Liechtenstein – Unbekanntes im Ländli vom Musiker Andy Biedermann

Mit dem Fürstentum Liechtenstein verhält es sich, wie mit Nachbaren im Block, man kennt sich nicht. Bevor er abends mit seiner Rockband Androbb ein Comeback gab, zeigte der Musiker und Gesangslehrer Andy Biedermann seine Geheimtipps im „Ländli“.

Andy Biedermann, es ist zehn Uhr, früh für einen Musiker. Sie sind auf dem Weg zum Openair Malans, doch vorher machen wir in Schaan in Ihren Vocal Studio einen Halt. Wer sind Sie und warum ist der heutige Augusttag ein besonderer für Ihre Band?

Andropp gibt es seit 16 Jahren und nach einer dreijährigen Pause rocken wir heute beim Openair Malans, wo ich durch den Radiomoderator und Mitorganisator Chris Bluemoon, in dessen Band ich zweite Gitarre spiele, angefragt wurde, wieder in neuer Besetzung.
Mit sechs Jahren hörte ich eine Hitsammlungsplatten der Queen und dann war es um mich geschehen. Ich wollte in meinem Leben etwas mit Musik machen. Habe Musik studiert und das Vocal Studio 2012 gegründet und mich gegen den Rat des Vaters selbstständig gemacht. Ich unterrichte auch via Skype und noch an einer Privatschule Gesang.

Vorbei an Vaduz mit hohen Temperaturen fuhren wir zum Berggasthaus Matu in Masescha Triesenberg, wo Sie wandern gehen mit Ihrer Freundin und dann Hirschwurst essen. 


Manche halten Liechstenstein für den 27. Kanton der Schweiz. Ist es mühsam im Ausland das Fürstentum immer wieder erklären zu müssen?

Wir sind irgendwie im Herzen von Europa und sicher trotz nur 37000 Einwohner ein eigenständiges Land mit Schweizer Postleitzahlen und dem Schweizer Franken als Währung. Als Exot geniesse ich es aber innert zwei Stunden in Bregenz, Mailand oder Zürich zu sein und dann wieder in die Vielfalt an Natur, Kultur und Wirtschaft ins Ländli zurückzukehren. Die Naturvielfalt und Schönheit von hier und die Stille ist für ein Musiklehrerohr Erholung pur.

Im Oberland liegt das Wahrzeichen von Triesen, wo Sie aufwuchsen, die Kappelle St. Mamerta, unweit Ihrer Dachwohnung mit Blick ins St. Galler Rheintal
 

Das Kunstmuseum Bern zeigt diesen Frühling die „Fürstliche Kunstsammlung“- millionenteure Bilder vom Fürsten, aber bieder. Ich behaupte, Sie machen Musik als Rebellion gegen die Biedermänner und wären gerne wie Al Walser in den USA?

Ich bin als 35jähriger Mann ein Musiker aus Leidenschaft und nicht weil die Gesellschaft negativ ist. Ich verarbeite in meinen Texten das Private, vielleicht auch weil es uns Liechtensteiner so gut geht, fast keine Arbeitslosigkeit, keine Obdachlosen, Ueberbauung, Zerstörrung der Natur gibt.
Al Walser wuchs als Adoptivkind in einem sehr reichen Haushalt nur wenige Häuser von mir auf. Er fiel als dunkelhäutiger Junge in der damaligen Zeit auf und heute hat er es in den USA als Produzent geschafft, einen Grammy bekommen, wird aber hier als Grossmaul angesehen. Ich habe Hochachtung vor ihm, aber ich möchte nicht weg von hier.

Obwohl Sie mit einem Musikgehört gesegnet sind, spielten Sie bis 19 Jahren Fussball, wollten Profi werden. Wir sind nun im Stadion des FC Vaduz und die Stationhymne haben Sie komponiert.
 

Auf was ausser den sportlichen Erfolgen im Ski oder Fussball sind noch stolz auf das 105 km umfassende Liechtenstein?

Ich wurde den beiden Anforderungen Fussball und Elektrikerlehre nicht gerecht und musste mich entscheiden. Stolz bin ich auf den Dorfcharakter der Landes und den Zusammenhalt, den ich spüre wie am Vaduzer Staatsfest in wenigen Tagen. Wir mischen uns auch ein in weltpolitischen Fragen und haben einen Wandel in den letzten Jahren durchgemacht, sind weltoffener geworden.
Negativ ist halt der Klatsch und Tratsch. Wenn dein Ruf runiniert ist, musst untendurch und das Land besser verlassen.

Vor Ihrem grossen Auftritt könnten Sie sicher noch einen Abkühlung gebrauchen wie hier in der Freizeitanlage Gamprin mit Badesee im Unterland.
Viele sind hier miteinander verwandt und da wird geheuchelt. Darf man im Fürstentum seine Meinung frei äussern und wie weit darf diese gehen?
 
Ich war schon zweimal hier diesen Sommer. Sicher darf jeder seine Meinung frei sagen auch zum Fürsten, natürlich in der richtigen Wortwahl. Bei der Facebookgruppe Stammtisch Liechensteiner geht es manchmal allerdings gar direkt zu und her und ich komme ins Grübeln. Der Fürst hat ja ein Vetorecht und kann Abstimmungsresultate somit ändern. Allgemein kann gesagt werden, dass der Liechtensteiner einen liberalen Charakter hat.
Vorbei an Ihrem Heimatort sind wir nach einem Gang durch den Wald bei der Burgrunine bei Schellenberg angelangt und sie waren seit der Jugend nicht mehr hier, wissen aber, dass hier Hexenprozesse durchgeführt wurden und Ende August das „Princely Tattoo“. 
 
Ihr seit der sechstkleinste Staat der Welt in dem rund 10 000 Schweizer arbeiten. Wo unterscheiden sich die sechs verschiedenen Dialekte sprechenden Liechensteiner von den Schweizern?
Geld, Reichstum, Statussymbole wie Auto, Haus, Style haben für uns einen höheren Stellenwert und das tradionelle Familienbild ist tief verankert. Vieles ist brutal teurer als in der Schweiz und die Finanzwelt in Vaduz knallhart. Wir sind etwas faul und nehmen keinen längeren Arbeitsweg als zwanzig Minuten in Kauf im Gegensatz zu Euch, die ihr bis zwei Stunden zum Geld verdienen fährt. Wir reisen gerne an Orte wie Mauritius statt Mallorca und geben dann damit an. Doch in der Arbeitsmoral sehe ich keinen Unterschied, aber im Geld ausgeben statt sparsam leben sicher.

                 Weitere Informationen zu Andy Biedermann Vocal Studio hier

Veranstaltungstipp: The Princely Liechenstein Tattoo

Auf der historischen Bergruine Schellenberg geht vom 31.8. bis 2.9. die sechste Runde des „Princely Tattoo“ über die Bühne mit Gruppen und Darstellern aus acht Nationen. 300 Musiker, Tänzerinnen und Gardisten reisen dann an. Regie führt Pascal Seger.

Weitere Informationen hier


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