Bern – Slow Food Market – 3 Tage naschen und munden

Es ist noch Winter und schneit. Was gibt es da Schöneres als sich über ein feines Menu und ein Glas Wein Wärme für Leib und Herz zu gönnen. Zutatenvorschläge für Speis und Trank liefern 195 Produzenten aus dem Inn – und Ausland bis zum 4. März in der Expo Messehalle an der dritten Slow Food Messe Bern.

Yves Woodhatch aus Kloten ist etwas nervös. Er ist einer der neuen Produzenten an der diesjährigen Messe, die ihre Produkte einem grösseren Publikum vorstellen und sich persönlich den Leuten zeigen. Das hat er noch nie gemacht. Er und seine Frau Tania stellen unter dem Namen Würzmeister Gewürzmischungen her und er bietet mir vier verschiedene Aromen an Popcorn zum Naschen an. Ich entscheide mich für Thai Kokos Curry und erfahre, dass er nach dem Unfall gegen Ende der Lehre als Strassenbauer seine Leidenschaft fürs Kochen zum Beruf gemacht hat, weil ihm die Urgrossmutter ein Rezept aus dem Mittelalter geschenkt habe und ihm seit dann das Suchen nach aussergewöhnlichen Gewürzen nicht mehr los lässt. Wie alle Produzenten in der Halle sind auch des Würzmeisters Sachen frei von Zusatzstoffen.
Lukas Niederhauser aus Wabern hat einen Stand im Sektor Berner Local Food Heroes bekommen. Slow Food Bern unterstützt Kleinstproduzenten, damit ihre Arbeit und Produkte einer breiten Oeffentlichkeit vorgestellt werden können. Er habe sich extrem gefreut über die Einladung, sein Geschäft Cafethek in der Expohalle vorzustellen, doch vor lauter Freude habe er auf den Visitenkarten seinen Namen vergessen einzutragen, deshalb stemple er jetzt jede Karte und gebe sie den Kunden direkt in die Hand, sagt er. Sie wie er wissen, dass Kaffee nicht einfach Kaffee ist sondern wesentliche Gründe wie Botanik, Herkunft, Verarbeitung und Röstung damit verantwortlich sind, damit es beim Frühstück so fein duftet wie beim Stand der Cafethek.
Als Franziska Teuscher noch nicht Direktorin für Bildung, Soziales und Sport der Stadt Bern war, besass sie in Biel zusammen mit anderen Frauen einen Oekoladen und studierte Biologie. In der Eröffnungsansprache wies sie darauf hin, dass nicht nur eine Slow Food Messe die Erwachsenen für gesundes und nachhaltiges Essen sensiblisiere sondern bereits in der Kita den Kinder die richtige Nahrung verabreicht werden müsse, damit man quasi den guten Geschmack auch für später im Kopf und auf der Zunge gespeichert hat.
Und wie Franziska Teuscher, die weiss, woher ihre Rübli kommen, gewichten heute die Konsumenten die Regionalität stärker als die Oekologie und die Slow Food Bewegung versucht mit der Arche des Geschmacks bedrohte Lebensmittel wieder zu fördern, damit sie im Laden wieder in Erscheinug treten.
Die Westschweiz ist dieses Jahr stark vertreten. Was allerdings im Konzept des Slow Food Market fehlt sind die Ausländer in der Schweiz und ihr Essen. Zwar sind auch eine Handvoll ausländische Produzenten anwesend, aber nicht aus den Ländern aus denen die vielen Ausländer, die in den letzten Jahren die Schweiz gezogen sind, kommen. Hier sollte der Slow Food Market eine breitere Oeffentlichkeit ansprechen.
Nachdem der Besucher sich den Magen gefüllt hat mit Häppchen an den Ständen, gibt es beim Ausgang ein Rübli und zwar eines gegen die Norm und gegen das Fortwerfen, was Mutter Natur gegeben hat. Auch das ist Slow Food – alles verwerten, nichts wegwerfen, da fängt bereits guter Geschmack an.
Weitere Informationen zum Slow Food Market Bern hier

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s