Explora – Russland – Holger Fritzsches Livereportage über Wodka, Weite und Abenteuer

Russland_Transsib_HF

Wenn die Abende wieder länger werden, ist es Zeit für die Explora-Livereportagen durchs ganze Land. Der aus der DDR stammende Holger Fritzsche nimmt Sie ab dem 18. November von Wetzikon über Bern bis Cham nach Russland. Er zeigt wie sich das Leben hinter den Klischees und Missverständnissen zwischen Moskau bis Sibirien abspielt. Ein Interview zur Vorbereitung auf den Lichtbildvortrag.

Porträt_HF

 

Mit Ihrer Diashow “Russland”  für Explora kommen Sie auch nach Bern, wo Lenin in der Länggasse wohnte und von hieraus die Revolution plante. Welche Spuren davon haben Sie noch gesehen auf Ihrer Entdeckungsreise in der Weite Russlands?

Lenin bekomme ich zu sehen, er steht ja immer noch auf vielen öffentlichen Plätzen und weist uns den Weg in eine strahlende Zukunft. Allerdings, der neue Mensch, den er erschaffen wollte, ist sehr selten geworden. Die meisten Menschen in Russland legen auf die gleichen Dinge Wert, die wir im Westen schätzen, in der Regel gepaart mit einem ausgeprägt konservativen Weltbild. Aus vielen kommunistischen Revolutionären sind mittlerweile brave Reaktionäre geworden. Diese wiederum treffen im eignen Land auf Hipster, Rocker, Punks und Anhänger diverser spiritueller Bewegungen –  ich glaube, Lenin ist tot.

 

Russland_Plakatbild

 

Das öffentliche Bild Russlands hat mit Putin im Westen gelitten, doch Moskau ist nicht Russland und Putin nicht der typische Russe. Was hält den dieses Land voller Gegensätze zwischen Sibirien über den Kaukasus bis zum schwarzen Meer zusammen?

Der Aufschwung unter Putin, Putin, Heimatliebe, Leidensfähigkeit, Genügsamkeit und ihr geliebter Patriotismus.

 

Russland_Unterwegs in Sibirien

 

Waren Sie immer mit einer vollen Geldtasche und einer Flasche Wodka unterwegs, um trotz Korruption und Trinksucht an den Menschen ranzukommen oder sind die offener als Deutsche und Schweizer?

Mit voller Geldtasche war ich nie unterwegs – ich bin ja kein Schweizer. Mit Korruption hatte ich als Reisender nur beim Kontakt mit der Polizei zu tun, aber auch diese gibt sich inzwischen, zumindest dem Ausländer gegenüber, eher zuvorkommend. In den letzten Jahren hielt man mich nur einziges Mal an, als ich mit einem Auto unterwegs war, um mir mitzuteilen, dass man in Russland mittlerweile mit Licht fährt. Ob das jetzt repräsentativ ist, kann ich nicht beurteilen – aber Russland hat sich, auch was den zivilisierten Auftritt der Ordnungshüter betrifft, positiv verändert.Alkohol im öffentlichen Raum zu sich zu nehmen ist verboten, Werbung für alkoholische Getränke ebenfalls. Diese Verbote werden natürlich kreativ umgangen: Beim Kauf von zwei Flaschen Bier bekommt man zum Beispiel ungefragt zwei Papiertüten dazu – man trinkt „getarnt“ aus der Tüte. Wodka wird von denen, für die Wodka ein Grundnahrungsmittel ist, in Bitterlemonflaschen oder ähnlichem abgefüllt, um sich dann im Park auf einer Bank eine Limonade zu teilen. Wichtig dabei ist, sich keinesfalls in den Innenstädten zu betrinken. Wer torkelt, dem bleibt nur wenig Zeit, dann landet er in einer Ausnüchterungszelle. Die Kampagnen zur Erziehung des Volkeszeigen Wirkung: Getrunken wird weniger, zumindest laut offiziellen Zahlen. Wenn ich mit einer Wodkaflasche gelangweilt an einem stark frequentierten Platz herumlungern würde, hätte ich schnell Freunde, aber sicher nicht die, die ich suche

Russland_Baikal_Fischer

Als Reisender ist man außerhalb Moskaus ja noch ein Exot, und für die Menschen in der „Provinz“ ist man mehr Gast als Tourist. Deswegen muss  ich mich weder mit einem Mercedesstern am Schlüsselbund noch mit einer Flasche Wodka durch die Taiga bewegen. Sitzt man gemütlich in einer Runde zusammen, dann wird ausgetrunken – die Flasche natürlich, das Glas sowieso – wenn es richtig schön ist, soll es so bleibenRussen gehen konsequenter mit ihren Gefühlen um, sind deshalb auch konsequenter in ihrem Trinkverhalten.

Russland_auf dem Eis des Baikal

Sie waren bei 36 Grad minus mit dem Velo unterwegs. Gab es sonst noch bedrohliche Situationen bei ihrem Abenteuer?

Bis 2003 gab es versuchte Überfälle während ich mit dem Auto unterwegs war. Aber seit 2004 reise ich unbedroht durch den größten Flächenstaat der Welt.

–         Russland_Susdal

Mir hat mal ein Russe erzählt, dass sie seine verstorbene Mutter kurzerhand mit einem Militärfahrzeug zum Friedhof brachten, weil keine Geld für Benzin ihres Autos da war. Was ausser der Improvisationskunst kann der reiche Westler von den Russen lernen?

Gelassenheit.

Was haben Sie für Ihr Leben aus diesem Russlandtrip mitgenommen?
Gelassenheit.

Weitere Informationen zu Holger Fritzsche hier

Tickets zum Exploravortrag gibt es hier

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