Zürich – Bernhardtheater – der schwarze Hecht vom Eric Vock

Funktioniert die Komödie „Der schwarze Hecht“ von Paul Burkhard von 1939 mit dem Welthit „O mein Papa“ 2017? Wenn das Bernhard Theater Zürich das musikalische Lustspiel in drei Akten in die Regie von Erich Vock gibt grösstenteils ja.

Als Jörg Schneider im August 2015 verstarb, war sein Nachfolger als Volksschauspieler mit Erich Vock bereits gefunden. Für das Bernhardtheater ist der Schauspieler und Regisseur der Goldessel schlechthin, bringt er doch mit „Cabaret oder der Niederdorfoper“ ohne Mut zum Experiment publikumswirksame Kost auf die Bühne und begeistert Massen.
Als eine Mischung aus Muscial und Komödie ist es diesmal die Paul Burkhard Adoption von Emil Sautters „De sächzigscht Giburtstag“ bekannt als „der schwarze Hecht“ – die Abrechnung mit der Zürcher Gesellschaft, ihren grauen Seelen und der biederen Moral.
Sabine Schneebeli (der Bestatter) alias Karline Oberholzer möchte ihrem Gatten Hansjörg Bahl (Amag-news) alias Albert zum 60. Geburtstag eine Freude bereiten und lädt seine Geschwister und ihre Ehepartner ein. Doch die Verwandtschaft des Fabrikanten ist launisch, herr- und streitsüchtig – kurz so wie man sich vermögende Zürcher vorstellt – irgendwie durchtrieben.

Nachdem Nadine Michelle Arnet als Tochter Anna und Fabienne Louves als Köchin bei jeder Probe ihres Duetts für den Papa von der Hauskingel zwecks Einführung der Figuren ins Spiel unterbrochen werden, fehlt dem Volktheaterstück noch der Spielverderber.

Der kommt mit dem besser sprechenden als singenden Philippe Roussel als Bruder Alois und sexy Viola Tami als Zirkusdirektorsfrau Iduna. Sie wurde im Nachtzug zwischen Budapest und Paris gezeugt und verdreht als Frau den halbstarken Schweizer Männer den Kopf und bringt das Fest ins Wanken und Tochter Anna ins Träumen vom Zirkus.

Viola Tami als femmes fatal überzeugt von der ersten Minute an singend und sprechend und ist der Star des ersten sehr lustigen Aktes.

Noch mit einer Lachträne im Auge hofft der Zuschauer auf ähnliches im zweiten Teil, wo sich das Bühnenbild vom Wohnzimmer in den Zirkus Obolski verwandelt und jeder Schauspieler vom ersten Teil eine Rolle in der Manege hat. Hier blühen Daniel Bill und Erich Vock als Clowns auf.

Leider sind die Gags im Laufe des Spiels altbacken und irgendwann Kinderzirkus. Alles hat man irgendwie schon mal gesehen. Auch der Rest des zweiten und dritten Aktes, wo deutlich mehr gesprochen als gesungen wird als im ersten, ist nicht mehr so prinkelnd obwohl sich Maja Brunner als fauchender Löwe oder männermordene Ehefrau Paula recht Mühe gibt, ist es Christian Menzi als junger Fischer und Weissclown, der Anna auf die poetische Art anmacht und natürlich nochmals Viola Tami im roten Kleid und tausend Messer im Rücken der eifersüchtigen Frauen, die berühren.
327 Vorstellungen, 127 000 Zuschauer für die „Kleine Niederdorfoper “ und später  für „Stägeli uf und Stägeli ab “ 50 000 Zuschauer lockte Erich Vock ins Bernhardtheater. Ob bis zum 4. Februar 2018 die Erfolgsgeschichte mit dem „schwarzen Hecht“ weiterführt, werden die nächsten Wochen zeigen.

 

Wer leichte Unterhaltung mit viel Lachern gegen den Novemberblues sucht, ist mit der jetzigen 2, 20 stündigen Inszenierung gut bedient.

Weitere Informationen zum schwarzen Hecht hier 

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