Basel – Exstasia – Beobachtungen an der grössten Erotikmesse der Schweiz

 

Draussen kalt, drinnen lauwarm bis heiss, so zeigt sich der Samstagnachmittag in der Halle 3 des Messegeländes Basel, wo mit Milo Moiré aus Luzern, Micaela Schäfer aus Berlin und Marcelo Bravo aus der Steiermark Erotikstars und Spielzeughersteller um die Gunst des Publikumsgeldbeutel werben.

Bei Minusgraden und einer Bise stehen um 14 Uhr am Samstagnachmittag drei Generationen von Männern vor den Toren der Extasia. Der Herr mittleren Alters, der als Jugendlicher ein Schmudelheftli am Kiosk klaute oder bei der Papiersammlung danach suchte, der 30-jährige, der vor Jahren mit 18 seine erste DVD mit hochrotem Kopf auslieh und die in der Ueberzahl bis 22-jährigen, die bereits mit 12 Jahren im Internet Erotik runtergeladen haben.
Junge Frauen zu dritt oder reife Ehefrauen gibt es zwar auch, doch die sind in der Minderzahl.
Am Eingang gibt es eine Gratistasche mit einem Kontaktanzeigenmagazin drin, wo ausländische Frauen nach den Vor- und Nachteilen des Geissenpeters gefragt wurden. Alle bemängeln die Flirt- aber loben die Bettqualitäten des Schweizer Mannes.
Doch vielen der Besucher ist unbewusst klar, sie sind damit nicht gemeint, sie sind alleinestehende Männer. Irgendwann im Leben haben sie den Zug verpasst, hat sie die Arbeitswelt aufgefressen und müde gemacht für die Suche nach dem richtigen Partner, also gab es Ersatz in der Erotikbranche, von denen nun einige bekannte und unbekannte Namen sich halbnackt mit Fans fotografieren lassen.
Neben Dildos, vielen Arten von Präservativen zeigt die Messe auch eine 3 D Brille, womit man einen Porno ganz nah an den Augen ansieht, aber nichts hört. Man(n) bleibt wie bei vielen Spielzeugen dabei alleine.
Lustiger sind da die Schokoladenpenisse oder die Lederklamotten. Ein Ehepaar sieht sich Dessous an und dahinter erklärt ein Basler, wie ein Schweizer „Fifty shades of grey“ nachmachen könnte mit einem Kochlöffel und Peitsche.
Mittlerweile hat sich die Halle gefüllt und die erste Darbietung auf der Bühne wird angekündigt, während für eine andere Lesbenshow hinter einem Vorhang nochmals zwanzig Franken gezahlt werden müssen, nachdem bereits der Eintritt 35.– und die Garderobe mit Taschendepot sieben  Franken gekostet haben.
Samy Fox mit vielen Tattoos und Celluite an den Beinen gibt sich an der Stange Mühe, zaubert goldene Kugeln aus der Scheide und bekommt am Schluss ganz nackt trotzdem fast keinen Applaus.
Nachdem niemanden ihren Kalender in der ersten Stunde nach Eröffnung gekauft hatte, macht sich die ehemalige Studentin der Berner Uni und gescheiterte Psychologin aber erfolgreiche Performencekünstlern aus Luzern Milo Moiré auf den Weg zum Eingang und verteilt Autogrammkarten. Will einer ein Foto oder Selfie mit ihr, fraucht sie: „Keine Fotos“ hinter der schwarzhaarigen Perücke hervor. Dabei lebt sie wie alle anderen Erotikstars doch von dem, was die Leute mit dem künstlichen Bild ihrerselbst machen und niemand würden an diesem Nachmittag einen Erotikstar fragen, wie es ihm als Mensch geht. Alle Männer sättigen nur ihren geilen Blick und werden an der Tramhaltestelle wieder zur grauen Maus.
 
Weitere Informationen zur Extasia hier

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