Bern – Verdingbueb im Musiktheater Bern

Es ist die Schande des letzten Jahrhunderts in der Schweiz. Die gestohlene Kindheit der Verdingkinder. Nachdem Film hat Plinino Bachmann zusammen mit Barbara Sommer nun eine Bühnenfassung geschrieben, die unter der Regie von Sabine Boss am Musiktheater Bern Premiere feierte.

Zwar hat das Parlament der Wiedergutmachunginitiative zugestimmt und den Opfer 25000 Franken Solidaritätsbetrag zugesprochen, doch der Schmerz den Fremdunterbringung von Waisen und Scheidungskinder von 1800 bis 1980 ist das traurigste Kapitel einer sonst so sich menschlich gebenden Schweiz. Unser Holocaust.
„Der Verdingbueb“ war 2011 ein sehr gut gemachter Kinofilm vom Markus Imboden und ein Publikumserfolg. Wie bei der jetzigen Theaterfassung schrieb Plinio Bachmann das Drehbuch unter der Mithilfe von Sabine Boss.
Die Handlung beginnt zu Beginn der 50ier Jahre, wo Hauptdarsteller Max gespielt von Basler Schauspieler Nico Delpy (Bild oben) im Emmental unsanft aus dem Schlaf gerissen wird und auf den Bauernhof der Bösigers verdingt wird. Als Sohn einer Unverheirateten und Waise hatte er keine Chance in der damals noch armen Schweiz ohne Sozialsystem. Doch nun beginnt noch ein grösseres Leid, den Bösiger gespielt vom Gstaader Andreas Matti trinkt und Frau und Sohn sind gewalttätig wie er.
Doch trotz der Schläge und Demütigungen gibt es Hoffnung in der Beziehung zum Verdingmädchen Berteli gespielt von der Stadtbernerin Miria Strübel und dem Traum nach Argentinien zu gehen, der ihn am Leben hält.
Die Aargauerin Sabine Boss, bekannt als Regisseurin vom „Tatort oder dr Goalie bin ig“ und Swiss Award Gewinnerin zeigt in der Theaterfassung Paralellen zwischen den wirtschaftlichen Verhältnissen die Menschen in Abhängigkeiten und Ausbeutung treibt und dem Menschenhandel. Somit ist „Verdingbueb“ nicht einfach ein Stück Schweizer Geschichte, das mit dem genannten Parlamentsentscheid abgehackt werden kann sondern weitergeht als Parabel über die Verletzlichkeit des Menschen und den Verlust seiner Würde wie bei den Flüchtlingen von heute.
Kommt das 1,45 Stunden dauerte Theaterstück an die Filmfassung mit der ausdruckstarken Leistung des damaligen Laienschauspielers Max Hubacher? Nicht im ersten Teil.
 Nachdem Schreck, dass halt notgedrungen alle Verdingkinder von Erwachsenen gespielt werden, das Bauernhaus in der dunklen Matte überhaupt nicht wie ein Emmentalerhof aussieht und als Zugeständniss an die vielen deutschen Schauspieler Hochddeutsch gesprochen wird mit Brocken Mundart, lahm die Handlung. Im Rhythmus von zehn Minuten tritt zwischen dem mageren Geschehen ein Schauspieler nach vorne und erzählt die Geschichte weiter. Sobald die Spieler im Haus sind hört man sie fast nicht mehr sprechen. So war den der Tenor beim Pausencafe überall gleich. Der Film war besser, hoffentlich ist es auch der zweite Teil des Theaters.
Ja, er ist es und wie. Von der ersten bis zur letzten Minute kommt Spannung auf, wird die Brutalität der Gastfamilie mit den Schlägen und Vergewaltigung und Tötung Bertelis aber auch die Loslösung von Max in einer Dramartugie die Hand und Fuss hat aufgezeigt.
So erhielt am Schluss der „Verdingbueb“ reichlich Applaus und nur schon die Kälte und Verlorenheit mit der die Baslerin Grazia Pergoletti die Bösigerin spielt, ist ein Theaterbesuch wert.
Weitere Informationen zu Verdingbueb hier 

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