Le Noirmont – Kunstausstellung „Zwischen-Grenzen“ und Ursula Boveys Vorbereitungen dazu

Im Kulturzentrum La Nef in Le Noirmont Kanton Jura stellt die Bernerin Ursula Bovey vom 24. September bis 15. Oktober zusammen mit Mitgliederinnen der Schweizerischen Gesellschaft Bildender Künstlerinnen zum Thema ZWISCHEN – GRENZEN aus. Ein Atelierbesuch und ein Gespräch über ihre Auseinandersetzung mit der vielschichtigen Thematik.

Heute ist ein Donnerstagmorgen mit leichtem Herbstnebel. Ist das ein entscheidender Faktor für das Finden eines Motives oder ist die Morgenmoral eine grössere Grenze?

Nach dem Aufstehen denke ich an das Werke, das ich gerne male möchte, manchmal kommen mir sogar im Bett schon Ideen. Der Weg zu meinem Atelier an der Aare entlang, ist auch belebend, wenn ich im Gegensatz zu früher, heute Anlaufschwierigkeiten habe.
Ihr Bürgerort ist Chesaux sur Lausanne, die Ausstellung findet im Jura statt. Viele Berner können mit den Welschen nichts anfangen, wie haben Sie diese Grenze überwunden?

Bereits als Kind hatte ich Kontakt zur Westschweiz, wo ich in den Ferien in einem Schloss half den Haushalt zu machen und gleichzeitig das Französisch lernte. Eine Sprache, die ich liebe und nun täglich spreche, da mein Mann ein Waadtländer Musiker ist.


Der Ausstellungsort, das la Nef in Noirmont, ist nicht weit von der französischen Grenze entfernt, vonwo Flüchtlinge einreisen. Hat Sie diese Problematik bei der Malerei zu „Zwischen -Grenzen“ beeinflusst?

Sehr stark habe ich mich damit auseinandergesetzt. Mein Beitrag in der Ausstellung ist eine Zusammenarbeit mit dem Musiker Markus Hofer. Er komponierte ein Siebenminutenstück, welches im Nef zu hören sein wird. Es beginnt mit einem Beben für den Krieg und endet mit dem Tod. Dazwischen gibt es auch Töne, die an einen Amselgesang erinnern als Metampher für die Hoffnung.
Ich werde mit einem 5, 7 m langen Banner, auf dem meine malerische Auseinandersetzung zum Thema zu sehen wird,  vor dem Nef vertreten sein.
Ich war, um die Flüchtlinge besser kennenzulernen, auch in der Ziegelspitalunterkunft, die nun als Asylunterkunft genutzt wird.

Neben der Malerei und Aktionskunst sind Musik und Tanz wichtige Themen in Ihrem Leben. Ich behaupte, dass Sie es lieben durch Bewegung die Grenzen im Kopf freizubekommen?

Ja, ich liebe es, mich in der Malerei auf neue Techniken einzulassen wie den Digital Print, den ich für meine Ausstellung im La Nef brauche. Ich kam über den Tanz und die Musik zur Malerei. Ich male auch nach Klassik. Zuerst höre ich das Stück, mache eine Skizze, schreibe einen Text, dann male ich, was die Musik in mir ausgelöst hat, aber ohne sie.

Sie sind verheiratet und grossgeworden in einer anderen Zeit, wo Frauen weniger frei waren. Welche Grenztore mussten Sie im Laufe des Lebens überwinden, um Freiräume zu finden?

Ich hatte vorschrittliche Eltern, die mir Freiraum liessen und von Muttersseite her hatte es Maler in der Verwandtschaft. Es wehte ein liberaler Geist zu Hause. Ich habe schon in der Kindheit gemalt. Ich hatte zwar Diskussionen mit dem Vater, als ich Künstlerin werden wollte und machte eine Ausbildung an der Kunstgewerbeschule als Basis und unterrichte später. Im Schulbetrieb lernte ich die Lohnungleichheit kennen, was mich total nervte. Ich stellte den Rektor zur Rede, warum das so sei. Ansonsten habe ich eine gute Beziehung zu Männern. Im La Nef machen aber nur Frauen mit.

Was macht eine Ursula Bovey, wenn Sie die Grenzen der Innerlichkeit beim Malen verlassen und mal durchschnittlich sein will?

Ich spiele ja Klavier, Querflöte und Gitarre, gehe an die Konzerte meines Mannes oder an Ausstellungen. Spass macht auch das Kochen für meine beiden Schwestern. Ich kann nicht immer nur im Atelier sein, brauche die Anregung von Draussen in der Stadt, beim Blickkontakt im Tram oder beim Wandern auf dem Gurten.

So, nun laufen wir von Wabern ein Stück der Aare entlang zu meinem Atelier im Dachstock eines alten Hauses in der Nähe des Kleemuseums, wo ich unterrichtet habe und geniessen Berns grüne Seite.

Informationen zur Ausstellung

Datum: 24. September bis 15. Oktober 2017
Öffnungszeiten: Donnerstag bis Sonntag: 14 – 18 Uhr
Ort: Kunstzentrum La Nef, 2340 Le Noirmont/Jura
Vernissage: Sonntag, 24. September, 11 – 13 Uhr
Finissage: Sonntag, 15. Oktober, 15 – 17 Uhr

Informationen zum SGBK hier

Ein Gedanke zu “Le Noirmont – Kunstausstellung „Zwischen-Grenzen“ und Ursula Boveys Vorbereitungen dazu

  1. Liebe Ursula,
    das ist ein sehr schöner Text!
    Allzugerne käme ich am Samstag zu dir, aber jetzt hat sich Besuch aus dem Ausland angesagt—– ich kann nicht kommen.
    Hoffentlich hast du auch viel Besuch.
    Eines Tages kann ich vielleicht kommen, mal schauen.
    Ich bin sehr zuhause angebunden, wie du vielleicht gemerkt hast.
    Alles Liebe!
    Ruth

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