Bern – Bestandsaufnahme Gurlitt – Entartete Kunst – Beschlagnahmt und verkauft im Kunstmuseum Bern

Gerade mal 6 Gemälde der rund 1400 Werke der 2014 im Testament von Cornelius Gurlitt vermachten Bilder sind Raubkunst, der Rest wurde und wird noch untersucht.  Das Kunstmuseum Bern zeigt rund 160 Werke der Aktion „Entartete Kunst“ mit Werken von Ernst Ludwig Kirchner, Franz Marc und Otto Dix. In der Ausstellung werden auch die politischen Vorgänge thematisiert und nach einem Durchgang wird sich der eine oder andere Besucher fragen, ob die Aufregung und Kosten um den Fund eines der wichtigsten Kunsthändlers im „Dritten Reich“ gerechtfertigt sind?

Es ist eine der schönsten Beschäftigungen mit dem Können eines kreativen Menschen, dessen Erzeugnisse zu kaufen und mit dem Geist der Motive an den Wänden seine Wohnung und den Alltag zu verbringen. Die Gurlitts malten nicht nur, sie kaufen in Mengen Gemälde, so dass man nach dem Ende von Cornelius Leben in der kleinen Münchnerwohnung und im Salburgerhaus 1400 Kunstwerke fand. Er war also ein Kunstmessi, aber auch einer der sich blenden liess von der Schönheit der Farben, den mit jedem Werk kaufte er und besonders sein Vater während des Nationalsozialismus auch eine Geschichte. Doch war die astrein?
Die Schlagzeilen um das Testament und die langen Verhandlungen der letzten drei Jahre gingen um die Welt und so verwunderte es nicht, dass an der Pressekonferenz zur aktuellen Ausstellung auch die Weltpresse in Bern anwesend war. Ein BBC Journalist stellte an das Kuratorenteam Bern und Deutschland, wo gleichzeitig in Bundeskunsthalle Boon Gurlitts Erbe ausgestellt wird, die Frage: Haben sich der Aufwand und die Steuergelder in der sogenannten Provenienzrecherche Gurlitt“ – dem Nachforschung, ob es nun Raubkunst ist oder nicht – gelohnt? Es bliebt einen kurzen Moment still, jeder der Kurautoren schaut den anderen an und es folgte eine Erklärung und Rechfertigung.  Doch was erwartet den Besucher im Untergeschoss des Kunstmuseums Bern?

Rund 150 Werke, viel Mittel- und Kleinformate von Künstlern, die von der Herkunft und Ideologie als entartetet galten und nun mit Infotafeln in die Kampagnen und Zeitgeschehnisse eingeordnet werden. Die Arbeiten auf Gouachen, Aquarelle, Farbholzschnitten, Zeichnungen und Druckgrafiken sind aus den Epochen Symbolismus, Expressionsmus, Konstruktivismus und Neue Sachlichkeit. Die Dresdner Künstlergruppe „Die Brücke“ mit Otto Dix ist besonders stark vertreten.

Mögen Namen wie Emil Nolde, August Macke, Otto Mueller einen gewissen Ruf haben, sind ihre in Bern ausgestellten Werke keine Meisterwerke. Vieles was jetzt als Besonders gilt, wäre an einer Ausstellung in einem anderen Kontex im Nebenraum aufgehängt worden.

Ein zweiter Raum der Ausstellung zeigt die Arbeit der Provenzienrecherche Gurlitt“ und das Kunstmuseumskino zeigt auch Stefan Zuckers Dokumentationsfilm „Gurlitts Schatten“. Für Leute aus der Berufsgattung Bildende Kunst und Geschichte sicher hochinteressant und es werden noch einige Ausstellung in den nächsten Jahren zum Thema folgen. Für den Laien, der sich gerne berauschen lässt von schönen Bildern, muss sich auf eine sehr sachliche Ausstellung gefasst machen und nicht wenige wird sie langweilen.

Die Ausstellung Bestandsaufnahme Gurlitt – Entartete Kunst. Beschlagnahmt und Verkauft – dauert noch bis zum 11. März 2018.

Weitere Informationen hier

Bildernachweis:

BILD 1

Ernst Ludwig Kirchner Zwei Akte auf Lager (Zwei Modelle), 1907/08 Schwarze und farbige Kreiden auf geripptem Doppelpapier Kunstmuseum Bern, Legat Cornelius Gurlitt 2014 © Kunstmuseum Bern

BILD 2

Ernst Ludwig Kirchner Melancholisches Mädchen, 1922 Farbholzschnitt auf Japanpapier Kunstmuseum Bern, Legat Cornelius Gurlitt 2014 © Kunstmuseum Bern

BILD 3

August Macke Im Schlossgarten von Oberhofen, 1914 Aquarell und Graphit auf Papier auf Karton Kunstmuseum Bern, Legat Cornelius Gurlitt 2014 © Kunstmuseum Bern

BILD 4

Otto Mueller Bildnis Maschka Mueller, vor 1925                          Leimtempera auf Jute, auf Leinwand doubliert Kunstmuseum Bern, Legat Cornelius Gurlitt 2014 © Kunstmuseum Bern

BILD 5

Otto Dix Schütze vom Infanterieregiment 103, o. J. Pastell und schwarze Kunstkreide auf Packpapier Kunstmuseum Bern, Legat Cornelius Gurlitt 2014, Provenienz in Abklärung / aktuell kein Raubkunstverdacht © 2017, ProLitteris, Zurich Foto: © Kunstmuseum Ber

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