Du die Leute unterhalten?
 Es gibt sehr viel zu sehen, wie zum Beispiel Schaukämpfe, Handwerk, Schlacht, das mittelalterliche Leben uund natürlich unsere Feuershow.
Mittelalter als Fantasyvorfalle in der Literatur, Film ist modern und auch die Märkte sind Trend. Wie kamst Du zum Mittelalterverein Bern und wieso?

Durch meinen Vater. Er ist der Präsident. Aber allgemein habe ich mich sehr fürs Mittelalter interessiert.

Du und Deine Freundin hier im Hintergrund macht in der Feuershow Truppe Dracarys mit. Hast Du von Anfang an gewusst, wie Du Dich im Verein einbringen willst oder musstest Du noch Einstufungsanläufe durchlaufen?

Nein, keine Einstufungsläufe. Jeder wird direkt angenommen. Ich habe die Feuershowtruppe gegründet und bin im Schaukampf dabei. Ich war sehr jung (12) noch, als ich dazu kam. Ich wurde sofort aufgenommen und bin auch etwas in dieser Scene aufgewachsen.

So eine Feuershow wirkt ja immer spektakulär und gefährlich. Wie gingst Du an Deine Rolle mit dem Feuer? 

Ja, Feuer ist extrem eindrücklich und wahsinnig spannend und spektakulär. Ich denke mir immer, ich kann es,

ich muss mich nicht fürchten. Ich trainiere fleisssig und schütze mich, in dem ich keine synthetische Kleidung trage.
Ich habe mich einmal verbrannt, aber wer so ein Hobby hat, muss damit rechnen das auch mal was schiefgehen könnte..- aber man muss ja auch nicht immer mit dem Schlimmsten rechnen.
Das, was Du beim Mittelalterverein lernst und siehst, ist ja Geschichte. Konntest Du auch schon Sachen mitnehmen für Dein tägliches Leben?
Bestimmt! Wie ich zum Beispiel, ein Feuer machen müsste und ich kein Feuerzeug hätte. Oder wie ich jagen musste oder überleben ohne Strom und total abgeschottet. Ich bin also gewappnet für die Zombieapokalypse.
Weitere Informationen zum 4. Mittelaltermarkt Kiesen hier
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Aktiv ins Alter – der neue Film von Manuel Schweizer über sportliche Senioren

Also ein Problem haben die gezeigten Senioren im neuen Film „Aktiv ins Alter“ von Manuel Schweizer nicht, das Uebergewicht. Bis ins hohe Alter bewegen sie sich in der Natur, in der Turnhalle, in der Luft, dass man ins Staunen kommt und so geben sie ein Vorbild für alle unsportlichen Jungen ab. Ein Interview mit dem Regisseur Manuel Schweizer.

Aktiv bis ins Alter” zeigt ab dem 7.9. sportliche Alte. Brachte Sie Ihr Grossvater auf die Idee zu den Porträts oder wie kamen Sie zum Stoff des Films?

Vor 3 Jahren kam mir diese Idee, als ich mit einem alten Mann auf dem Sprungturm stand. Ich dachte mir, es sei nun Zeit der älteren Generation mal eine Plattform zu geben. Selfievideos von jungen Menschen gibt es schon mehr als genug!

Aeltere Menschen können verschlossen sein oder anspruchsvoll. Mit welchen Herausforderungen hatten Sie auf menschlicher und technischer Ebene zu kämpfen?

Auf technischer Ebene war es stets eine Herausforderung mit mehreren Kameras gleichzeitig zu filmen und trotzdem nicht sichtbar zu sein, um die Protagonisten nicht abzulenken oder zu stören.

Ältere Menschen können grossartig sein, begeisterungsfähig und einen immer wieder überraschen. Das Vertrauen zu gewinnen ist bei älteren Menschen sehr wichtig.

Aussehen ist heute dank der Werbung wichtig und Sport und vegan essen Pflicht. Sind diese Alten dem Zeitgeist verfallen?

Nein, diese Menschen , die ich begleitet habe, kümmern sich mehr um ein gesundes und vitales Leben, anstatt nachzulesen was jetzt vegan ist und was nicht.

Welche der Senioren und sein Schicksal ist Ihnen besonders ans Herz gegangen?

Der Verlust einer meiner Protagonisten ist mir sehr ans Herz gegangen. Inspiriert haben Sie mich alle!

Der Film will ja auch Mut machen, sich selber mehr zu bewegen. Hand aufs Herz, sind Sie sportlicher geworden?

Ja, ich wurde definitiv sportlicher. Denn während dem Projekt habe ich alle Sportarten von Gleitschirmfliegen, OL-Laufen, Wasserspringen, Halb-Ironman und Turnen auch gleich selbst ausprobiert.

Der Film „Aktiv ins Alter“ von Manuel Schweizer

kommt am 7. 9. 2017 in die Kinos

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Kunstmuseum Bern: Von Renoir, Hodler, Matisse bis Van Gogh – Die Sammlung Hahnloser

Einen besonderen Lifestyle pflegte die Familie Hahnloser aus Winterthur. Sie konnte es sich leisten in der Villa Flora das Leben ganz auf die Arbeiten und Künstler der französischen Moderne und der Schweizer Avantgarde auszurichten. Nun zeigt das Kunstmuseum Bern bis zum 11. März fast ihre ganze Sammlung voller Meisterwerke und grosser Namen.

Wie jeder Mensch, so mussten sich auch Arthur Hahnloser und seine Frau Hedy in der Villa Flora in Winterthur fragen, wie füllen sie ihre Leere im Leben eines jeden Menschen aus? Sind Kinder das Einzige, womit man sich lebendig erhält oder gibt das Eintauchen in die Gefühlswelt von Künstlern auch Antworten zu sich und der Welt?
Arthur Hahnloser war als Augenarzt erfolgreich und hatte den Spitznamen „Augenarzt der Armen“ weil er nicht immer alles abrechnete, was er für die Behandlung brauchte. Doch mit einem Energiebündel wie Hedy an seiner Seite gab es kein Ausruhen, auch wenn der Aufbau der Klinik ihn stark belastete. Hedys Leidenschaft für das Kreative zog ihn auch in den Bann und so wurde die Villa Flora über die Jahre voller mit Bilder, war aber auch ein Ort von Ausstellungen und Begegnungen mit Künstlern.
Vom 11.8. bis 11.3.2018 gehört der oberste Stock des Museums nun der Sammlung Hahnloser und die ist hochkarätig.Alle grossen Namen wie Cèzanne, Bonnand bis Matisse der französischen Moderne sind vertreten. Kunsthistorisch qualitativ hochstehend sind viele Gemälde von Millionenwert und zeigen auch, wie sehr sich die Familie ins Zeug legte, wenn es hiess, den Kontakt zu den Künstlern auch zwischenmenschlich mit Briefen und Gesprächen aufrechtzu erhalten, Atelierbesuche im Inn-  und Ausland zu absolvieren und Verantwortung für die Künstler zu übernehmen, wenn sie in Schwierigkeiten steckten.
„Die Sehnsucht lässt alle Dinge blühnen“ ist der Titel der Ausstellung , könnte auch heissen, Kunst hilft einem das Schicksal ertragen, den all die Kunst, Bilder, Plastiken, Arbeiten auf Papier gaben Hedy Halt als sie an Tuberkulose erkrankt war und beseelte das Paar auch später, indem sie mit den Bildern und somit mit der Gefühlswelt der Künstler in der Villa Tag und Nacht lebten.
Für heutige Augen sind die Gemälde etwas gar brav und als Foto sicher schon tausendmal gesehen, doch nun sind sie als Teil einer konservativen Ausstellung bis März im Kunstmuseum Bern und werden sicher bei den älteren Jahrgängen für Begeisterung sorgen.

Weitere Informationen zu der Ausstellung hier

Bildbeschreibung
1
Félix Vallotton
La Blanche et la Noire, 1913
Öl auf Leinwand, 114 x 147 cm
Dauerleihgabe, Hahnloser/Jaeggli Stiftung,
Kunstmuseum Bern
Fotografie: Reto Pedrini, Zürich
2
Félix Vallotton
Le chapeau violet, 1907
Öl auf Leinwand, 81 x 65,5 cm
Dauerleihgabe aus Privatbesitz, ehemalige
Sammlung Arthur und Hedy Hahnloser-Bühler
Fotografie: Reto Pedrini, Zürich
3
Pierre Bonnard
Palais de Glace (Les Patineurs), 1896–1898
Öl auf Karton,100 x 75 cm
Privatsammlung
© 2017, ProLitteris, Zurich
4
Vincent van Gogh
Le semeur, 1888
Öl auf Leinwand, 72 x 91,5 cm
Dauerleihgabe, Hahnloser/Jaeggli Stiftung,
Kunstmuseum Bern
Fotografie: Reto Pedrini, Zürich
5
Henri-Charles Manguin
„La Flora, Winterthur“, 1912
Öl auf Leinwand, 76 x 96 cm
Dauerleihgabe, Hahnloser/Jaeggli Stiftung,
Kunstmuseum Bern
Fotografie: Reto Pedrini, Zürich
© 2017, ProLitteris, Zurich

Liechtenstein – Unbekanntes im Ländli vom Musiker Andy Biedermann

Mit dem Fürstentum Liechtenstein verhält es sich, wie mit Nachbaren im Block, man kennt sich nicht. Bevor er abends mit seiner Rockband Androbb ein Comeback gab, zeigte der Musiker und Gesangslehrer Andy Biedermann seine Geheimtipps im „Ländli“.

Andy Biedermann, es ist zehn Uhr, früh für einen Musiker. Sie sind auf dem Weg zum Openair Malans, doch vorher machen wir in Schaan in Ihren Vocal Studio einen Halt. Wer sind Sie und warum ist der heutige Augusttag ein besonderer für Ihre Band?

Andropp gibt es seit 16 Jahren und nach einer dreijährigen Pause rocken wir heute beim Openair Malans, wo ich durch den Radiomoderator und Mitorganisator Chris Bluemoon, in dessen Band ich zweite Gitarre spiele, angefragt wurde, wieder in neuer Besetzung.
Mit sechs Jahren hörte ich eine Hitsammlungsplatten der Queen und dann war es um mich geschehen. Ich wollte in meinem Leben etwas mit Musik machen. Habe Musik studiert und das Vocal Studio 2012 gegründet und mich gegen den Rat des Vaters selbstständig gemacht. Ich unterrichte auch via Skype und noch an einer Privatschule Gesang.

Vorbei an Vaduz mit hohen Temperaturen fuhren wir zum Berggasthaus Matu in Masescha Triesenberg, wo Sie wandern gehen mit Ihrer Freundin und dann Hirschwurst essen. 


Manche halten Liechstenstein für den 27. Kanton der Schweiz. Ist es mühsam im Ausland das Fürstentum immer wieder erklären zu müssen?

Wir sind irgendwie im Herzen von Europa und sicher trotz nur 37000 Einwohner ein eigenständiges Land mit Schweizer Postleitzahlen und dem Schweizer Franken als Währung. Als Exot geniesse ich es aber innert zwei Stunden in Bregenz, Mailand oder Zürich zu sein und dann wieder in die Vielfalt an Natur, Kultur und Wirtschaft ins Ländli zurückzukehren. Die Naturvielfalt und Schönheit von hier und die Stille ist für ein Musiklehrerohr Erholung pur.

Im Oberland liegt das Wahrzeichen von Triesen, wo Sie aufwuchsen, die Kappelle St. Mamerta, unweit Ihrer Dachwohnung mit Blick ins St. Galler Rheintal
 

Das Kunstmuseum Bern zeigt diesen Frühling die „Fürstliche Kunstsammlung“- millionenteure Bilder vom Fürsten, aber bieder. Ich behaupte, Sie machen Musik als Rebellion gegen die Biedermänner und wären gerne wie Al Walser in den USA?

Ich bin als 35jähriger Mann ein Musiker aus Leidenschaft und nicht weil die Gesellschaft negativ ist. Ich verarbeite in meinen Texten das Private, vielleicht auch weil es uns Liechtensteiner so gut geht, fast keine Arbeitslosigkeit, keine Obdachlosen, Ueberbauung, Zerstörrung der Natur gibt.
Al Walser wuchs als Adoptivkind in einem sehr reichen Haushalt nur wenige Häuser von mir auf. Er fiel als dunkelhäutiger Junge in der damaligen Zeit auf und heute hat er es in den USA als Produzent geschafft, einen Grammy bekommen, wird aber hier als Grossmaul angesehen. Ich habe Hochachtung vor ihm, aber ich möchte nicht weg von hier.

Obwohl Sie mit einem Musikgehört gesegnet sind, spielten Sie bis 19 Jahren Fussball, wollten Profi werden. Wir sind nun im Stadion des FC Vaduz und die Stationhymne haben Sie komponiert.
 

Auf was ausser den sportlichen Erfolgen im Ski oder Fussball sind noch stolz auf das 105 km umfassende Liechtenstein?

Ich wurde den beiden Anforderungen Fussball und Elektrikerlehre nicht gerecht und musste mich entscheiden. Stolz bin ich auf den Dorfcharakter der Landes und den Zusammenhalt, den ich spüre wie am Vaduzer Staatsfest in wenigen Tagen. Wir mischen uns auch ein in weltpolitischen Fragen und haben einen Wandel in den letzten Jahren durchgemacht, sind weltoffener geworden.
Negativ ist halt der Klatsch und Tratsch. Wenn dein Ruf runiniert ist, musst untendurch und das Land besser verlassen.

Vor Ihrem grossen Auftritt könnten Sie sicher noch einen Abkühlung gebrauchen wie hier in der Freizeitanlage Gamprin mit Badesee im Unterland.
Viele sind hier miteinander verwandt und da wird geheuchelt. Darf man im Fürstentum seine Meinung frei äussern und wie weit darf diese gehen?
 
Ich war schon zweimal hier diesen Sommer. Sicher darf jeder seine Meinung frei sagen auch zum Fürsten, natürlich in der richtigen Wortwahl. Bei der Facebookgruppe Stammtisch Liechensteiner geht es manchmal allerdings gar direkt zu und her und ich komme ins Grübeln. Der Fürst hat ja ein Vetorecht und kann Abstimmungsresultate somit ändern. Allgemein kann gesagt werden, dass der Liechtensteiner einen liberalen Charakter hat.
Vorbei an Ihrem Heimatort sind wir nach einem Gang durch den Wald bei der Burgrunine bei Schellenberg angelangt und sie waren seit der Jugend nicht mehr hier, wissen aber, dass hier Hexenprozesse durchgeführt wurden und Ende August das „Princely Tattoo“. 
 
Ihr seit der sechstkleinste Staat der Welt in dem rund 10 000 Schweizer arbeiten. Wo unterscheiden sich die sechs verschiedenen Dialekte sprechenden Liechensteiner von den Schweizern?
Geld, Reichstum, Statussymbole wie Auto, Haus, Style haben für uns einen höheren Stellenwert und das tradionelle Familienbild ist tief verankert. Vieles ist brutal teurer als in der Schweiz und die Finanzwelt in Vaduz knallhart. Wir sind etwas faul und nehmen keinen längeren Arbeitsweg als zwanzig Minuten in Kauf im Gegensatz zu Euch, die ihr bis zwei Stunden zum Geld verdienen fährt. Wir reisen gerne an Orte wie Mauritius statt Mallorca und geben dann damit an. Doch in der Arbeitsmoral sehe ich keinen Unterschied, aber im Geld ausgeben statt sparsam leben sicher.

                 Weitere Informationen zu Andy Biedermann Vocal Studio hier

Veranstaltungstipp: The Princely Liechenstein Tattoo

Auf der historischen Bergruine Schellenberg geht vom 31.8. bis 2.9. die sechste Runde des „Princely Tattoo“ über die Bühne mit Gruppen und Darstellern aus acht Nationen. 300 Musiker, Tänzerinnen und Gardisten reisen dann an. Regie führt Pascal Seger.

Weitere Informationen hier


Ribeauvillé & Riquewihr – unsere Nachbaren im Elsass

Mit Nachbarsregionen ist es wie mit den Nachbaren im Block, man kennt sie nicht. Zwei Stunden von Basel kann der Besucher in den Vogesen in eine Art Mittelalterwelt in Ribeauville und Riquewihr eintauchen und sich mit Wein, Flammkuchen und Gugelhof verköstigen lassen.

Ribeauville liegt 15 Km von Colmar im Naturpark der Vogesen und der beste Weg sich durch die Touristenmassen  vor Ort durchzuschlagen, ist die elektrische Minibahn, die jede Stunde vom Parkplatz des Dorfparks abfährt und über Kopfhörer 50 Minuten wichtige Infromationen liefert.
Die nicht verkehrsfreie Stadt lebt vom Weinbau, Tourismus und man höre und staune Mineralwasser.
Nachdem man sich kurz beim Maler an der Hauptstrasse ein Auge voll genommen hat, lockt das Mittelalterstädtchen mit Häuser aus dem 16./17, Jahrhundert,
 der Pfarrkirche, dem Metzgerturm,
Störchen auf den Türen, einer Bergrunine, wo Juden gefoldert wurden und unzähligen Handwerkergeschäften. Restaurants und Cafes

 

und mit den Spezialitäten der Region Flammkuchen und Gugelhopf.

Am ersten Steptembersonntag spielen hier Dutzende von Strassenmusikanten und wer bereits jetzt das schönste Dorf Frankreich sehen und einen Ort erleben will, der völlig unversehrt das 16. Jahrhundert ausstrahlt, reist eine halbe Stunde mit dem Auto nach Riquewihr ans Ende der Vogesen.
Hier gibt es zwar auch wieder einen Touristenzug, doch der Ort ist klein und kann gut zu Fuss entdeckt werden,. In den Kellern unter den Häuser sieht der Besucher wie der Käse gemacht wird oder Glas geschliffen.
oder probiert zum Schluss einen Burgunderwein in den zahlreichen Brauereien.
Weitere Informationen zu den zwei Orten hier