Goms/Zürich – Kaspar Wolfensberger über den Kriminalroman „Gommer Winter“ und das Schreiben im Goms

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Zuerst war das Goms von der Umwelt abgeschnitten nun Zermatt und das Saastal. Was geschieht eigentlich, wenn der Schnee die Wege vesperrt und die Dorfbevölkerung  tagelang eingeschlossen ist und Kriminalpolizist Walpen seine Arbeit, einen Mord aufklären, nicht nachgehen kann? Kaspar Wolfensberger geht im Kriminalroman „Gommer Winter“ dieser Frage nach.

 

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Kaspar Wolfensberger, gleich zu Jahresbeginn war das Goms von der Umwelt abgeschnitten und eine Kollegin von mir konnte nicht mal ausserhalb des Dorfes spazieren. Eine Ihnen bekannte Situation im Krimi “Gommer Winter” oder?

So ist es: Im «Gommer Winter», wo in der Vorweihnachtszeit schreckliche Morde passieren, wird das Goms – auch die Ermittler und der oder die Täter – eingeschneit, es gibt kein Wegkommen mehr aus dem tief verschneiten Tal. Die Menschen haben Angst: Angst vor den Lawinen und Angst vor weiteren Morden. Es kommt zu einem dramatischen Showdown zwischen dem Kriminalpolizisten a.D. «Kauz» Walpen und einem unheimlichen Täter im von Lawinen bedrohten und von der Aussenwelt abgeschnittenen Dorf Münster. – Ich selbst war kurz nach Neujahr auch im Goms eingeschneit – es war unheimlich schön. Gottlob blieben die «aussergewöhnlichen Todesfälle», anders als im Roman, aber aus.

 

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War nachdem Buch “Gommer Sommer” klar, dass der Winter, wo sich das Leben auf den Loipen und hinter den dicken Hausmauern abspielt, als Krimi herhalten musste?

Ja. Mir war klar, dass nach dem «Gommer Sommer» der «Gommer Winter» erscheinen musste. So schön und einladend das Goms im Sommer auch ist – so richtig lernt man dieses Oberwalliser Hochtal erst im Winter kennen. Wenn es eisig kalt wird, wenn viel Schnee fällt, wenn es guggsät und wenn danach die Sonne über der schimmernd weissen Landschaft mit seinen Langlaufloipen scheint, dann ist richtig «Gommer Winter». Wenn dann noch Lawinen drohen, wenn der Verkehr auf Strassen und Schienen eingestellt wird, dann gibt das natürlich eine ideale Kulisse für eine Kriminalstory.


Nach der Arbeit als Psychiater in Zürich und dem Essen und der Musik zugetaner Privatmann schreiben Sie Krimis, wo es brutal zu und hergeht. Warum wählten Sie diese Gattungsform und nicht die Belletristik?

Ich hoffe, es klingt nicht anmassend – aber eigentlich rechne ich meine Romane der Belletristik zu. In meinen Büchern überwiegt das Romanhafte gegenüber der Darstellung von brutalen Verbrechen. Zugegeben, sowohl im «Gommer Sommer» wie im «Gommer Winter» geschehen schreckliche Morde. Aber mir dient die Kriminalstory als Vehikel für eine spannende und unterhaltende Erzählung über das Goms und die Gommer. In meiner Arbeit als Psychiater höre ich Geschichten – banale und spannende, gewöhnliche und ganz und gar ungewöhnliche –, als Autor erfinde ich sie. Ich beschreibe Landschaften und Orte und erfinde Geschichten und Ereignisse, welche den ebenfalls erfundenen Romanfiguren in dieser Umgebung widerfahren.

 

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Schrieben Sie den “Gommer Winter” direkt während der Ferien vor Ort oder laufen Sie nur die Schauplätze ab und schreiben mit Distanz zum Ort in Zürich?

Wenn immer möglich schreibe ich in meiner Schreibstube im Goms, mit Blick auf Rotten und Galenstock. Selbstverständlich bewege ich mich so oft wie möglich durchs Goms – wandernderweise, auf Langlaufbrettern oder auf dem Bike – und lasse mich dabei von Schauplätzen, Menschen und Stimmungen inspirieren. Zuhause in Zürich redigiere ich den Text und feile vielleicht am Manuskript, aber im Wesentlichen entsteht die Geschichte am Ort der Handlung.

In der Freizeit gehen Sie mit Ihrer Frau auch gerne in die Wüste oder campen in der Wildnis, Welche Faszination hat das Goms für Sie als Weltenbummler und gibt es auch einen Geheimtipp dort, den nur Sie kennen?

Wenn ich lange genug zuhause – oder in meiner zweiten Heimat, dem Goms – bin, dann packt mich das Fernweh. Und meiner Frau geht es genauso. Wir müssen dann hinaus in die Wildnis, am allerliebsten in die Wüsten und Steppen Afrikas. Früher oder später zieht es uns zurück in die Heimat – Sie können es Heimweh nennen. Es gibt sicher Gemeinsamkeiten, erst recht natürlich Unterschiede, zwischen der unverdorbenen Kalahari und dem noch einigermassen intakten und stellenweise ziemlich wilden Oberwalliser Hochtal. Aber ich fühle mich nicht berufen, sie aufzuzählen oder zu begründen. Aber Ihre Frage ist genau richtig: von beiden Orten geht eine enorme Faszination aus, je länger man sich dort aufhält. Geheimtipp? Geheim nicht, aber Tipp schon: Wandern Sie im Sommer oder Herbst über den Gommer Höhenweg und machen Sie irgendwo einen Abstecher in ein Seitental – Sie werden ganz von selbst überraschende Entdeckungen machen. Garantiert!

 

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Das Jahr ist noch jung. Welche Projekte hat der Kaspar Wolfensberger ins Auge gefasst für die nächsten zwölf Monate?

Was das Schreiben angeht: Als Nächstes kommt der «Gommer Herbst» dran. Ein paar Stichworte seinen verraten: Es ist Jagdsaison, raten Sie mal, was da passiert. Der Wolf streunt durchs Tal…  Was das Reisen angeht: Afrika ruft, und wie!

 

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Das Buch Gommer Winter von Kaspar Wolfensberger erschien im Bilger Verlag, Informationen hier

Weitere Informationen zu Kaspar Wolfensberger hier

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