Aarau – Alexandre Beuchat – der Bariton ganz privat

Argovia Philarmonic präsentiert ab dem 20. Januar in den dritten Abokonzerten Musik und Dichtung Alexandre Beuchat. Bevor der Sänger für das Publikum in Muri, Aarau, Rheinfelden und Baden mit seinem Bariton Deutschen Orchesterliedern singt, gewährt der Jurassier Einblicke in sein Künstlerdasein.

Ich überrasche Sie gerade in Wien, wo Sie Emsemblemitglied an der Volksoper sind. Bald beginnen die Vorbereitungen zu Ihren Abenden mit Deutschen Orchesterlieder ab dem 20. Januar für arogovia philharmonic. Was hat Sie an dieser Anfrage für deutsche Lieder von Beethoven und Schubert als französisch Sprechender gereizt?

Ich habe mich immer sehr intensiv und gern mit Sprachen auseinandergesetzt. Vor allem mit dem Deutschen, da ich seit meinem Wegzug aus der französischen Schweiz auch privat komplett in diese Sprache eintauche. Sprachen haben ja immer einen Einfluss auf die Stücke, die man singt und es ist kein Zufall, dass das Lied aus der deutschen Sprache entstanden ist. Sie nimmt da eine erzählerische und durch die vielen Konsonanten fast geflüsterte Eigenschaft an, die mit dieser Gattung perfekt übereinstimmt. Es ist kein Geheimnis, dass Deutsch schwieriger zu singen ist als beispielsweise Italienisch. Aber ich finde, dass es sich beim Lied am Natürlichsten anfühlt. Bei Balladen spüre ich das besonders: Obwohl Deutsch nicht meine Muttersprache ist, eignet es sich so gut dafür, dass ich mir die Gattung in keiner anderen Sprache besser vorstellen könnte.

Orchesterlieder sind typisch für das 19. Jahrhundert und die Entstehung der Konzertsäle. Lesen Sie zwecks Recherche auch die Geschichte der Zeit und die Entstehung der Lieder?
Egal ob es Oper, Oratorium oder Lied betrifft, liegt jeder musikalischen Auseinandersetzung eine gründliche Recherche zugrunde. Besonders jedoch im erwähnten Fall finde ich es sehr wichtig, den Hintergrund gut zu verstehen und die Absichten zu erfassen, die hinter der Idee stecken, eine ursprünglich Salon-orientierte Musik in einen Konzertsaal mit vollem Orchester zu verlegen. Ich denke, man braucht immer ein umfassendes Verständnis eines Werkes, um dieses bestmöglich interpretieren zu können.
Sie sind im Kanton Jura aufgewachsen und im Januar, wenn die Musik und Dichtungsreihe in Muri ab dem 20.1 beginnt, wird es sehr kalt sein. Als Kind haben Sie im Schnee gespielt, werden Sie nun als Bass-Bariton im Winter zum Stubenhocker aus Angst vor Halsschmerzen?

Da muss ich sagen, ich habe meine eigene Theorie. Ich bin überzeugt, dass man sich das Leben unnötig schwer macht, wenn man versucht, sich vor diesen „sängerischen Gefahren“ zu schützen. Natürlich setze ich mich nicht unnötigen Risiken aus, aber ich möchte mich nicht ständig mit gesanglichen Gesundheitsfragen beschäftigen. Was ich aber versuche, gerade zu dieser Jahreszeit, ist Überlastung und Schlafmangel zu vermeiden. Und sich Zeit zu nehmen für gutes Essen, aber das schadet ja das ganze Jahr hindurch nicht!

Singen heisst auch graue Seelen zum Leben erwecken. Sie haben ja erst letztes Jahr den Master mit Note 6 in Luzern abgeschlossen. Lernt man im Studium wie man das Publikum packt oder wird das ein ständiges Lernen im Alltag?

Ganz ehrlich, am Anfang meines Studiums hatte ich keine Ahnung, was auf mich zukommen würde. Ich wurde aber sehr gut unterstützt und konnte mir so stabile Grundlagen aufbauen. Während meines Studiums habe ich die technischen Werkzeuge erarbeitet, um meine Stimme präsentieren zu können und Auftritte in der Theorie geübt. Aber wenn es soweit ist und man vor einem „echten“ Publikum steht, nützt einem alle Theorie der Welt nichts. Das hat nichts mit der Qualität einer Ausbildung zu tun, sondern mit einer persönlichen Entwicklung. Ich hatte die Chance, parallel zu meinem Studium bereits viele Erfahrung zu sammeln, v.a. in meinem Engagement am Luzerner Theater. Dadurch habe ich einen ganz anderen und neuen Zugang zum Auftreten bekommen. Und bis heute: Jedes Konzert, jedes Vorsingen und jede Aufführung, egal ob gut oder weniger gut, bringt mich einen Schritt weiter auf meinem Weg, dem Publikum genau das zu geben, was ich will.

Mit Ihrer Stimme müssen Sie sich gegen das Orchester bei den kommenden Liederabenden durchsetzen. Wie laden Sie Ihre Lebensbatterien auf, was haben Sie für Hobbies?

In erster Linie beschäftige ich mich in meiner Freizeit mit dem Kochen. Und dazu gehört natürlich auch das Essen. In meiner Familie war die gemeinsame Zeit in der Küche immer eine sehr wichtige Sache. Es war am Wochenende nicht ungewöhnlich, dass man stundenlang hinter dem Herd stand, um danach stundenlang zusammen zu schlemmen. Diese Freude und den Genuss daran, sich dafür Zeit zu nehmen, habe ich behalten. Wenn ich einmal länger frei habe, versuche ich so oft wie möglich mit meiner Partnerin in neue Städte zu reisen. Es ist immer ein riesiges Glück und eine tolle Ablenkung, neue Orte zu entdecken. Und etwas gutes und vielleicht unbekanntes zu Essen gibt es da auch immer!

Bartionsänger sein verlangt ein besondere Haltung. Ist der Alexandre Beuchat immer einer, der an seine junge Karriere denkt oder lässt er sich auch mal bei einem Glas Wein mit Freunden im Jura gehen und tanzt die Nacht durch?

Wenn ich einmal in der Schweiz bin, dann meistens für Konzerte. Aber ich mache immer gerne Abstecher in den Jura oder nach Luzern, um Freunden zu besuchen. Ich will auf keinen Fall das Eine oder Andere vernachlässigen und werde deshalb weiterhin sowohl Karriere als auch Beziehungen pflegen. Ganze Nächte durchzutanzen liegt entsprechend nur ausnahmsweise drin, das hat nicht nur mit meiner Berufswahl zu tun: Man ist nun mal nicht mehr 20!

Weitere Informationen zu den Konzerten und Kartenbestellungen hier

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