Luzern – Monika Mansour und ihr Kriminalroman Luzerner Totentanz

An Heiligabend lässt die Krimiautorin Monika Mansour in „Luzerner Totentanz“ Ermittler Cem Cengiz in seinem vierten Fall im Luzerner Männliturm ein vermisstes Mädchen finden. Wurde es Opfer der Sträggele, einer Hexe, die in den kalten Winternächten ihr Unwesen treibt? Ein Rundgang zu den Schauplätzen des Krimis und ein Interview über das Schreiben.

Monika Mansour, Luzern ist seit dem Tatort nicht mehr nur die Postkartenidylle sondern es gibt auch das Dunkle. „Luzerner Totentanz“ geht in die gleiche Richtung. Warum soll man diese Hexenjagd in der Zentralschweiz lesen?

Ich habe versucht Vergangenheit und Gegenwart Luzerns zusammenzubringen. Die Sage der Stränggele kennen viele nicht mehr, obwohl sie an der Luzerner Fasnacht von dem Verein Vuotisheer mit Masken dargestellt wird. Im Entlebuch ist diese Sage, die es in vielen Versionen gibt, noch präsenter. Sie wurde wohl erfunden, um den Kindern Angst zu machen. Ich habe versucht die Hexenjagd, die in der Zentralschweiz sehr gross war und das heutige Mobbing zu verbinden. Als Zürcherin war es auch spannend bei der Recherche,  die historischen Schauplätze in Luzern, die wir bei unserem Rundgang ansehen wie die Bildertafeln des Totentanzes bei der Spreuerbrücke oder die Jesuitenkirche, den Männliturm, zu besuchen und dann in die Geschichte einfliessen zu lassen.

In den 80er/90er Jahren wurden Krimis geschrieben, um neben dem Mord auch noch das soziale Umfeld abzubilden. Heute ist das nicht mehr gefragt, nur noch Schockbilder an Schockbilder wie bei Jo Nesobo. Schreiben Sie nach Lesertrends oder wie Sie etwas sehen?

Ich will wegkommen von den Schockbildern. Die stumpfen ab und sagen eigentlich nichts über die Person aus. In meinem Buch fliesst kein Tropfen Blut und erst am Schluss gibt es einen Mord. Spannend schreiben geht auch ohne Schockbilder. Ich kenne Autoren, denen der Verlag bei der Geschichte Morde vorschreibt, meiner lässt mir alle Freiheit von der Umschlaggestaltung bis zur Geschichte, das geniesse ich.

Wenn Sie Ihr Leben Revue passieren lassen, hat Sie die Bestie Mensch zum schreiben von Krimis veranlast oder war es der Wunsch ihrem Leben im Luzerner Hinterland mit Schreiben mehr Pfiff zu geben?

Weder noch. Ich liebe die Herausforderung einen spannenden Krimi zu schreiben, den Plot aufzubauen, was gar nicht so einfach ist und Geschichten zu schreiben, bei denen der Leser mitraten kann.
Sie sind ja auch Mutter und Ehefrau, wohnen im Luzerner Hinterland. Können Sie sich noch an die Anfänge vom „Luzerner Totentanz“ erinnern. Schreiben Sie nachts? Wo gab es Probleme?

Ich versuche an drei Morgen von acht bis elf Uhr zu schreiben, wenn der Junge und der Mann weg sind. Ein bis zwei Monate gehören der Recherche und dem Grundgerüst bauen, dann schreibe ich drei Monate an der Geschichte. Ich lasse es fliessen und schaue nicht nach Fehlern und Grammatik, das mache ich erst nach dem Abschluss. Klar ist es anstrengend neben den alltäglichen Pflichten noch die Figuren des Krimis in sich zu tragen und manchmal bin ich beim Kochen abwesend, wenn ich an sie denke und es brennt mir etwas an. (lacht).

Ist das Lokalkolorit auch ein Zugeständnis an das Recherchieren. Sie müssen nicht weit reisen oder wollten Sie die nicht endlos etwas hergebende Region von an Anfang als Kulisse?

Mein Verlag macht halt Krimis mit Regionalcharakter und in der Innerschweiz gibt es viel zu entdecken in ihrer Geschichte. Spannend ist auch, wie Deutschsprachige auf meine Sprache, die bewusst so gelassen wurde, wie wir hier sprechen, reagieren in Internetforen. Bei mir heisst es: Ich parkiere ein Auto und nicht, ich parke ein Auto.


Haben Sie Kontakt zu der Krimiszene Schweiz und wie ist es für Sie als scheue Schreiberin nach einem Jahr am Pult vor ein Publikum bei Lesungen zu treten?

Die Deutschschweizerkrimiautoren treffen sich beim Stammtisch in Olten zum Essen und man kennt sich. Ich bin eher ein scheuer Mensch, trotzdem mache ich Lesungen gerne. Gerade ist mein neues Buch „Businessplan Mord“  – wie man erfolgreich einen Krimi schreibt – rausgekommen und zusammen mit Sunil Mann und Nicole Bachmann lesen wir am 27.10.17 im Treffpunkt Hunzikerareal Oerlikon. Mein nächster Krimi kommt im nächsten Frühling und spielt in Zug. Neben dem Schreiben arbeite ich noch in der Buchhaltung und hoffe in den nächsten drei, vier Jahren vom Schreiben leben zu könnnen.


Monika Mansours Luzerner Totentanz 
ist im Emons Verlag erschienen.

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