Zürich – VOYAGER III – PILOT #1 Eine musikalische Reise in den interstellaren Raum im KOSMOS

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe «Voyager III» im KOSMOS Zürich laden am 7. Januar um 17 Uhr die beiden Musiker Hank Shizzoe und Michael Flury sowie die Regisseurin Verena Regensburger zu jeder Folge einen musikalischen und einen intellektuellen Experten ein. Neben Musik und Gesprächen wird überlegt wie den eine Kontaktanzeige an Ausserirdische aussehen könnte.

Verena Regensburger, warum haben Sie für Ihre Veranstaltung im Kosmos nicht die Mondlandung, die in den Köpfen der Menschen gegenwärtiger ist, genommen und stattdessen die Sonde Voyager?
Die Mondlandung ist bekanntlich “Ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein riesiger Sprung für die Menschheit“. Doch die Mission Voyager geht in gewisser Weise noch einen Schritt weiter.
Zum einen war es 1977 gesetztes Ziel der NASA, die äußeren Planeten des Sonnensystems mit den Voyager Sonden eingehend zu erforschen, um dann in den interstellaren Raum einzutauchen. Jede Sekunde kommt Voyager somit an einen Ort, an dem wir noch nie gewesen sind und verändert dabei unsere Ansicht über die Planetenfamilie der Sonne.
Zum anderen, und das ist der ausschlaggebende Punkt für unsere Veranstaltungsreihe VOYAGER III, befinden sich an Bord der Raumkapseln zwei identische, mit einer Goldschicht überzogenen, Bild-Ton-Platten: die Golden Records — beigefügt als Botschaft an mögliche außerirdische Zivilisationen und auch an uns Menschen selbst. Die Schallplatte ist den „(…) Musikmachern — in allen Welten, zu allen Zeiten“ gewidmet. Wir wollen uns mit der Selektion der Golden Records auseinandersetzen und kreieren unser persönliches Update.
Voyager transportiere das Vermächtnis der Menschheit. Was muss man sich darunter vorstellen? War das eine Reaktion auf einen möglichen Nuklearkrieg und hat nicht das Internet dieses Vermächtnis im All überholt?
Die Golden Record möchte uns Menschen und den Planeten Erde vorstellen. Eine Kleingruppe um Carl Sagan diskutierte drei Monate lang, welche Inhalte aus dem Bereichen der Natur und Kultur in Form von Bild- und Tondokumenten ihren Platz auf der begrenzten Laufzeit der Schallplatte finden sollten. Die Auswahl umfasst 118 Fotos, etwa 90 Minuten Musik, ein Audio-Essay über Die Geräusche der Erde und Grüße in fast 60 Sprachen und einem Walgesang sowie Grußbotschaften Jimmy Carters, Präsident der Vereinigten Staaten und Kurt Waldheims, des Generalsekretärs der Vereinten Nationen.
Von Beginn an wurde sich für eine reiche Sammlung an Musik entschieden. Denn neben Informationen über unser Leben auf der Erde, unsere Wahrnehmung und unser Denken versprach sich Sagan über die Musik u.a. das Gefühlsleben der Menschen zu vermitteln. Daraus wurde ein Unikum, das eine Bachkomposition stimmig mit dem Gesang eines peruanischen Mädchens verbindet, und Blind Willie Johnson mit Beethoven.
Ob die Voyager mit dem ´Vermächtnis der Menschheit´ eine Reaktion auf einen möglichen Nuklearkrieg gewesen ist? Nein, vielmehr wurde hier die Chance ergriffen, dass in etwa 4 Billionen Jahren, wenn unsere Sonne sich in einen Roten Riesen verwandelt hat, die beiden Sonden immer noch zwischen den Sternen unterwegs sein werden und somit nicht nur uns überleben, sondern auch unseren Stern.
Das Internet steckt wahrscheinlich noch in den Kinderschuhen. Doch wie lange hat es überhaupt Bestand, wenn man in Dimensionen von Billionen Jahren denkt? Auch heute ist das Internet keine würdige Alternative zur Golden Record Platte. Es ist in gewisser Form der Messie unter den Sammlern. Hier findet man scheinbar alles und jeden. Die Herausforderung und Besonderheit der Golden Recordist schließlich, eine repräsentative Auswahl zu treffen — sich zu entscheiden. Eine Definition der Menschheit und der Erde in einem präzisem Spektrum aus Bild- und Toninhalten zu kreieren, stellt eine Auseinandersetzung dar, die im Gegensatz zur Masse und vermeintlichen Vollständigkeit des Internets einen beachtlichen Mehrwert darbietet. Die nicht zu vermeidende Subjektivität und auch der Zufallscharakter, welche die Zusammenstellung der Inhalte prägen, sind zutiefst menschliche Züge und bilden eine Qualität, die zu einem Teil der Botschaft wird.
Neben den Musiker Hank Shizzoe und Michael Flury (zweites Bild), die den Abend musikalisch untermalen, kommt ja noch ein Experte in die Runde. Können Sie schon etwas über ihn und seine Funktion in der Aufführung verraten?

Genau wie Carl Sagen stellen auch Hank Shizzoe, Michael Flury und ich uns für unser persönliches Update ein Team zusammen. VOYAGER III ist eine Veranstaltungsreihe und somit ein langfristiges Projekt. Dabei beschäftigen wir uns mit ganz grundlegende Fragen: Wer sind wir? Wie leben wir? Was tun wir? Diese Fragen möchten wir sowohl in musikalischer Form für uns beantworten, als auch aus einer wissenschaftlichen Perspektive beleuchten.
Zu jeder Folge laden wir zwei weitere Experten ihres Fachs ein. Am kommenden Sonntag werden wir bei unserem „Pilot 1“ mit Vera Kappeler, Pianistin und Harmoniumspielerin sowie Peter Fux, Archäologe und Kurator der Altamerika-Abteilung des Museums Rietberg, darüber diskutieren, ob man für ein Update zusätzliches Material auf die Golden Record spielen müsste und dabei mögliche Musik-, Geräusch- und Bildinhalten für unsere Neuauflage generieren. Was die richtige Auswahl ist, darauf gibt es womöglich ebensoviele Antworten wie es Menschen gibt — so wird es spannend, eine Schnittmenge auszumachen.
Weitere Informationen zu Voyager 3 hier 

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