Biel – Rapperduo Die Zwei – Die Saga von Benja und VanRhymes

Biel überrascht immer wieder mit hartnäckigen Musikern, die ihr Ding durchziehen, egal was der Trend und die Zeit, das Alter sagt. Sie rappen nicht, um davon zu leben, aber für Oliver Perret alias VanRhymes und Benjamin Zbinden alias Benja ist der Sprechgesang ihre Operation am offenen Herzen der Schweiz, der Welt. Zwei gestandene Männer und ihr Debut „Die Zwei – die Saga von Benja und VanRhymes“

Mit “Die Saga von Benja und VanRhymes” tretet ihr neu in der Musikszene mit dem Debut auf. Wie würde Benja VanRhymes und umbekehrt einer Drittperson den Charakter des Anderen beschreiben, wo liegen die Stärken und Schwächen des Einzelnen und wie habt Ihr Euch kennengelernt?

Wir kennen uns schon seit der Schulzeit, wir haben uns damals draussen beim Skateboarden kennengelernt und waren dann viel gemeinsam am skaten. Zu dieser Zeit fing dann auch die Sache mit HipHop an, wir haben uns die Musik vieler deutscher Rapkünstler angehört und waren sehr fasziniert davon.
Benja: Ich würde VanRhymes als eine ruhige bescheidene Person beschreiben, die nicht unbedingt gerne im Mittelpunkt steht. Seine Stärke im bezug auf Rap, sehe ich ganz klar darin, dass er so richtig aufblüht wenn er am Mic loslegt. Da sind die Leute oft sehr positiv überrascht.
VanRhymes: Benja ist ein sehr aktiver Mensch. Er reisst gerne neue Projekte an und bei ihm muss immer was gehen. Seine positive Einstellung und das Interesse neues zu entdecken, sehe ich als stärke. Ein Schwäche von Benja ist das er manchmal
zu hohe Erwartungen hat und dann entäuscht ist wenn diese nicht erfüllt werden. Im Bezug aufs Album wurden diese Erwartungen was die Produktion anbelangt  zufrieden gestellt.

Ich behaupte, dass es “Die Zwei” nicht geben würde, wenn Ihr nicht in Biel leben würdet, eine Stadt Multikulti und Spiegel der Schweiz von morgen, wie hat sie Euch geprägt?

Benja: Ich denke schon dass es die Zwei geben würde, jedoch wäre der Inhalt unserer Texte sicherlich nicht derselbe. Biel hat uns grundsätzlich sehr positiv geprägt, besonders die vielfalt der Sprachen. Hier bist du einfach darauf angewisen mal französisch zu sprechen oder dich in Deutsch oder English mit Leuten anderer Nationen zu unterhalten. Mir macht es spass, wenn ich zum Beispiel einkaufen gehe oder Leute im Ausgang treffe kommt es natürlich immer wider vor, dass du nicht deine Muttersprache sprichst. Dies ist interessant und ein grosser Vorteil gegenüber einem grossen Teil der rest der Schweiz. Für mich ist das eine Bereicherung und auch auf Reisen war es immer sehr hilfreich.
Zu diesem Thema ist dann auch der Song „La ville de Bienne“ entstanden.

Ihr seit nicht mehr die Jüngsten und seit zehn Jahren oder mehr in der Rapszene. Warum hat es so lange gedauert bis “Die Zwei” erschien?

Es gibt mehrere Faktoren, die dazu geführt haben, dass wir nun seit sieben Jahren nichts mehr released haben. Seit dem letzten release dem Mixtape „Streetart“, welches wir noch unter dem Namen M33 herausgebracht haben ist viel passiert.
2 Mitglieder unserer ehemaligen Rapcrew haben sich von uns getrennt um andere Wege zu gehen. Benja war fast 2 Jahre im Ausland unterwegs, VanRhymes wurde Vater und hat nebenbei Solo ein paaar Songs und Videos veröffetlicht.
Nach der Auflösung von M33, war für uns ziemlich schnell klar, dass wir weiterhin Musik machen wollen und dass wir zu zweit ein Album produzieren möchten. Wir waren immer aktiv im Studio am sounden und schreiben. Da wir neben der Musik auch noch beide vollzeit arbeiten, hat es ein bisschen länger gedauert, bis wir das neue Album fertig hatten. Unser Ziel war es auch nicht, so schnell wie möglich was neues rauszubringen. Wir haben uns die Zeit genommen die wir brauchten.

Ich denke, Ihr arbeitet noch neben der Musik. Wie behält man seine Wut und den Finger auf den Wunden der reichen Schweiz, wenn neben einem alle Kollegen müde von der Leistungsgesellschaft und bürgerlich werden?

Wie bereits erwähnt, arbeiten wir beide Vollzeit neben der Musik. Für uns ist das Rappen ein guter Ausgleich neben dem Arbeitsleben. Das Thema Leistungsdruck wird in mehreren Songs auf dem Album angesprochen. Wir möchten dabei zum denken anregen. Gerade hier in der Schweiz, leben wir in einer krassen Konsumgesellschaft. Dies führt unter anderem bei jedem gewisserweise zu Leistungsdruck. Wir möchten vermitteln das weniger mehr ist und man dies mehr schätzen sollte. Es sind doch oft die kleinen Dinge die das Leben wertvoll machen und der Moment der zählt. Im Song „Das wollen Sie“ geht es z.B darum, dass wir immer dass besitzen möchten, was der andere hat. Besitzen wir es dann, sind wir doch nicht zufrieden und was neues muss her. Wir müssen lernen uns mit dem zufrieden zu geben was wir besitzen und nicht immer sehen was wir nicht haben. Dies ist leider schwierig in einer Gesellschaft, die dir Glück und Zufriedenheit durch Konsum vermittelt.
Uns geht es hier in der Schweiz viel besser als in vielen andern Ländern der Welt und wir sollten dies zu schätzen wissen und dankbar sein. Zu diesem Thema haben wir den Song „Vielen Dank“ geschrieben.

Spotify lässt viele Schweizer Rapper links liegen, doch alle hören diesen Steamingdienst. Wie wollt Ihr “Die Zwei” auf der kommenden Tournee vorstellen und unter die Leute bringen?

Wir versuchen hier allen Hörern gerecht zu werden. Ab dem 25.10.17 gibt es das Album einerseits physisch auf CD, aber auch digital in den Stores. Das Album kann eigentlich überall im Handel bestellt werden. Auf Itunes, Google music, cede etc. und natürlich direkt bei unserem Vertrieb Ingroove  (dies ist für uns natürlich am besten). Ab Januar wird das Album auch auf Streamingdiensten wie Spotify und Deezer zu hören sein. Wir haben uns bewusst so entschieden, erst ab Januar Streaming anzubieten, weil wir da schlichtwegs ein scheiss verdienen werden, aber es trotzdem da anbienten wollten. Januar ist denken wir ein guter Kompromiss.
Das grösste potential sehen wir aber im Moment nach wie vor, im Verkauf der CDs an Konzerten. Da wir ja erst starten und uns noch nicht viele Leute kennen, können wir mit Konzerten am meisten punkten und die Leute so direkt überzeugen.
Wir denken, wenn wir die Konzertbesucher überzeugen können, dann gibt der eine oder andere auch gerne was für eine CD. Ausserdem haben wir da sehr viel reingesteckt und tolle Zusammenarbeit mit unseren Grafiker gehabt.
Wir haben uns für ein 6 seitiges Digipack entschieden (Kartonhülle), welches sehr schön verarbeitet ist und wirklich viel hergibt.

Hip-Hop ist eine Bewegung und eine Einstellung. Lebt Ihr neben dem Rappen diesen Lebenstil auch im Privaten in einer Gang, Club, Mode, Sprayen?

Natürlich leben wir diese Einstellung auch im Privaten. Diese Einstellung ist jedoch sehr breit gefächert und wir denken das jeder ein Stück weit für sich definieren kann was für ein Hip-Hop Livestyle er anstreben möchte.
Es geht uns beim Rap nicht um Frauen, Sex und Geld oder irgenwelche Oberflächliche Sachen. Einerseits wollen wir Message vermitteln und kritisch sein, andererseits auch einfach Spass haben und über geile Beats flowen und spitten.
HipHop ist für uns ein Lebensgefühl. Die Musik gibt uns kraft und Motivation durchs leben zu gehen und wir wollen Leute mit unseren Texten ansprechen.
Für uns ist Hip Hop Akzeptanz, Sprachrohr, Style, Competition und Respekt. Wir wollen nicht die Faust im Sack machen, sondern behandeln Themen die uns beschäftigen in unseren Texten.
Was oft vergessen geht ist das HipHop ja aus den 4 folgenden Elementen besteht: Rappen, DJing, Sprayen und Breakdance. Wir üben mit Rap nur eines dieser Elememente aus.
Das Sprayen überlassen wir denen dies können und haben grossen Respekt davor. In einer Gang sind wir nicht (lacht), wir haben aber viele Leute im Umfeld die eines dieser besagten Elemente ausüben.
Man trifft sich natürlich hier und da an Jams, in Ateliers oder Ausgang und ist connected mit andern.

 Der Track „La Ville de Bienne“ als Video
Weitere Informationen zu DIE ZWEI hier

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