Gstaad Menuhin Festival – Aida

 

Nach sieben Wochen Klassik unter dem Motto „Pomp in Music“ läutete die Aida-vorstellung den Schlusspunkt des diesjährigen Gstaader Menuhin Festival ein. Unter der Leitung von Dirigent Gianadrea Noseda lief der Chor und das London Symphony Orchester zu Höchstform auf, die Solisten nicht.

 

Noch den Klang des kräftigen Regens vor dem Zelt im Ohr, leuchteten Lichtbilder von ägyptischen Pharaonen und Königinnen auf den acht Pappsäulen eines Tempels und die grosse Anzahl Musiker wartete auf ein Zeichen von Dirigent Gianadrea Noseda, der fortan mit jedem einzelnen Finger den Takt angab. Nicht mit Pomp wie das Motto des Festival sondern ganz leise mit zwei Geigen begann „Aida“ – die Mutter aller Opern.

Der Genuaner Francesco Meli mit Brille und ohne Mikrofon leitete mit seinem Tenor in die Oper in vier Akten von Giuseppe Vedi ein, die am 24.12.1871 Premiere feierte in Kairo und auch 150 Jahre später dem Gstaader Festival ein volles Haus bescherte.
Auf den Leinwänden beiderseits der Bühne erschien der Text über die äthiopische Königstochter, die als Geisel nach Aegypten verschleppt wurde und bald auftauchte. Im goldenen Kleid und goldenen Schlarpen ging Kristin Lewis aus Little Rock Arkanas als Aida auf den Ständer mit dem Text zu und begann wild darin zu blättern. Einige Zuschauer drehten sich zur Seite und fragten sich, ob sie den nicht textsicher sei. Dabei hatte die in Wien lebende Schwarze bereits 2014 in St. Margrethen an den Opernfestspielen die selber Rolle gespielt. Auch später gab es Unsicherheiten und ihr Sopran war im ersten Teil zu leise und die Textaussprache zu amerikanisch.

Eine Dame macht von Anfang an klar, dass sie der Star des Abends sein wird, der am Schluss am meisten Applaus erhielt. Anita Rachvelishvili war eine Wucht. Sie sang nicht nur, sie spielte ihre Rolle als Amneris mit viel Inbrunst und hatte einen Mezzosopran, den die Zuhörer spontan beklatschten.

Nach drei Stunden gab es für das Orchester, das stets einen grossen Klangteppich lieferte und besonders den Chor, der sehr gut war, viel Applaus, bei den Solisten verhielt sich das Publikum zuerst verhalten, bevor es sich dann doch erhob und Standing ovation gab, da doch der zweite Teil des Abends dank mehr Einsatz der Solisten und vielen Feinheiten von Seiten des Orchesters und Chors ein Genuss war.

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