Zermatt unplugged – Kodaline und Sarah Connor oder wenn die Mutter die Jungs wegrockt

Die 11. Ausgabe des Zermatt unplugged bot am ersten Tag Konzerte, die wie das Aprilwetter tagsdurch war, stark durchzogene Irren und eine schon den Frühling spürende Deutsche.


Nachdem die Plattenverkäufen im digitalen Zeitalter zurückgingen, war und ist das Livekonzert die Visitenkarte der Künstler, der sich aus der Fülle der Festivals, das raussuchen kann, das die beste Gage zahlt und einen Ruf hat. Und manchmal ist ein Auftritt an einem Festival auch eine Art Entschuldigung. Nachdem Kodaline die ganze Europatournee abgesagt haben, weil das dritte Album noch nicht fertig sei, fuhren Fans aus ganze Europa mit der roten Matterhornbahn an, um wenigstens das Zückerli mit dem einzigen Konzert für dieses Jahr in Zermatt anhören zu können und sie wurden enttäuscht.

 

Die vielen Kerzen auf der Bühne waren der perfekte Hintergrund für die ersten 40 Minuten von Kodaline, die eine Ballade an die andere anhängten und im nicht ausverkauften Zelt Lagerfeuerromantik zauberten, doch etwas stimmte mit Sänger Steve Garnjan nicht. Er vergass einmal den Text, schwankte, machte zu lange Pausen zwischen den Songs und dann kam er mit der Erklärung, er habe sich,  seit er in Zermatt sei, erkältet an. Seiner hohen Stimme machte das aber nichts aus, sie klang laut und klar,  aber auch später als es rockiger wurde, hatte man das Gefühl, er sei nicht bei der Sache oder mit den Gedanken noch in der Produktion des neuen Albums. Etliche Gäste verliessen den Saal, weil einfach keine richtige Stimmung aufkam und es trotz harmonischem Gesang von vier Irren ein Konzert wurde, das ohne Zugabe zu Ende ging und irgendwie vermuten lässt, dass diese Gruppe ihren Zenit überschritten hat und darum nicht auf Europatournee geht.
Eigentlich wäre es ja „let get to back to bed boy“gewesen, wie Sarah Connor erster Hit 2001 hiess, als sie 22.45 Uhr die Bühne des Alex betrat.
Die Deutsche mit amerikanischem Vater aus Delenhorst war zu Beginn des Jahrhunderts zehn Jahre der deutsche Star schlechthin gewesen, der mit „From Sarah with love oder Bounce“ in den Hitparaden bis nach Australien vertreten war, doch dann floppte das letzte englischsprachige Album und Sarah, der Popstar,  zog sich fünf Jahre aus dem Musikgeschhäft zurück, wurde mehrfach Mutter und kam 2015 als Singer/Songwriter  mit dem deutschsprachigen Album „Muttersprache“ zurück, das fünffach Platin erhielt.

Im ausverkauften Alex herrscht von der ersten bis zur hundersten Minute eine Bombenstimmung, weil Sarah eine reiche Palette von Pop, Soul bis Hardrock bot und geschickt dazwischen die deutschen Lieder mit den tiefgründigen Texten einbaute. Sie kämpfte zwar mit Stromausfällen, machte dies aber mit Spässen mit dem Publikum wett und bot den vielen Mädels im Publikum Frauenpower und den Männern sexy Tanzeinlagen. Als „Wie schön du bist“ verklang, stampfte und klatschte das Publikum wie wild und Sarah Connor kam mit ihrer sechsköpfigen Band zurück und gab drei Zugaben.

Fotos von Kodaline von Nick Lobeck

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