Dübendorf – Ohlala – Sinn und Sinnlichkeit im Zirkus

Auch die 7. Ausgabe Ohlala ist eine ausgewogene Mischung aus Artistik, Tanz und Komik im Moulin Rouge von Dübendorf des Gregory Knie, obwohl die tradionellen Zirkusnummern mehr Applaus vom Publikum erhielten als die erotischen Provokationen.

Als vor zehn Jahren das digitale Zeitalter mit dem Internet überall in die Lebenseinstellungen der Bevölkerung durchdrang, veränderte sich die Sinnlichkeit. Sie wurde fortan ein schnelles Konsumgut als Youporn oder sex sells Video in der Popmusik. Die Bilder sind gemacht, doch Gregory Knie und sein Team wollen auch die restlichen sechs der sieben Sinne mit ihrem diesjährigen Programm ansprechen mit Kunst.
Ob Rezept oder Ehe oder nur Liebelei – die Mischung machts, damit die Sinnlichkeit einen Sinn bekommt und so wechseln auch bei Ohlala bekannte Zirkusnummer mit nackter Haupt, damit das Kirbbeln im Bauch, der offene Mund, das Staunen in den Augen und das Lachen mit dem Mund nicht aus dem Gesicht der Zuschauer über zwei Stunden weicht.
Die grossartige Rundumsicht im Zelt ohne Haltestangen garntiert manchmal einen Tiefenblick, wenn die Tanzcrew sich im Wasserglas halbnackt plantscht oder der amerikanischen Komiker beim Kostümwechsel das Kleid vergisst und seinen Penis zeigt.
Doch am meisten Applaus bekamen an dieser nicht ausverkauften Sonntagsabendvorstellung tradionellen Nummern, wo Artisten ihr Können, ihre Muskeln und ein erotisches Augenzwinkern zeigten.
Somit ist die 7. Ausgabe Ohlala eine Reise nach Dübendorf wert als Trostpflaster gegen die Einsamkeit des November-Schmuddelwetters oder als Anleitung für Bananenspiele bei eingerosteten Beziehungen. Eines werden Sie als Zuschauer bei den Vorstellungen, die noch bis zum 22. Oktober dauern, sicher, ihren ganzen Körper von Kopf bis Fuss spüren.
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Zentrum Paul Klee Bern – 10 Americans after Paul Klee

Als die Zeichen in Europa auf Krieg hindeuteten, wurde der Berner Maler Paul Klee in den USA zum Star. Sein Einfluss auf amerikanische Künstler von 1930 bis 1960 zeigt die Ausstellung „10 Americans“ im Zentrum Paul Klee bis zum 7. Januar 2018.

 

Heute verhält es sich gerade umgekehrt als Ende der 20er Jahre des letzten Jahrhunderts. Als Donald Trump zum Präsidenten gewählt wurde, wollten viele Künstler nach Kanada oder Europa auswandern. Als Adolf Hitlers Einfluss immer grösser und die Situation in Deutschland für Künstler bedrohlich wurde, zog Paul Klee zuerst nach Bern und nicht wie seine Kollegen nach New York. Doch die Schweiz war damals ein Bauernstaat und die Galeristen und das Geld der Reichen zog mit ihnen nach Amerika, also fuhr auch er über den Atlanik und blieb. 1930 gab es die erste Kleeausstellung in den Vereinigten Staaten im Museum of Modern Art New York und in den folgenden Jahren setzte ein regelrecher Boom ein, wie Kuratorin Fabienne Eggelhöfer von „10 Americans“ erklärte.
Zusammen mit der Phillips Collection Washigton hat sie für die Ausstellung, die zuerst in Bern und ab Februar in den Staaten gezeigt wird, zehn Künstler ausgewählt, die unverkennbar vom Berner Maler beieinflusst wurden, weil er etwas vor ihnen tat, was sie auch wollten, die Tradition aufbrechen.
10 Künstler, zehn Amerikaner, zehn Anknüpfungspunkte und der Beginn des Zentrum Paul Klees den globalen Einfluss vom Berner in kommenden Ausstellungen zu ergründen.
Der heute noch bekannteste unter den zehn Malern ist Action Painting Star Jackson Pollack. Der sich gerne als Macho und cooler Cowboy Zeigender belächelte anfangs das Kleinformat Klees doch war sich nicht zu schade als Aufsichtsperson im Guggenheimmuseum zu arbeiten und nebenbei Klees ausgestelltes Werk dort zu studieren. Wie andere Maler hatte er Klees Werk auch im Atelier 17 gesehen und das Studium Klees half ihm die Linien in seinem Werk aufzubrechen, die Druckplatten ständig zu überarbeiten.
Andere Namen wie Mark Tobby, Norman Lewis, Theodoros Stamos sind heute vergessen, doch die Ausstellung zeigt die Vergleiche zwischen Klee und ihrem Werk im Bildvergleich vor Ort. Die eigene Bildsprache Klees, sein Wunsch zurück zum Ursprung zu gehen, folgten sie. Besuchten das Naturhistorische Museum, studierten neben der Natur auch die Stammeskultur der Indianer oder liessen sich vom ersten Bildband Klees beflügeln wie Adolph Gottlieb.
„10 Americans“ im Zentrum Klee zeigt für einmal, dass nicht alles Neue nur aus Amerika kommt sondern auch Bern der neuen Welt etwas gegeben hat und sie etwas Eigenständiges daraus gemacht hat.
Viele Jazzkonzerte gibt es im Begleitprogramm und im Kindermuseum Creaviva können Kinder ein Kunstwerk aus Kartonkisten bauen oder sich an anderes Werk machen.
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Le Noirmont – Kunstausstellung „Zwischen-Grenzen“ und Ursula Boveys Vorbereitungen dazu

Im Kulturzentrum La Nef in Le Noirmont Kanton Jura stellt die Bernerin Ursula Bovey vom 24. September bis 15. Oktober zusammen mit Mitgliederinnen der Schweizerischen Gesellschaft Bildender Künstlerinnen zum Thema ZWISCHEN – GRENZEN aus. Ein Atelierbesuch und ein Gespräch über ihre Auseinandersetzung mit der vielschichtigen Thematik.

Heute ist ein Donnerstagmorgen mit leichtem Herbstnebel. Ist das ein entscheidender Faktor für das Finden eines Motives oder ist die Morgenmoral eine grössere Grenze?

Nach dem Aufstehen denke ich an das Werke, das ich gerne male möchte, manchmal kommen mir sogar im Bett schon Ideen. Der Weg zu meinem Atelier an der Aare entlang, ist auch belebend, wenn ich im Gegensatz zu früher, heute Anlaufschwierigkeiten habe.
Ihr Bürgerort ist Chesaux sur Lausanne, die Ausstellung findet im Jura statt. Viele Berner können mit den Welschen nichts anfangen, wie haben Sie diese Grenze überwunden?

Bereits als Kind hatte ich Kontakt zur Westschweiz, wo ich in den Ferien in einem Schloss half den Haushalt zu machen und gleichzeitig das Französisch lernte. Eine Sprache, die ich liebe und nun täglich spreche, da mein Mann ein Waadtländer Musiker ist.


Der Ausstellungsort, das la Nef in Noirmont, ist nicht weit von der französischen Grenze entfernt, vonwo Flüchtlinge einreisen. Hat Sie diese Problematik bei der Malerei zu „Zwischen -Grenzen“ beeinflusst?

Sehr stark habe ich mich damit auseinandergesetzt. Mein Beitrag in der Ausstellung ist eine Zusammenarbeit mit dem Musiker Markus Hofer. Er komponierte ein Siebenminutenstück, welches im Nef zu hören sein wird. Es beginnt mit einem Beben für den Krieg und endet mit dem Tod. Dazwischen gibt es auch Töne, die an einen Amselgesang erinnern als Metampher für die Hoffnung.
Ich werde mit einem 5, 7 m langen Banner, auf dem meine malerische Auseinandersetzung zum Thema zu sehen wird,  vor dem Nef vertreten sein.
Ich war, um die Flüchtlinge besser kennenzulernen, auch in der Ziegelspitalunterkunft, die nun als Asylunterkunft genutzt wird.

Neben der Malerei und Aktionskunst sind Musik und Tanz wichtige Themen in Ihrem Leben. Ich behaupte, dass Sie es lieben durch Bewegung die Grenzen im Kopf freizubekommen?

Ja, ich liebe es, mich in der Malerei auf neue Techniken einzulassen wie den Digital Print, den ich für meine Ausstellung im La Nef brauche. Ich kam über den Tanz und die Musik zur Malerei. Ich male auch nach Klassik. Zuerst höre ich das Stück, mache eine Skizze, schreibe einen Text, dann male ich, was die Musik in mir ausgelöst hat, aber ohne sie.

Sie sind verheiratet und grossgeworden in einer anderen Zeit, wo Frauen weniger frei waren. Welche Grenztore mussten Sie im Laufe des Lebens überwinden, um Freiräume zu finden?

Ich hatte vorschrittliche Eltern, die mir Freiraum liessen und von Muttersseite her hatte es Maler in der Verwandtschaft. Es wehte ein liberaler Geist zu Hause. Ich habe schon in der Kindheit gemalt. Ich hatte zwar Diskussionen mit dem Vater, als ich Künstlerin werden wollte und machte eine Ausbildung an der Kunstgewerbeschule als Basis und unterrichte später. Im Schulbetrieb lernte ich die Lohnungleichheit kennen, was mich total nervte. Ich stellte den Rektor zur Rede, warum das so sei. Ansonsten habe ich eine gute Beziehung zu Männern. Im La Nef machen aber nur Frauen mit.

Was macht eine Ursula Bovey, wenn Sie die Grenzen der Innerlichkeit beim Malen verlassen und mal durchschnittlich sein will?

Ich spiele ja Klavier, Querflöte und Gitarre, gehe an die Konzerte meines Mannes oder an Ausstellungen. Spass macht auch das Kochen für meine beiden Schwestern. Ich kann nicht immer nur im Atelier sein, brauche die Anregung von Draussen in der Stadt, beim Blickkontakt im Tram oder beim Wandern auf dem Gurten.

So, nun laufen wir von Wabern ein Stück der Aare entlang zu meinem Atelier im Dachstock eines alten Hauses in der Nähe des Kleemuseums, wo ich unterrichtet habe und geniessen Berns grüne Seite.

Informationen zur Ausstellung

Datum: 24. September bis 15. Oktober 2017
Öffnungszeiten: Donnerstag bis Sonntag: 14 – 18 Uhr
Ort: Kunstzentrum La Nef, 2340 Le Noirmont/Jura
Vernissage: Sonntag, 24. September, 11 – 13 Uhr
Finissage: Sonntag, 15. Oktober, 15 – 17 Uhr

Informationen zum SGBK hier

Gstaad Menuhin Festival – Aida

 

Nach sieben Wochen Klassik unter dem Motto „Pomp in Music“ läutete die Aida-vorstellung den Schlusspunkt des diesjährigen Gstaader Menuhin Festival ein. Unter der Leitung von Dirigent Gianadrea Noseda lief der Chor und das London Symphony Orchester zu Höchstform auf, die Solisten nicht.

 

Noch den Klang des kräftigen Regens vor dem Zelt im Ohr, leuchteten Lichtbilder von ägyptischen Pharaonen und Königinnen auf den acht Pappsäulen eines Tempels und die grosse Anzahl Musiker wartete auf ein Zeichen von Dirigent Gianadrea Noseda, der fortan mit jedem einzelnen Finger den Takt angab. Nicht mit Pomp wie das Motto des Festival sondern ganz leise mit zwei Geigen begann „Aida“ – die Mutter aller Opern.

Der Genuaner Francesco Meli mit Brille und ohne Mikrofon leitete mit seinem Tenor in die Oper in vier Akten von Giuseppe Vedi ein, die am 24.12.1871 Premiere feierte in Kairo und auch 150 Jahre später dem Gstaader Festival ein volles Haus bescherte.
Auf den Leinwänden beiderseits der Bühne erschien der Text über die äthiopische Königstochter, die als Geisel nach Aegypten verschleppt wurde und bald auftauchte. Im goldenen Kleid und goldenen Schlarpen ging Kristin Lewis aus Little Rock Arkanas als Aida auf den Ständer mit dem Text zu und begann wild darin zu blättern. Einige Zuschauer drehten sich zur Seite und fragten sich, ob sie den nicht textsicher sei. Dabei hatte die in Wien lebende Schwarze bereits 2014 in St. Margrethen an den Opernfestspielen die selber Rolle gespielt. Auch später gab es Unsicherheiten und ihr Sopran war im ersten Teil zu leise und die Textaussprache zu amerikanisch.

Eine Dame macht von Anfang an klar, dass sie der Star des Abends sein wird, der am Schluss am meisten Applaus erhielt. Anita Rachvelishvili war eine Wucht. Sie sang nicht nur, sie spielte ihre Rolle als Amneris mit viel Inbrunst und hatte einen Mezzosopran, den die Zuhörer spontan beklatschten.

Nach drei Stunden gab es für das Orchester, das stets einen grossen Klangteppich lieferte und besonders den Chor, der sehr gut war, viel Applaus, bei den Solisten verhielt sich das Publikum zuerst verhalten, bevor es sich dann doch erhob und Standing ovation gab, da doch der zweite Teil des Abends dank mehr Einsatz der Solisten und vielen Feinheiten von Seiten des Orchesters und Chors ein Genuss war.